Handwerksbetriebe reagieren auf kritische Marktentwicklung
11. Oktober 2004
Die Handwerkskonjunktur in der Region hat sich auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Zu diesem Ergebnis kommt die Handwerkskammer Heilbronn-Franken nach der jüngsten Konjunkturumfrage unter ihren knapp 11 000 Mitgliedsbetrieben in Stadt und Landkreis Heilbronn, dem Hohenlohekreis sowie den Landkreisen Schwäbisch Hall und Main-Tauber. Der Konjunkturindikator, der die wirtschaftliche Lage im Handwerk widerspiegelt, bleibt mit 28 Punkten auch im Herbst auf einem mittleren Niveau. In die Zukunft blicken die Betriebe mit verhaltener Zuversicht.
Dabei ist die Lage von Handwerksbetrieb zu Handwerksbetrieb sehr verschieden. Mehr als 30 Prozent der Betriebe schätzen ihre aktuelle Geschäftslage als gut ein. Mehr als 40 Prozent antworten mit "teils/teils", während 25 Prozent der Handwerker von einer schlechten Situation sprechen. Wie schwer kalkulierbar die Zukunft für viele Unternehmer geworden ist, zeigt der hohe Anteil der Unentschlossenen bei der Einschätzung ihrer künftigen Geschäftsentwicklung: Jeder zweite Betrieb wagt keine Prognose.
Bei den Auftragseingängen ist im Herbst keine wesentliche Änderung spürbar. Jeder vierte Betrieb verzeichnet mehr Aufträge als in den Vormonaten, während genauso viele mit weniger Aufträgen über die Runden kommen müssen. Diese Situation ähnelt dem Vorjahr. Der Auftragsbestand bleibt mit 6,2 Wochen unter dem Vorjahresniveau mit 6,7 Wochen. Der Anteil der Unternehmen, deren Auftragsbücher nur für eine oder zwei Wochen gefüllt sind, ist im Herbst von knapp 35 Prozent auf 24 Prozent leicht zurückgegangen. Auch die Betriebsauslastung hat sich leicht verbessert. Die Zahl der Betriebe, die nicht einmal zur Hälfte ausgelastet sind, ist im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zurückgegangen. Während knapp ein Drittel der Betriebe höhere Umsätze registriert, bleibt bei 40 Prozent der Unternehmen die Umsatzentwicklung immerhin stabil. Jeder vierte Betrieb muss Einbußen in Kauf nehmen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Handwerksbetriebe ihre Preise nicht erhöht haben, obwohl fast jeder zweite sein Material und seine Handelsprodukte teurer einkaufen muss als im Vorquartal.
"Die Unternehmen versuchen flexibler auf die wirtschaftlichen Zwänge zu reagieren", sagt Klaus Hackert, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Zu der schleppenden Nachfrage komme eine verschärfte Wettbewerbssituation hinzu. Diese sei durch die neue Handwerksordnung angestoßen worden - seitdem verzeichne die Kammer einen Gründungsboom im zulassungsfreien Handwerk. "Auf den Markt drängen Kleinstbetriebe, die die Preise der etablierten Betriebe unterbieten, dann aber bald wieder von der Bildfläche verschwinden, weil sie so nicht überleben können", meint Hackert. Die Folge sei ein Strukturwandel im Handwerk. Der Trend gehe zu Kleinstbetrieben einerseits und zu großen Betrieben andererseits.
Ein negativer Effekt dieser Entwicklung schlägt sich in der Beschäftigung nieder: Seit etwas mehr als einem Jahr nimmt die Zahl der Betriebe, die Mitarbeiter entlassen zu. Im Herbst gaben 17 Prozent der Befragten an, sie würden weniger Mitarbeiter beschäftigen als im Vorquartal. Im Gegenzug stellten allerdings nur 9 Prozent der Betriebe ein. "Mit Kooperationen, Subunternehmen und befristeten Beschäftigungsverträgen versuchen die Betriebe flexibler auf die Marktentwicklung zu reagieren und so ihr Überleben zu sichern. Dabei besteht die Gefahr, dass eine traditionelle Stärke des Handwerks verloren geht - die des sicheren Arbeitsplatzes", kritisiert Hackert.