Insgesamt positive Erwartungen bei gedämpfter Stimmung
26. Februar 2001
Die Handwerkskonjunktur verabschiedete sich leicht geschwächt vom alten Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt die Handwerkskammer Heilbronn-Franken anlässlich einer Umfrage unter repräsentativ ausgewählten Handwerksbetrieben aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn, dem Kreis Schwäbisch Hall, dem Hohenlohekreis und dem Main-Tauber-Kreis. Gründe für diese Entwicklung sieht Handwerkskammerpräsident Klaus Hackert einmal darin, dass der Konsumnachfrage aus seiner Sicht nach wie vor die nötige Durchschlagskraft zu einer nachhaltigen Klimaverbesserung fehlt. Hinzu kommen seiner Meinung nach auch einige ungünstige Sonderentwicklungen, wie die anhaltende Flaute am Bau, die schwache inländische Autokonjunktur, die zur Beeinträchtigung der Geschäfte im Kraftfahrzeughandwerk führt und die BSE-Krise, die seit Dezember zu empfindlichen Absatzverlusten beim Fleischerhandwerk geführt haben.
Der Konjunkturindikator, der die wirtschaftliche Stimmungslage im Handwerk der Region widerspiegelt, ist im Winterquartal um rund vier Prozentpunkte gesunken. Dennoch beurteilten immer noch vier von fünf Betrieben ihre allgemeine Geschäftslage als gut bis befriedigend. Auch die Prognosen für das nächste Quartal waren durchweg zuversichtlich. Über die Hälfte der Handwerksbetriebe erwarten für die nächsten drei Monate eine gute wirtschaftliche Lage.
Die Beschäftigung war gegenüber dem Vorquartal nahezu unverändert. Über 90 Prozent der Betriebe meldeten konstante Mitarbeiterzahlen. Der Anteil der Betriebe, die Personal abgebaut haben, lag nur noch geringfügig über dem Anteil der Betriebe, die zusätzliche Mitarbeiter eingestellt haben. Auch im Bereich der Beschäftigung sind die Prognosen für das Frühjahr optimistisch. Mehr als sieben Prozent der Betriebe wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen.
Sorgen bereitet dem Handwerk in der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken aber nach wie vor die Entwicklung am Lehrstellenmarkt. Angesichts von rund 1000 nicht besetzten Ausbildungsstellen äußerte Hackert Bedenken, dass aus dem Lehrstellenmangel im Handwerk bereits ein Nachwuchsmangel geworden sei. Die Betriebe stünden nun in der unternehmerischen Verantwortung zur Sicherung ihres eigenen Fachkräftebedarfs und in der gesellschaftlichen Verantwortung, auch den Jugendlichen eine Chance zu geben, die zu den Leistungsschwächeren gehören. Differenzierung in der Ausbildung, wie sie im Handwerk schon lange praktiziert werde, sei dazu das Schlagwort. Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk der Region war und ist überdurchschnittlich hoch. Auch im vergangenen Ausbildungsjahr konnte das Handwerk seine Ausbildungsleistung nochmals steigern. 2391 Ausbildungsverträge wurden neu abgeschlossen.
Saisonbedingt waren die Auftragsbücher zum Jahreswechsel nicht mehr ganz so prall gefüllt. Die durchschnittliche Auftragsreichweite war leicht rückläufig. Rund 15 Prozent der Betriebe, im Vergleich zu knapp 22 Prozent im Vorquartal, meldeten, dass ihr Auftragsbestand eine Reichweite von mehr als neun Wochen aufweist. Positivere Signale gab es dagegen vom Auftragseingang. Fast 30 Prozent der Betriebe registrierten zum Jahreswechsel einen höheren Auftragseingang. Erschreckend hoch, nämlich bei rund 26 Prozent lag aber auch der Anteil der Betriebe, die rückläufige Auftragseingänge hinnehmen mussten.
Geringfügig entspannt hat sich die Preissituation der Handwerksbetriebe auf dem Beschaffungsmarkt. Dennoch klagte immer noch mehr als jeder zweite Betrieb über steigende Einkaufspreise. Höhere Verkaufspreise konnte nur jeder vierte Betrieb durchsetzen. Bei zwei Dritteln blieben diese unverändert.
Die Umsätze im Handwerk der Region sind gegenüber dem Vorquartal nur leicht angestiegen. Etwa 28 Prozent - im Vorquartal waren es noch 22 Prozent - der Betriebe meldeten steigende, 21 Prozent, im Vergleich zu 20 Prozent im Vorquartal, sinkende Umsätze.
Die Investitionsbereitschaft hat zum Jahresende hin leicht zugenommen. Nach Ansicht von Handwerkskammerpräsident Klaus Hackert habe das geringe Zinsniveau sowie die anstehende Verschlechterung der Abschreibungsfrist viele Handwerksbetriebe veranlasst, im alten Jahr noch Investitionen durchzuführen.
Insgesamt scheint nach Ansicht des Kammerpräsidenten die wirtschaftliche Lage im Handwerk der Region doch besser zu sein, als die Stimmung.