Handwerksbetriebe müssen ihr individuelles Erfolgskonzept finden
11. Februar 2005
Die wirtschaftliche Lage im Handwerk der Region hat sich auch im Winterquartal nicht wesentlich verbessert. Das geht aus der jüngsten Umfrage der Handwerkskammer Heilbronn-Franken unter ihren knapp 11000 Mitgliedsbetrieben in der Stadt und im Landkreis Heilbronn, im Main-Tauber-Kreis sowie den Landkreisen Schwäbisch Hall und Hohenlohe hervor.
Der Konjunkturindikator, der die Stimmung unter den Handwerksbetrieben widerspiegelt, ist gegenüber dem Vorquartal um 12 auf 16 Punkte gefallen. Er bleibt aber knapp über dem Vorjahreswert. Dem Frühjahr blicken die Betriebe optimistischer als vor einem Jahr entgegen. Bei den Aufträgen und der Betriebsauslastung zeigten sich in den vergangenen Monaten leichte Verbesserungen - der Anteil der Betriebe, die zu 80 Prozent und mehr ausgelastet sind, ist gegenüber dem Vorquartal von 43 Prozent auf 55 Prozent angewachsen. Der Auftragsbestand in Wochen beträgt quer über alle Branchen hinweg durchschnittlich 6,6 Wochen. Im Winter 2003 waren die Auftragsbücher durchschnittlich nur für 5,2 Wochen gefüllt. Die Mehrheit der Betriebe (58 Prozent) verzeichnete in den vergangenen Monaten einen konstanten Auftragsbestand. Etwa gleich viele Betriebe berichten von einem höheren beziehungsweise von einem geringeren Auftragsbestand (jeweils 20 Prozent).
Die Geschäftslage wird von den Befragten sehr unterschiedlich eingeschätzt. Jeder dritte Handwerksunternehmer beschreibt seine geschäftliche Situation mit "gut". Genauso viele stufen ihre Lage als "schlecht" oder mit "teils/teils" ein. Dabei nimmt der Anteil der zufriedenen Betriebsinhaber seit etwa einem Jahr kontinuierlich zu. Der Anteil der Unzufriedenen verharrt dagegen auf einem konstanten Niveau.
Die Umsätze haben sich bei jedem dritten Befragten in den vergangenen Monaten positiv entwickelt, jeder fünfte klagt über Einbußen. Für das kommende Frühjahr erwartet ein Großteil der Unternehmen Umsatzverluste: Fast 40 Prozent rechnen mit einem Umsatzrückgang, nur zwölf Prozent glauben an Umsatzzuwächse.
"Die aktuelle Nachfrage reicht bei weitem nicht aus, um allen Handwerksbetrieben das Überleben zu sichern", kommentiert Kammerpräsident Thilo Bräuninger die Umfrageergebnisse. "Gefragt sind individuelle Geschäftsstrategien. Die Handwerksbetriebe, die momentan erfolgreich sind, haben ihre Nische gefunden", glaubt er. Der Trend im Handwerk gehe einerseits zu einer Vielzahl von Kleinbetrieben, die ihre Leistungen günstig anbieten können, und andererseits zu mittleren und größeren Betrieben, die sich mit einem besonderen Leistungsangebot von der Konkurrenz abheben. Vor diesem Hintergrund bemerkt der Kammerpräsident, dass die fachliche Qualifikation im Handwerk immer wichtiger werde. Auf dem engen Arbeitsmarkt hätten gut ausgebildete Fachkräfte die besten Chancen. Für Arbeitskräfte die nicht qualifiziert sind, seien die Aussichten eine dauerhafte Anstellung zu finden, dagegen deutlich schlechter. Der Umfrage zufolge hat sich die Beschäftigungssituation im Winter wieder stabilisiert. Nur sechs Prozent der befragten Betriebe beschäftigten weniger Mitarbeiter als im Vorquartal, während dreizehn Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigten. Bei den Investitionen wollen sich die Betriebe weiterhin zurückhalten: Fast die Hälfte der Betriebe plant in den kommenden Monaten keine Investitionen. Thilo Bräuninger wundert das nicht: "Im Handwerk fehlen die Anzeichen für eine echte konjunkturelle Belebung im Jahr 2005. Wir dürfen höchstens auf eine Stabilisierung der Lage hoffen".