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Tipps für Ausbilder

Aus kleinen und alltäglichen Auseinandersetzung können sich manchmal große Probleme entwickeln, die den gesamten Betriebsablauf stören. Hier finden Sie Tipps, wie Sie damit umgehen können.

Konflikte am Arbeitsplatz zeigen oft, dass etwas nicht stimmt, unklar ist oder gemeinsame Ziele nicht eindeutig kommuniziert wurden. Nach Schätzungen des Instituts für Konfliktforschung und Krisenberatung gehen 40 bis 60 Prozent der Arbeitseffizienz durch ungelöste und verschleppte Konflikte verloren. Sie können dem aber aktiv entgegenwirken.

Übergang zwischen Schule und Arbeitswelt erleichtern

Ein junger Mensch, der die allgemein bildende Schule abgeschlossen hat und jetzt mit einer Ausbildung beginnt, steht vor einem neuen Abschnitt seines Lebens. Angst oder Unsicherheit ist da eine nachvollziehbare Reaktion. Arbeitsschritte, Strukturen, Kollegen – alles ist neu und unbekannt. Helfen Sie Ihrem Lehrling, indem Sie ihm einen festen Platz und eine bestimmte Aufgabe zuweisen. Erklären Sie ihm die neue Tätigkeit genau und kontrollieren Sie das Ergebnis regelmäßig. So können sich schnell kleine Erfolge einstellen, die Vertrauen und Sicherheit schaffen.

Die Probezeit nutzen

Spätestens am Ende der Probezeit sollten Sie und Ihr Lehrling wissen, ob das Ausbildungsverhältnis passt. Deshalb sollten Sie diese ersten Monate sehr gut nutzen. Machen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel wenn Sie das Berichtsheft durchsehen, ein paar Notizen. Geben Sie Ihrem Lehrling Feedback – sowohl in Form von Kritik als auch Lob. Durch Ihre Anerkennung bestärken Sie Ihren Lehrling. Er lernt, wie sein Verhalten von anderen gesehen wird. Dabei hilft Ihnen etwa der Beobachtungs- und Zielvereinbarungsbogen.

Selbst wenn Sie nach der Probezeit den Lehrling nicht weiter ausbilden wollen, geben Sie ihm dadurch eine wichtige Erfahrung mit: Ich muss die Konsequenzen meines Verhaltens tragen, aber ich wurde fair behandelt.

Gespräche sind mehr als Worte

Nur ungefähr 15 Prozent des Inhalts eines Gesprächs entnehmen wir den Worten. Durch Gestik und Mimik, unseren Blick und den Tonfall zeigen wir deutlicher als durch Worte, welche Meinung wir von einer Person haben. Schaut mein Gesprächspartner mich offen an oder dreht er sich von mir weg? Schreit er oder spricht er ruhig und sachlich mit mir? Zieht er die Mundwinkel herab und klingt seine Stimme verächtlich?

Je nachdem, wie Sie mit Ihrem Lehrling sprechen, zeigen Sie unbewusst, was Sie von ihm halten. Im Idealfall fühlt sich ihr Lehrling ernst genommen und akzeptiert, wenn Sie ihn offen anschauen oder Fragen stellen. Unwichtig, wenn nicht gar lästig muss er sich fühlen, wenn Sie ihn nicht anschauen oder nebenbei etwas anderes machen. Motivation und Identifikation mit seiner Arbeit bleiben so irgendwann auf der Strecke.

Talente entdecken und fördern

Wenn die Auszubildenden in Ihren Betrieb kommen, sind sie eigentlich schon im Erwachsenenalter. Doch vielen fehlt noch eine gewisse Reife. Wie bekommen Sie also nach drei oder dreieinhalb Jahren den Mitarbeiter, den Sie für eine erfolgreiche Zukunft Ihres Betriebes dringend brauchen?

Die Verantwortung bei Eltern oder Schulen zu suchen, hilft dabei nicht weiter. Deshalb schauen Sie sich lieber Ihren Azubi genau an: Sicher hat er Eigenschaften und Verhaltensweisen, die Ihnen und den anderen Mitarbeitern nicht gefallen. Aber bestimmt hat er auch Fähigkeiten, die Sie herausfinden und mit ihm entwickeln können. Machen Sie gemeinsam das Beste aus der Ausbildungszeit.

Die Motivation stärken

Aus dem Wissen, etwas zu können, entfaltet sich der Mut, neue Herausforderungen zu suchen und anzunehmen. Der Mensch erkennt Strukturen und entwickelt Wege, über die er seine Ziele erreichen und seine Wünsche erfüllen kann.

Wenn Ihr Azubi gelernt hat, dass er durch den Einsatz seiner Fähigkeiten seine Ziele erreichen kann, wird er auch vor großen Anstrengungen nicht zurückschrecken. Das ist seine Motivation. Mit Anerkennung oder kleinen Belohnungen können Sie diese noch verstärken.

Das Gespräch suchen

Wer sich ärgert, bei dem schwappen die Emotionen erst mal über und er muss sich Luft machen. Doch nach einem Wutausbruch sollten Sie sich die Zeit nehmen, mit allen Beteiligten noch einmal in Ruhe über den Anlass zu sprechen. Dabei sollten Sie darauf achten, dass

  • Sie sich nur auf das aktuelle Thema konzentrieren,
  • Sie Ihren Ärger begründen,
  • Sie Probleme nie zwischen Tür und Angel besprechen,
  • Sie keine allgemeinen Vorwürfe wie „Du machst immer nur Ärger“ anbringen, sondern in „Ich-Botschaften“ sprechen, „Ich ärgere mich über diesen Fehler, weil …“.
  • Sie gemeinsam nach einer Lösung suchen, wie Sie solche Probleme künftig vermeiden.

