Klavier- und Cembalobauer Herbert Kern aus Flein mit dem diesjährigen Pokal für die Teilnehmer an den Internationalen Handwerksmeisterschaften am 17. Mai.
Handwerkskammer
Klavier- und Cembalobauer Herbert Kern aus Flein mit dem diesjährigen Pokal für die Teilnehmer an den Internationalen Handwerksmeisterschaften am 17. Mai.

Alles im richtigen Rhythmus

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 26. März 2015:

Rund 7.000 Einzelteile und 500 Schrauben sind das tägliche Geschäft von Herbert Kern. Doch der Heilbronner beschäftigt sich nicht mit großen Industriemaschinen, sondern mit einem mechanischen Meisterwerk mit langer Geschichte: dem Klavier. In seinem Fachgeschäft in Flein verkauft und repariert der Klavier- und Cembalobaumeister dieses Instrument. In diesem Jahr hat er sich einer neuen Herausforderung gestellt. Herbert Kern entwirft und fertigt den Pokal für die Internationalen Handwerksmeisterschaften 2015 beim Trollinger Marathon am 17. Mai.

Lange Tradition

Mit dem Heilbronner Traditionslauf verbindet ihn einiges. Seine Frau ist begeisterte Teilnehmerin, er selbst auch schon einige Male dabei gewesen. Zudem führt die Laufstrecke direkt an seinem Laden vorbei. "Wir spielen dann draußen Klavier und sorgen für Stimmung an der Strecke", erklärt der 54-Jährige. Unter Teilnehmern und Zuschauern ist er deshalb längst bestens bekannt.

Die Idee, den Pokal zu fertigen, hatte zwar seine Frau, "darüber gebrütet habe aber ich lange Zeit", lacht Kern. Doch das hat sich gelohnt. Neben der musikalisch inspirierten Flügelform und den schwarzen Klaviertasten stecken in der Skulptur aus Buche, Ahorn und Ebenholz viele Gedanken zum Laufen. Der einzelne Fuß steht für die Laufbewegung, bei der auch nur jeweils ein Fuß den Boden berührt. Die Tasten verbindet er mit Rhythmus, den man beim Laufen und der Musik braucht.

Erfolgreich über die Region hinaus

Die Leidenschaft, die Herbert Kern in der Entwicklung des Pokals zeigt, hat er natürlich auch für sein alltägliches Geschäft. Sein Betrieb stützt sich auf drei Geschäftsbereiche: Verkauf, Kundenservice und Konzertdienst. Kunden sind vor allem Eltern, die das Instrument für ihre Kinder anschaffen. Doch auch viele Senioren erfüllen sich mit einem Klavier einen Lebenstraum. Klavierunterricht gibt es auch in einem Nebenraum des Geschäftes. Die meisten seiner Kunden finden durch Empfehlungen zu ihm – auch weit über den Heilbronner Raum hinaus. Berlin, Potsdam, Frankreich – sogar nach Argentinien hat es eines seiner Klaviere geschafft.

Mit dem Kundenservice wird es da natürlich etwas schwierig. Doch rund 50 Kilometer sind Kern und seine beiden Mitarbeiter schon mal unterwegs, um Klaviere zu stimmen. Dafür brauchen sie neben einem hervorragenden und musikalisch geschulten Gehör auch viel handwerkliches Geschick und Geduld.

Mit viel Gefühl

Denn jede einzelne der 230 Saiten braucht die gleiche Hingabe und Aufmerksamkeit. Über 90 Teile sind daran beteiligt einen einzigen Ton – von insgesamt 88 der Klaviatur - zu erzeugen. Dass manche Kunden diese diffizile Arbeit immer weniger wertschätzen und an den Lohnkosten feilschen wollen, ärgert Herbert Kern. "Aber die Wartung eines Klaviers hat viel mit Gefühl zu tun. Das kann man nicht automatisieren", betont der Handwerksmeister. Das kann auch schon einmal einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, wie bei einem Konzert in der Heilbronner Harmonie, bei dem vier Flügel aufeinander abgestimmt werden mussten.

Denn das Klavier ist Handwerkskunst vom Feinsten. Zwar können die Einzelteile inzwischen auch mit CNC-Maschinen zugeschnitten werden. Doch es ist immer noch Know-how, das letztlich den Klang bestimmt. "Bei der Herstellung dreht sich viel um das richtige Gefühl. Das schafft keine Maschine", erklärt Herbert Kern. Zwar gibt es bei Klavier-Kern auch Digitalklaviere. Für ihn kommen sie jedoch an Klang und Haptik eines mechanischen Klaviers nicht heran. "Es ist wie Musik von der CD hören oder live in einem Konzert", vergleicht es der Klavierbauer. "Man muss einen Ton fühlen." Fingerspitzen und Gehör seien in seinem Beruf deshalb die wichtigsten Werkzeuge.