"Positive Entwicklung im Handwerk nicht gefährden"
10. Juli 2006
Die Welle der Begeisterung während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland hat auch die regionale Wirtschaft erfasst. Die Stimmung unter den rund 11500 Handwerksunternehmern in der Region hat einen absoluten Rekordwert erreicht. Dies hat die jüngste Umfrage der Handwerkskammer Heilbronn-Franken unter ihren Mitgliedsbetrieben ergeben. Der Konjunkturindikator - das Stimmungsbarometer im Handwerk - hat mit 61,10 Punkten den höchsten Wert seit Beginn der Konjunkturumfrage erreicht. Dies entspricht einer Steigerung von knapp 36 Punkten im Jahresvergleich. Auch im Quartalsvergleich hat sich die Stimmung weiter verbessert: Im Frühjahr lag der Konjunkturindikator bei 39,43 Punkten.
Jeder zweite Betriebsinhaber spricht von einer "guten" Geschäftslage, nur jeder zehnte schätzt seine Lage als "schlecht" ein. Im Vorjahr berichtete nur jeder dritte von einer "guten" geschäftlichen Situation, mehr als jeder vierte dagegen von einer "schlechten" Lage. 38 Prozent der Betriebe melden höhere Auftragsbestände als im Vorquartal, im Frühjahr war dies nur bei 20 Prozent der Fall. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind durchschnittlich für 6,5 Wochen gefüllt - im Jahr zuvor waren es durchschnittlich nur 5,6 Wochen.
Ursache für die verbesserte Auftragslage sind nach Meinung von Handwerkskammerpräsident Thilo Bräuninger unter anderem Vorzieheffekte im Hinblick auf die Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr. Ob die Nachfrage nachhaltig angekurbelt wird, sei zu bezweifeln. Mittelfristig werde die Mehrwertsteuererhöhung den positiven Trend bremsen. "Wir werden die Konjunkturwende nur dauerhaft schaffen, wenn Handwerksleistungen für die Kunden auch finanzierbar bleiben", erklärt Bräuninger.
Weiterhin kritisiert er die kürzlich verabschiedete Gesundheitsreform. Größter Knackpunkt der Reform sei, dass Elemente fehlen, die die Eigenverantwortung der Versicherten stärken und den paritätisch finanzierten Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen entlasten. "Die notwendige und zugesagte deutliche Absenkung der Beiträge als Einstieg in eine Strukturreform ist so nicht zu schaffen", bemängelt Bräuninger. Die für 2007 angekündigten Beitragserhöhungen um 0,5 Prozent würden die ohnehin hohen Lohnzusatzkosten nochmals verteuern. "Gerade auch angesichts der Mehrwertsteuererhöhung brauchen unsere Betriebe Entlastungen und keine Mehrbelastungen. Wir erwarten von der endgültigen Gesundheitsreform, dass die Lohnzusatzkosten deutlich unter 40 Prozent gesenkt werden - so wie es von der Koalition auch angekündigt war."
Positive Impulse erwartet Handwerkskammerpräsident Thilo Bräuninger von der Unternehmenssteuerreform. Sie soll den Betrieben dabei helfen, Eigenkapital aufzubauen. "Eine Entlastung bei der Körperschaftssteuer hilft auch dem Handwerk", so Bräuninger. Wichtig sei aber vor allem die angekündigte analoge Entlastung von Personenunternehmen.