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Bildung im Fokus

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 24. November 2014:

Die Herbstsitzung der Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken hatte einen klaren Schwerpunkt: Aus- und Weiterbildung dominierten die Tagesordnung. Der Bericht von Markus May, Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer, war ein Plädoyer für mehr Mut zur Bildung im Handwerk. May griff dabei das von der Landesregierung für 2015 geplante Bildungszeitgesetz auf, das er für "dringend erforderlich" hält. Es werde nach wie vor zu wenig in die Weiterbildung investiert, obwohl diese durch neue Technologien immer wichtiger werde. Er appellierte vor allem auch an kleinere Handwerksbetriebe: "Geben Sie bildungswilligen Mitarbeitern die Chance sich weiterzubilden". Außerdem sichere Weiterbildung auch die Existenz des Betriebes. Bei der Ausbildung forderte Markus May mehr Initiative von den Betrieben. "Es müssen mehr und bessere Ausbildungsplätze geschaffen werden, die für junge Menschen attraktiv sind", erklärte der Vizepräsident der Arbeitnehmer. Eine dreijährige Berufsausbildung müsse mit allen Schulabschlüssen möglich sein. Bei lernschwachen Schülern könnte sich May eine Ausdehnung auf vier Jahre vorstellen.

Zwischenerfolg

Kerstin Lüchtenborg konnte erfreuliche Zahlen des aktuellen Ausbildungsjahres präsentieren. Die Leiterin der Abteilung Berufsbildung bei der Handwerkskammer vermeldete ein Plus von über vier Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen bis Ende Oktober 2014. Kammerpräsident Ulrich Bopp freute sich ebenfalls über die guten Zahlen. "Wir dürfen uns aber nicht durch diesen Zwischenerfolg blenden lassen, denn mittelfristig sind auch unsere Ausbildungszahlen rückläufig", mahnte er. Als Reaktion auf diese Entwicklung nannte Bopp eine Reihe von Möglichkeiten, hob aber besonders das aktuelle Thema der Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt hervor. Der Präsident wünschte sich weitere Änderungen des Aufenthaltsrechts, die es insbesondere jungen Flüchtlingen ermöglichen, eine duale Ausbildung zu beginnen und auch abzuschließen.

Berufliche Bildung stärken

Zur Sicherung des Nachwuchses forderte Bopp auch "eine fundierte Berufsorientierung an der Schule, die Schülern und auch Eltern die Erkenntnis vermittelt, dass der akademische Weg und die berufliche Ausbildung gleichwertig sind." Die im Vergleich zum Rest von Europa niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland führt Bopp vor allem auf die breit angelegte berufliche Bildung zurück. Die Resolution zum Meisterbrief, die die Kammerspitze auf der Vollversammlung präsentierte, zählt der Kammerpräsident ebenfalls zu den nachwuchssichernden Maßnahmen. Die Meisterpflicht für selbstständige Handwerker steht derzeit bei der Europäischen Kommission im Rahmen ihrer Transparenz-Offensive auf dem Prüfstand. Präsident Bopp zeigte sich jedoch überzeugt, dass die Meisterpflicht kein Wettbewerbshemmnis, sondern sogar wettbewerbsfördernd sei. "Lasst uns doch den Meisterbrief exportieren, anstatt ihn abzuschaffen", sagte Bopp in Richtung Brüssel.