Dem Handwerk in der Region brechen die Aufträge weg
7. April 2003
Dem Handwerk in der Region brechen die Aufträge weg. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage unter den mehr als 11 000 Handwerksbetrieben im Stadt- und Landkreis Heilbronn, dem Hohenlohekreis sowie den Landkreisen Main-Tauber und Schwäbisch Hall hervor. Mehr als 60 Prozent der Betriebe klagen über gesunkene Umsätze - ein Rekordwert. Damit einher gehen weniger Aufträge und eine schlechte Betriebsauslastung. Jeder fünfte Betrieb gab im Frühjahr an, nur zur Hälfte ausgelastet zu sein. Bei jedem vierten Betrieb reicht der Auftragsbestand nur eine Woche. Fast jeder zweite Betrieb (48,8%) gab an, im Frühjahr weniger Aufträge als im Winterquartal erhalten zu haben. Damit wurden die Befürchtungen aus der Winterumfrage noch übertroffen. Damals rechneten starke 40 Prozent der Betriebe mit einem Auftragsrückgang. Für die Zukunft hofft die große Mehrheit der Betriebe auf steigende oder zumindest stabile Auftragszahlen.
"Schlimmer geht es ja kaum noch", sagte Kammerpräsident Klaus Hackert zu den neuesten Umfrageergebnissen. Berlin müsse endlich handeln und sowohl Steuern und Abgaben, als auch die "völlig unverhältnismäßige" Bürokratielast von den Handwerksbetrieben nehmen, forderte er. "Wenn ein Handwerker 44 Euro berechnen muss - ohne Mehrwertsteuer - um unterm Strich auf einen Stundenlohn von 13 Euro und einen Gewinn von 1,20 Euro zu kommen, dann braucht man sich nicht wundern, wenn viele Privatleute lieber in die Schwarzarbeit ausweichen", kritisierte Klaus Hackert, "aber die Regierung erklärt lieber die Meisterprüfung zur Chefsache als sich um die Probleme zu kümmern, die wirklich unter den Nägeln brennen".
Mehr als 90 Prozent der Betriebe gaben in der Umfrage an, gegenüber dem Vorquartal ihre Belegschaft gehalten zu haben. Auch künftig wollten sie keine Mitarbeiter entlassen, kündigte die breite Mehrheit an. "Die Bundesregierung hofiert und entlastet die industriellen Großbetriebe, angeblich um Arbeitsplätze zu erhalten. Die kleinen und mittleren Unternehmen, die wirklich langfristig sichere Arbeitsplätze stellen, zählen anscheinend nicht", ärgerte sich Klaus Hackert.
Jeder dritte Betrieb beurteilt seine derzeitige Geschäftslage als schlecht, nur 17 Prozent als gut - so wenige wie nie zuvor. Ein Viertel der Unternehmen rechnet auch in der Zukunft mit einer angespannten wirtschaftlichen Lage.
Ist die wirtschaftliche Stimmung des Handwerks in Baden-Württemberg auf dem Nullpunkt angelangt, so ist sie in der Region Heilbronn-Franken schlicht schlecht. Der Konjunkturindikator verharrt auf einem sehr niedrigen Niveau. Auch was die Einschätzung der Zukunft angeht, bleiben die Betriebe vorsichtig. Seit der Erhebung der Daten wurde der zweitniedrigste Wert gemessen.
Weniger als die Hälfte der Handwerksunternehmen haben im vergangenen Quartal investiert. Diese Zahl wird weiter schrumpfen: 80 Prozent wollen auch in den nächsten Monaten angesichts der unsicheren Lage nicht mehr investieren.