Wie kommt es zum Konflikt?

Wer versteht, wie sich ein Konflikt entwickelt, kann diesen früher verhindern oder lösen. Zu Beginn steht oft eine Provokation, die nicht besprochen und geklärt wird. Oft sind das ganz banale Ereignisse wie ein vergessenes Berichtsheft. Wird die Situation nicht geklärt, wird die Stimmung im Team oft gereizter. Der Ausbilder fühlt sich nicht ernst genommen, der Azubi fühlt sich unfair behandelt.

Beide Seiten suchen im nächsten Schritt nach Verbündeten, die sich auf „ihre Seite“ stellen – Mitarbeiter, die Eltern des Azubis oder Berater der Handwerkskammer. In der nächsten Stufe berufen sich die Streithähne auf ihre Rechte und Pflichten; Gespräche finden meist gar nicht mehr statt. Man will dem anderen schaden. Am Ende eskaliert der Konflikt und landet im schlimmsten Fall vor dem Arbeitsgericht. Um das nicht vorgelegte Berichtsheft geht es schon lange nicht mehr.

Fallbeispiel eines Konflikts

Ein Lehrling erscheint jeden Morgen mit einer anderen Ausrede zu spät zur Arbeit. Der Ausbilder ärgert sich über die Disziplinlosigkeit: Er glaubt dem Lehrling nicht, außerdem muss er den schwierigen Kunden anrufen und sich für die Verspätung entschuldigen. Die Mitarbeiter wollen den Lehrling nicht mehr mit auf ihre Baustelle nehmen. Jeden Morgen müssen sie auf ihn warten und sind dementsprechend abends mit ihrer Arbeit später fertig.

Der Auszubildende hat in diesem Fall nicht erkannt, dass auch er am reibungslosen Betriebsablauf beteiligt Ist. Er ist Mitglied eines Teams und sein Beitrag ist so wichtig, wie die Arbeit jedes anderen Mitarbeiters. Ihm ist nicht klar, dass ihm erst dann schwierige Aufgaben übertragen werden, wenn er seine Aufträge verantwortungsvoll erledigt. In einem unmittelbaren, sachlichen Gespräch ohne persönliche Angriffe oder Kränkungen kann jeder Beteiligte seinen Standpunkt, auch die Enttäuschung und den Ärger, mitteilen und Lösungsvorschläge machen.

Mobbing erkennen und verhindern

Der Begriff Mobbing beschreibt im Deutschen systematische feindselige und schikanöse Übergriffe in der Schule oder am Arbeitsplatz, die häufig und über einen längeren Zeitraum stattfinden. Die Auswirkungen reichen von Konzentrationsstörungen bis zu Depressionen und Angstzuständen. Die Mitarbeiter melden sich häufig krank, was bei den Betrieben viel Aufwand und Kosten verursacht.

Herrscht in Ihrem Betrieb eine hohe Fluktuation, sind Ihre Mitarbeiter häufig krank oder gibt es gar verbale und körperliche Angriffe oder lautstarke Auseinandersetzungen, Leistungsabfall und häufige Beschwerden? Wenn Sie eine Klage wegen Mobbing vermeiden möchten, sollten Sie das soziale Gefüge in Ihrem Betrieb immer im Blick behalten und zur Not vermittelnd eingreifen.

  Mobbing

Der Begriff Mobbing ist eine Ableitung des englischen "to mob". Das Wort bedeutet "anpöbeln, über jemanden herfallen" und wird nur in der deutschen Sprache für systematisches Schikanieren anderer verwendet. Im Englischen wird dafür der Begriff "bullying" verwendet.

Wege zur Lösung von Konflikten

Es gibt vier Verfahren, mit denen man Konflikte lösen kann. Sie unterscheiden sich nach dem Grad der Freiwilligkeit und der Akzeptanz des Ergebnisses.

  • Verhandlung: freiwillig, jederzeit, Ziel ist eine gemeinsame Lösung zu finden
  • Mediation: freiwillig, ein Mediator unterstützt beide Parteien, eine einvernehmliche Lösung zu finden
  • Schlichtungsverhandlung: ein Schlichter trifft die Entscheidung, nachdem er beide Seiten gehört hat
  • Gerichtsverfahren: bindendes Urteil eines Rechtsexperten nach Prinzipien, die durch gesetzliche Grundlagen vorgegeben sind

Die nachhaltigste und billigste Methode Konflikte zu lösen, ist immer die Verhandlung zwischen den Beteiligten. Bereiten Sie sich auf ein Konfliktgespräch vor. Stellen Sie Regeln als Grundlage auf, die zu Beginn angesprochen werden. Zum Beispiel:

  • Es spricht immer nur einer.
  • Jeder lässt den anderen ausreden.
  • Keiner beleidigt und verletzt den anderen.
  • Jeder strebt eine einvernehmliche Lösung an.
  • Das Gespräch ist vertraulich.

Die Lösung eines Konflikts sollte für Sie als Betriebsinhaber an erster Stelle stehen: Denn schwelende oder ungelöste Streitigkeiten kosten eine Menge Energie, die nicht mehr in die Arbeit investiert wird. Der Stress wächst von Tag zu Tag. Motivation und Kraft fehlen irgendwann. Der Mitarbeiter wird krank oder gar arbeitsunfähig – der Stress liegt dann bei Ihnen, da sie ihn ersetzen müssen.

Tischlermeisterin Hildegard Schulte

Berufsbildung, Ausbildungsberaterin, Mediatorin

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