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Betriebsstatistik 2015

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 8. März 2016:

Mit einem neuen Höchststand an Betrieben in der Geschichte der Handwerkskammer Heilbronn-Franken läuft der Wirtschaftsmotor Handwerk weiterhin auf Hochtouren. Zum Jahresende waren 131 Betriebe mehr als 2014 registriert.

Insgesamt waren in der Heilbronner Handwerksrolle 12.305 Betriebe eingetragen. Die aktuelle Entwicklung gibt dennoch auch Anlass zur Sorge. „Denn Masse ist nicht gleich Klasse“, betont Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Gründungsboom im zulassungsfreien Handwerk

Ungebremst ist der Gründungsboom im zulassungsfreien Handwerk ( Anlage B1 mit insgesamt 2.246 Betrieben). Hier wurde ein Plus von 83 Betrieben verzeichnet. Erschreckend ist, dass hier nur die wenigsten Selbstständigen eine handwerkliche oder unternehmerische Qualifi-kation vorweisen können. Schnörr: „Hier gibt es leider keine Qualifikationsvoraussetzungen.“

Meisterbriefe, ja sogar Gesellen- und Facharbeiterabschlüsse sind Mangelware. Die Gefahr sei deshalb groß, dass bei diesem Trend die dem Handwerk zugeschriebenen Qualitäten massiv leiden wird. Noch erschreckender ist jedoch, dass in diesen Betrieben kaum ausgebildet wird und alleine dadurch viele Betriebe Probleme haben, entsprechende Nachfolger zu finden.

Schnörr: „Deregulierung von Berufen ist ein falsches Signal“

Die immer wieder aufkommenden Pläne der Europäischen Kommission, die nationalen Qualifikationsanforderungen nach Möglichkeit aufzuheben, um Wirtschaftswachstum und Fachkräftemobilität zu steigern, bewertet Schnörr wie folgt: „Europa braucht in der Tat mehr Wachstum und Arbeitsplätze. Die Deregulierung von Berufen ist jedoch ein falsches Signal, insbesondere an das Handwerk.“

Und er ergänzt: „Unser weltweit anerkanntes und bewährtes duales Ausbildungssystem basiert auf der hohen Qualifikation der Meisterinnen und Meister." Eine Schwächung dieses bewährten Qualifizierungssystems sei daher nichts anderes als ein Angriff auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

„Auf der einen Seite lobt die EU das duale Ausbildungssystem als Beispiel für die krisengeschüttelten Südländer Europas. Auf der anderen Seite setzt sie Deutschland unter Druck, sich für jegliche Qualifikationsanforderungen erneut zu rechtfertigen."

Geringer Rückgang und Aufwärtstrend

Den geringen Rückgang im zulassungspflichtigen Handwerk ( Anlage A ) von acht Betrieben wertet Schnörr positiv und hofft, dass der kon-tinuierliche Rückgang der letzten Jahre nun seine Talsohle erreicht hat. Insgesamt sind hier für 2015 8.112 Betriebe aufgeführt.

Bei den handwerksähnlichen Betrieben ( Anlage B2 ) lag der Bestand zum Jahresende bei 1.938 Betrieben und befindet sich wieder in einem Aufwärtstrend mit einem Zuwachs von 56 Betrieben.

Nähere Informationen erteilt Martin Weiß, Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Tel.: 07131/791-134, E-Mail: Martin.Weiss@hwk-heilbronn.de