Belohnung für die Mühen: Die ersten Betriebe haben das Siegel "Top Ausbildungsbetrieb" der Handwerkskammer Heilbronn-Franken erhalten.
Handwerkskammer
Belohnung für die Mühen: Die ersten Betriebe haben das Siegel "Top Ausbildungsbetrieb" der Handwerkskammer Heilbronn-Franken erhalten.

Pioniere für mehr Ausbildungsqualität

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 7. Juli 2015:

Analysieren, hinterfragen, verbessern – neun Handwerksbetriebe aus der Region Heilbronn-Franken haben sich damit im vergangenen Jahr besonders intensiv beschäftigt. Sie erprobten das neue Angebot der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zur Verbesserung der Betrieblichen Ausbildungsqualität. Belohnt wurden Sie dafür jetzt mit dem neu geschaffenen Siegel "Top Ausbildungsbetrieb" – als erste im gesamten Kammergebiet. Von Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr und Markus May, Vizepräsident der Handwerkskammer, wurden den Ausbildern und Betriebsinhabern bei einer Feier die offizielle Plakette sowie diverse Werbematerialien mit dem Siegel überreicht.

Mehr als muss

"Wir wollen Betriebe motivieren, mehr in der Ausbildung zu tun", erklärte Markus May, der die Entwicklung des Siegels anstieß und vorantrieb. Ziel war es, Kompetenzen der Ausbilder zu steigern, dabei aber ein möglichst einfaches System zu entwickeln, das für alle Betriebe passt, ob groß oder klein. "Ausbildungsqualität kann jeder Betrieb", ist sich May sicher. Besonders stolz zeigte sich Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr, dass Heilbronn als erste baden-württembergische Handwerkskammer ein solches Siegel vergibt. "Wir haben damit ein dickes Brett gebohrt", so Schnörr, der sich vor allem auch bei den vielen Beteiligten bedankte, die sich ehrenamtlich für die Entwicklung des Siegels engagierten.

Basis für Erfolg

Gründe für mehr Qualität in der Ausbildung gibt es für Handwerksbetriebe viele. "Noch vor wenigen Jahren hatte ich jedes Jahr 40 bis 50 Bewerbungen auf unsere Ausbildungsplätze", berichtet Hermann Bürkle von Klaiber Automobile in Öhringen. "Heute sind fünf schon viel." Die Kluft zwischen dem Bedarf an Nachwuchs in den Betrieben und der Anzahl an Bewerbern wird zunehmend größer. "Wir stehen in Konkurrenz zu weiterführenden Schulen, Studium und großen Industrieunternehmen", weiß Heiko Arndt von der Arndt GmbH, der als "Qualitätsbotschafter" für das Siegel unterwegs ist. "Ausbildung ist aber die Basis zukünftigen Erfolges. Deshalb müssen wir die Qualität hochhalten und nach außen tragen."

"Wir müssen uns weiterentwickeln", war auch für Manuela Walter von der Schreinerei Reinhold Walter aus Pfedelbach klar. Bei vielen "Eigengewächsen", die zum Teil seit der eigenen Lehrzeit im Betrieb sind, war sie für den Blick von außen dankbar. "Der Diagnosebogen und die Checklisten haben sehr geholfen." Das Siegel will sie vor allem für ihr Ausbildungsmarketing nutzen.

Intensive Analyse und Beratung

Die Analyse mit dem Diagnosebogen ist die Grundlage, um das Ausbildungssiegel zu bekommen. Dabei werden alle Phasen der Ausbildung von Vorbereitung über Bewerberauswahl, Probezeit, Lehrzeit und Prüfung bis hin zur Übernahme genau betrachtet. Wo läuft alles bestens? Wo kann man noch etwas verbessern? Und wo muss dringend etwas getan werden? Betreut werden die Betriebe bei diesem Prozess von einem Team aus zwei Qualitätsbotschaftern. Dieses Team besteht jeweils aus einem/r Ausbildungsberater/in der Handwerkskammer und einem/r externen Berater/in aus dem Bereich Berufsausbildung. Das können etwa Berufsschullehrer/innen, Ausbilder/innen oder andere Betriebsinhaber/innen sein. Zwischen den Beratungsterminen bleibt den Betrieben dann Zeit, neue Ansätze gleich in der Praxis zu testen.

Willen zu Veränderung

Sobald mindestens 75 Prozent der Qualitätskriterien im Diagnosebogen im "grünen" Bereich liegen, erhält der Betrieb das Ausbildungssiegel. Dieses ist zwar nicht befristet, aber mit einer Jahreszahl gekennzeichnet. "Damit wollen wir motivieren, nach einigen Jahren noch einmal genau hinzuschauen und eventuell wieder etwas zu tun", erklärt Kerstin Lüchtenborg, Leiterin der Abteilung Berufsbildung bei der Kammer. Sie hofft, dass den neun Pionierbetrieben mit Ausbildungssiegel viele weitere folgen. "Die Bereitschaft zur Veränderung muss da sein", erklärt Hermann Bürkle. "Die Bewerber haben sich geändert. Die Unternehmen müssen das auch", ist er überzeugt.

Weitere Informationen zum Ausbildungssiegel gibt es auf der Webseite der Handwerkskammer unter www.hwk-heilbronn.de/ausbildungssiegel .