Trotz anhaltender Schwäche Zuversicht im Handwerk ungebrochen
07. Mai 2001
Die Handwerkskonjunktur kühlt weiter ab. Der Konjunkturindikator, der das wirtschaftliche Stimmungsbild der Handwerksbetriebe wiedergibt, ist im ersten Quartal des Jahres 2001 um weitere drei Punkte gesunken. Dies ergab eine Umfrage der Handwerkskammer Heilbronn-Franken unter repräsentativ ausgewählten Handwerksbetrieben im Stadt- und Landkreis Heilbronn, im Hohenlohekreis, im Kreis Schwäbisch Hall und im Main-Tauber-Kreis. "Die Gründe für die anhaltende Konjunkturschwäche im Handwerk sind", so Handwerkskammerpräsident Klaus Hackert, "vielfältiger Natur". Im Kfz-Gewerbe sei noch keine Entspannung zu beobachten, zum BSE komme nun auch die MKS-Krise hinzu, was zu weiteren Verlusten im Fleischerhandwerk führe, aber auch die politischen Rahmenbedingungen seien für den Mittelstand in keiner Weise wachstumsfördernd.
Trotz dieser negativen Impulse sind die Prognosen der über 11 000 Handwerksbetriebe in der Region Heilbronn-Franken für das kommende Quartal durchweg positiv. Die Unternehmer haben die Hoffnung auf eine baldige Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht aufgegeben. Rund 80 Prozent der Handwerksbetriebe beurteilten bei der Umfrage Ende März ihre derzeitige Geschäftslage als zufriedenstellend oder besser. Für die nächsten drei Monate erwarten sogar knapp 90 Prozent der Betriebe eine gute bis zufriedenstellende Geschäftslage.
Nach leichten Zuwächsen im vergangenen Jahr gingen die Umsätze im Handwerk der Region im ersten Quartal 2001 stark zurück. Über 40 Prozent meldeten sinkende Umsätze. Auch bei dieser Kennziffer waren die Prognosen deutlich besser. Weit mehr als die Hälfte der Betriebe gehen von einem spürbaren Umsatzwachstum in den kommenden drei Monaten aus.
Trotz noch einmal leicht abgeschwächter Geschäftslage hat sich die Auslastung der Produktionskapazitäten zu Beginn des Jahres nur unwesentlich verändert. Die durchschnittliche Reichweite der Auftragsbestände in den Handwerksbetrieben der Region lag mit rund sechs Wochen in etwa auf dem Niveau des Vorquartals. Volle Auftragsbücher sorgten bei rund 21 Prozent der Betriebe für eine Auslastung von mehr als zwölf Wochen. Der Auftragseingang veränderte sich im Vergleich zum Winterquartal ebenfalls nur geringfügig. Während zum Jahreswechsel knapp 29 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge verzeichneten, waren dies am Ende des ersten Quartals 2001 etwa 27 Prozent. Steigende Auftragseingänge für die kommenden drei Monate erwarten dagegen über die Hälfte der Handwerksbetriebe.
Trotz größerer Spielräume für Preiserhöhungen hat sich die Ertragslage in den Handwerksbetrieben der Region nur wenig verbessert. Knapp 20 Prozent der Handwerksbetriebe konnten im ersten Quartal 2001 höhere Verkaufspreise gegenüber ihren Abnehmern durchsetzen. Knapp zehn Prozent mussten weitere Zugeständnisse bei der Preisgestaltung einräumen. Den steigenden Verkaufspreisen standen auf der anderen Seite auch steigende Einkaufspreise gegenüber. Über 60 Prozent der Betriebe registrierten gegenüber dem Vorquartal steigende Einkaufspreise.
Nach wie vor zurückhaltend verhalten sich die Betriebe mit Investitionen. Zwölf Prozent der Handwerksbetriebe haben ihre Investitionen gegenüber dem Vorquartal erhöht, knapp 35 Prozent der Betriebe haben weniger investiert.
Wenig Veränderung zeigte sich gegenüber dem Vorquartal auch bei der Beschäftigung. Der Saldo zwischen Einstellungen und Entlassungen war leicht negativ. Etwas mehr als sieben Prozent der Betriebe haben ihren Personalbestand in den vergangenen drei Monaten aufgestockt, knapp zehn Prozent meldeten rückläufige Beschäftigtenzahlen. Die Personalplanungen für das kommende Quartal dagegen zeichnen ein deutlich besseres Bild. Über zehn Prozent der Betriebe wollen in den kommenden drei Monaten Personal einstellen, nur knapp drei Prozent wollen Mitarbeiter entlassen.
Ob es sich bei den derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Ernüchterungen um einen Abwärtstrend handelt, oder nur um eine Delle in einer langfristigen Aufwärtsentwicklung, bleibt offen. Für die Konjunktur im Handwerk ist nach Ansicht von Handwerkskammerpräsident Klaus Hackert der Boom im Export jedenfalls nur sehr indirekt ursächlich. Der Ausfuhrrekord in Deutschland habe zwar auch seine Resonanz bei den Handwerksbetrieben gefunden. Entscheidend, so Hackert, dürfte für das Handwerk insgesamt die Binnenkonjunktur bleiben, die bestimmt ist von den Investitionen und vor allem vom privaten Konsum.