Gemeinschaftsschule Wertheim

Schule wird Lernwerkstatt für Bauhandwerk

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 14. Oktober 2016:

An der Gemeinschaftsschule Wertheim ist Mitte September das Pilotprojekt „Lernwerkstatt BauHandWerk" gestartet. Dieses neue Projekt soll Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen das spannende Berufsfeld des Bauhandwerks nahebringen. Konzipiert und vorbereitet hat es im Auftrag der Handwerkskammer Heilbronn-Franken die Baukasten Architekturschule Bremen. Nach Wertheim geholt hat das Projekt Oberbürgermeister Stefan Mikulicz. Er ist überzeugt, dass „das Ergebnis gut wird und künftig zum Standard in der Bildungspolitik des Landes Baden-Württemberg gehören sollte“. „Gerade jetzt, mit dem neuen Schulfach Wirtschafts-, Berufs- und Studienorientierung ist dieses Projekt eine ausgezeichnete Möglichkeit, den Schülern die Berufe und Chancen im Bauhandwerk aufzuzeigen“, betont auch Ulrich Bopp. Der Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken hatte das Projekt gemeinsam mit dem Oberbürgermeister angestoßen und für das Handwerk vorangetrieben.

Mit Handwerk in Berührung kommen

Ziel der Lernwerkstatt ist, das Handwerk in den Schulen präsent zu machen, Talente und Potentiale zu erkennen und dauerhafte Kooperationen zwischen Handwerksunternehmen vor Ort und der Schule zu initiieren. Im Rahmen des Regelunterrichts lernen die Schüler alle für die Baukultur relevanten Handwerksberufe kennen. Über einen Zeitraum von drei Monaten kommen sie sowohl mit Architektur als kulturellem Phänomen als auch konkret mit dem Bauhandwerk intensiv in Berührung. Die Jugendlichen erfahren außerdem, welche Berufs- und Karrierechancen das Bauhandwerk bietet. Die Lernwerkstatt wird als Praktikum anerkannt und verbessert die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz.

44 Schülerinnen und Schüler aus Klassenstufe 8 der Gemeinschaftsschule Wertheim nehmen am ersten Durchgang der „Lernwerkstatt BauHandWerk“ teil. In drei kleinere Gruppen aufgeteilt absolvieren sie nacheinander im Laufe des Schuljahres jeweils vier Unterrichtsstunden pro Woche in der Gemeinschaftsschule Wertheim, teilweise auch an der Gewerblichen Schule Tauberbischofsheim.

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Gemeinschaftsschule Wertheim

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Gemeinschaftsschule Wertheim

Vier Lernmodule

Die „Lernwerkstatt BauHandWerk" setzt sich aus vier Lernmodulen zusammen. Die Schülerinnen und Schüler sollen im ersten Unterrichtsmodul unter dem Oberbegriff Architektur lernen, was Baukultur ist und warum die Menschen bauen. Dabei steigen sie vertieft in die unterschiedlichen Bauweisen ein: Wie baut man heute im Vergleich zu früher? Im zweiten Modul lernen die Schüler die typischen Bauweisen kennen und können diese selbst ausprobieren, z.B. beim Mauerwerkbau oder Stahlbetonbau. Im dritten Modul nehmen die Schüler an einem Bauwettbewerb teil und lernen so das planerische Arbeiten. In dem Bauwettbewerb soll eine Bauidee für die Schule entworfen werden. Der Gewinnerentwurf wird in der Praxiswoche (viertes Modul) in Kooperation mit den regionalen Handwerksbetrieben realisiert.

Der Begriff Lernwerkstatt steht für einen handlungsorientierten, projektbezogenen Unterricht, bei dem jeder Schüler den eigenen Neigungen entsprechend lernen und agieren darf. Diese Methodik setzt eine hohe Flexibilität der Lehrkräfte sowie ein breites und offenes Lehrmittelangebot voraus.

Kooperationsprojekt

Projektleiterin der Lernwerkstatt ist Luise Lübke, Leiterin der Baukasten Architekturschule aus Bremen. Sie wird unterstützt von Heiko Reinhart, technischer Berufsschullehrer der Gewerblichen Schule Tauberbischofsheim, sowie von Thomas Klein, Techniklehrer an der Gemeinschaftsschule Wertheim. Die Lernwerkstatt kooperiert mit örtlichen Vertretern des Bauhandwerks. Sie geben den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit das Gelernte auf „echten“ Baustellen und im Betrieb auszuprobieren. Den praktischen Unterricht in den Betrieben organisiert Stefan Goldschmitt, Obermeister der Bau-Innung Main-Tauber-Kreis/Künzelsau. Eine Einführung in die spannende Baugeschichte Wertheims erhalten die jungen Leute im Grafschaftsmuseum Wertheim.

Etwa eineinhalb Jahre lang haben die Kooperationspartner – Stadt Wertheim, Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Baukasten Architekturschule Bremen, Gemeinschaftsschule Wertheim, Gewerbliche Schule Tauberbischofsheim sowie Bau-Innung Main-Tauber-Kreis/Künzelsau - an dem Konzept gearbeitet und es zur Umsetzungsreife gebracht. Projektleiterin Luise Lübke ist mit dem bisherigen Verlauf an der Gemeinschaftsschule Wertheim zufrieden: „Die Gruppe nimmt das Thema sehr gut an. Vor allem die Mädchen sind begeistert bei der Sache.“ Nach Ablauf des ersten Schulhalbjahres soll gemeinsam eine erste Zwischenbilanz gezogen werden.