Álvaro Martinez Ramos (l.) mit Ausbilder Thomas Hoffer.
Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Álvaro Martinez Ramos (l.) mit Ausbilder Thomas Hoffer.

Schaffen und lernen

Álvaro Martinez Ramos kam vor einem Jahr mit dem Programm MobiPro-EU für eine Ausbildung von Spanien nach Deutschland.

Wenn ein Lehrling in der Berufsfachschule eine Belobigung bekommt, kann man als Ausbilder stolz sein. Besonders stolz ist man aber, wenn dieser Azubi erst vor einem Jahr nach Deutschland kam. So muss es Thomas Hoffer gehen. 

Der Metallbauermeister gab im vergangenen Jahr dem jungen Spanier Álvaro Martinez Ramos eine Chance und hat es bis heute nie bereut. Álvaro kam zusammen mit rund 30 weiteren Teilnehmern im Sommer letzten Jahres mit dem Programm MobiPro-EU nach Deutschland. Dabei organisieren der Bildungspark Heilbronn und die Handwerkskammer Ausbildungsplätze für junge Menschen aus Südspanien. Thomas Hoffer passte genau ins Profil der Betriebe: „Die letzten Bewerbungen für eine Ausbildung, die ich davor bekommen hatte, waren unbrauchbar“, berichtet der 44-Jährige. „Entweder hatten sich die Bewerber überhaupt nicht informiert oder die Noten waren katastrophal.“ Er hoffte, dass die Motivation bei jemandem, der für eine Ausbildung seine Heimat verlässt, deutlich höher sein würde.

 MobiPro-EU in Heilbronn-Franken

Seit dem Ausbildungsjahr 2015 läuft das Projekt des Bildungspark Heilbronn-Franken gGmbH und der Handwerkskammer. Rund 30 Handwerksbetriebe nahmen 2015 Bewerber auf. Im Jahr 2016 kamen 25 weitere Teilnehmer für eine Ausbildung im Handwerk nach Deutschland.

Gesucht und gefunden

Álvaro dagegen fand in Spanien trotz Ausbildung keine Arbeit. Dabei wollte er unbedingt als Metallbauer arbeiten, hatte in Spanien eine größtenteils schulische Ausbildung im Bereich Fertigungstechnik abgeschlossen. Als er den Beruf des Metallbauers in der Liste der angebotenen Ausbildungen entdeckte, zögerte er nicht lange. Voller Motivation startete er in sein Praktikum bei Hoffer & Ryrych und überzeugte dort vom ersten Tag an. Als motiviert, pünktlich, freundlich beschreibt ihn sein Ausbilder Thomas Hoffer. „Zum Beispiel hatte er immer ein Notizbuch bei sich, in dem er sich neue Begriffe und ihre Übersetzung aufschrieb“, erinnert sich Hoffer.

Natürlich war es am Anfang schwierig, sich zu verständigen. Im Team hat es sich bewährt, Arbeitsschritte mit Beispielen zu erklären. Dabei halfen alle Kollegen im Betrieb mit. „Sie haben etwa auf ein Werkzeug gezeigt und mir gesagt, wie es heißt, wenn ich es nicht kannte“, erzählt Álvaro. Am nächsten Tag wurde die neue Vokabel abgefragt. „Wenn es im Betrieb zwischenmenschlich und kollegial passt, ist das eine große Hilfe“, ist sich auch Thomas Hoffer sicher.

Positive Erfahrungen

Nach den durchweg positiven Erfahrungen, die Hoffer mit seinem spanischen Azubi gemacht hat, hätte er auch dieses Jahr gerne wieder einen aufgenommen. Leider sprang der Teilnehmer ab. Auch Álvaro hat sich in Deutschland gut eingelebt. Obwohl ihn die Sprache – in Baden-Württemberg ja meist kein Hochdeutsch –zunächst etwas aus der Fassung brachte. Heute spricht er fließend deutsch und schätzt auch die deutschen Mentalität: „Die Pünktlichkeit, die guten Bildungsmöglichkeiten, die Lehrer“, zählt er auf.

Gerne möchte er auch nach der Ausbildung in Deutschland bleiben, eventuell noch eine Fortbildung machen. Den neuen Teilnehmern rät er, mehr Zeit zum lernen einzuplanen. Eine halbe Stunde pro Tag war es bei ihm. „Bei Klassenarbeiten musste ich mindestens eine Woche vorher anfangen zu lernen“, erklärt er. Außerdem sollten sie nicht aufgeben und motiviert herangehen. „Schaffe und lerne“, fasst der 25-Jährige aus Cádiz beinahe schon urschwäbisch zusammen.