Mehr Aufträge aber kein Aufschwung im Handwerk
4. Februar 2004
Im Handwerk der Region ist noch kein wirtschaftlicher Aufschwung spürbar. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage unter den rund 11 000 Handwerksbetrieben im Stadt- und Landkreis Heilbronn, dem Hohenlohekreis sowie den Landkreisen Main-Tauber und Schwäbisch Hall hervor. Der Konjunkturindikator, der die wirtschaftliche Lage im Handwerk in der Region widerspiegelt, ist im Winter auf 15,7 Punkte zurückgegangen (28,4 im Herbst), hat sich im Vergleich zum Vorjahr (7 Punkte) aber deutlich erholt.
Rund 40 Prozent der Betriebe haben im Winterquartal Auftragszuwächse registriert. Damit liegt die Region deutlich über dem Landesdurchschnitt, wo nur 27 Prozent der Befragten von mehr Aufträgen berichteten. Bei 44 Prozent der Handwerksunternehmen sind die Umsätze gestiegen. Dennoch rechnet ein Großteil der Befragten schon im Frühjahr wieder mit Rückgängen bei Aufträgen und Umsätzen. "Mehr Aufträge und höhere Umsätze bedeuten leider nicht zwangsläufig bessere Erträge. Viele Handwerksbetriebe nehmen Aufträge an, um ihre Mitarbeiter weiterhin beschäftigen zu können, auch wenn dabei so gut wie nichts verdient ist", sagt Klaus Hackert, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Preissteigerungen im Einkauf werden an den Verbraucher kaum weitergegeben: 30 Prozent der Befragten müssen ihr Material teurer einkaufen als im Vorquartal, doch nur 3 Prozent haben darauf mit höheren Verkaufspreisen reagiert.
Die Betriebsauslastung hat sich leicht verbessert. Der Anteil der Unternehmen, die zu mindestens 80 Prozent ausgelastet sind, hat im Vergleich zum Herbst wieder leicht zugenommen (49 Prozent gegenüber 44 Prozent). Der durchschnittliche Auftragsbestand ist dagegen von 6,7 auf 5,2 Wochen zurückgegangen. Betrachtet man diese Größe genauer, wird die Schnelllebigkeit des Marktes deutlich: Jeder dritte Betriebsinhaber muss weiterhin kurzfristig planen, weil sein Auftragsbestand - im Durchschnitt aller Branchen - nur für eine Woche reicht.
Entsprechend zurückhaltend fällt die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage aus. 23 Prozent der Betriebe schätzen ihre Geschäftslage als gut, 30 Prozent dagegen als schlecht ein. Auch im kommenden Quartal rechnen mehr als 30 Prozent der Betriebe mit einer schlechten Geschäftslage, nur etwa jeder vierte glaubt an bessere Zeiten. "Die Handwerker haben kein Vertrauen in einen Konjunkturaufschwung", erklärt Klaus Hackert. Dazu trage nicht zuletzt die Novellierung der Handwerksordnung bei, deren Konsequenzen noch nicht abschätzbar seien. Entsprechend gering ist die Investitionstätigkeit: 51 Prozent der Handwerksunternehmen haben im Winter nicht investiert, mehr als 60 Prozent wollen auch im Frühjahr so verfahren. Neben den unsicheren Zukunftsaussichten ist nach Auffassung von Hackert die schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden für die geringe Investitionsneigung der Betriebe verantwortlich: "Den Handwerksunternehmen fehlt schlicht das Geld, um zu investieren. Zudem verfahren die Banken in solchen Fällen mittlerweile sehr restriktiv und drehen den Geldhahn einfach ab".
Bei der Beschäftigung sieht es dagegen gut aus. Der Zahl von Betrieben, die Mitarbeiter entlassen mussten (11 Prozent) stehen deutlich mehr Betriebe gegenüber, die eingestellt haben (13,5 Prozent).