Investitionsbereitschaft im Handwerk in der Region gestiegen
17. Oktober 2005
Die wirtschaftliche Lage der Handwerksbetriebe im Herbst hat sich im Vergleich zum Sommerquartal leicht verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt die Handwerkskammer Heilbronn-Franken in ihrer aktuellen Konjunkturumfrage unter ihren mehr als 11 000 Mitgliedsbetrieben in der Region. Der Konjunkturindikator, der die Stimmung unter den Handwerksunternehmern widerspiegelt, ist im Herbst deutlich von 17 auf 25 Punkte geklettert. Damit liegt das Stimmungsbarometer in etwa auf dem Vorjahresniveau von 28 Punkten. Ihre Geschäftslage schätzen 34 Prozent der befragten Betriebe als "gut" ein, demgegenüber beurteilen mit einem Anteil von 28 Prozent deutlich weniger Betriebe ihre Lage als "schlecht". Im Vorquartal sprachen nur 27 Prozent der Unternehmer von einer "guten" geschäftlichen Situation. Auch in die Zukunft blicken die Handwerksbetriebe zuversichtlicher. Für die kommenden Monate rechnen 36 Prozent der Unternehmer damit, dass sich ihre Geschäfte verbessern, lediglich 19 Prozent erwarten eine Verschlechterung.
Die Investitionsbereitschaft der Handwerksbetriebe hat stark zugenommen. Im Herbst haben 31 Prozent der Befragten zusätzlich investiert, im Sommer war dieser Anteil mit 15 Prozent nur halb so hoch. Auch im Jahresvergleich haben die Unternehmen vermehrt investiert. Die gestiegene Investitionsfreude führt Handwerkskammerpräsident Thilo Bräuninger unter anderem auf die politische Wechselstimmung in den Wochen vor der Bundestagswahl Ende September zurück: "Mit der Hoffnung auf einen Regierungswechsel stieg bei den Unternehmen der Mut, mehr zu investieren." Zum anderen wirke sich das derzeit niedrige Zinsniveau günstig auf das Investitionsverhalten aus: "Die Kreditzinsen sind auf einem Rekordtief, dadurch tätigen viele Unternehmer jetzt die Investitionen, die sie bisher aufgeschoben hatten", so Bräuninger.
Die Betriebsauslastung und der Auftragsbestand haben sich im Vergleich zum Vorquartal etwas erholt. 57 Prozent der Handwerksunternehmer waren im Herbst zu 70 Prozent oder mehr ausgelastet, im Sommer hatten etwas weniger Betriebe diese Auslastung (52 Prozent). Die Auftragslage ist im Jahresvergleich stabil. Die Auftragsbücher der Handwerksunternehmen sind durchschnittlich für gut sechs Wochen gefüllt.
Die Umsätze sind im Quartalsvergleich gesunken. Der Anteil der Unternehmen mit steigenden Umsätzen ist im dritten Quartal von 29 Prozent auf 18 Prozent zurückgegangen. Während im Vorquartal nur 23 der Betriebe mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen hatten, waren es im Herbst bereits 38 Prozent. Für die kommenden Monate sind viele Handwerksunternehmer jedoch optimistisch: Knapp jeder dritte rechnet mit steigenden Umsätzen, sinkende Umsätze erwartet nur jeder zehnte der Befragten.
Die Beschäftigungszahlen sind rückläufig. 17 Prozent der Befragten haben ihre Belegschaft verkleinert, dagegen haben nur neun Prozent der Betriebe Mitarbeiter eingestellt. Um Arbeitsplätze zu sichern oder gar neue zu schaffen, müssen nach Einschätzung von Präsident Thilo Bräuninger die Lohnnebenkosten deutlich sinken. "Gerade aus Sicht des beschäftigungsintensiven Handwerks gilt: Arbeit muss wieder bezahlbar werden", betont Bräuninger.
Bei den Einkaufs- und Verkaufspreisen zeichnet sich eine gegenläufige Entwicklung ab. Während die Unternehmen ihre Verkaufspreise im Herbst in etwa auf dem gleichen Niveau wie im Sommer und im Vorjahr hielten, sind die Einkaufspreise deutlich gestiegen. 58 Prozent der Betriebsinhaber berichten von steigenden Einkaufspreisen, im Vorquartal waren es nur 44 Prozent. Insbesondere die drastisch gestiegenen Energiepreise tragen zu einer Kostenerhöhung bei. Allerdings können die Handwerksunternehmer ihre gestiegenen Kosten nicht in vollem Umfang an ihre Kunden weitergeben. "Die Betriebe befürchten, dass ihnen Aufträge verloren gehen könnten. Viele Handwerksunternehmer kalkulieren deshalb ihre Preise so knapp, dass ihre Kosten kaum noch gedeckt werden", erklärt Präsident Thilo Bräuninger. Dadurch werde die Substanz der Betriebe weiter aufgezehrt.