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Verkürzung oder Verlängerung der Ausbildungszeit

Schneller zur Prüfung oder mehr Zeit zum Lernen: Festgelegte Zeiten der Ausbildung verkürzen oder verlängern.

Wie lange eine Ausbildung dauert ist in den Ausbildungsordnungen festgelegt. Lehrlinge können diese Zeiten unter bestimmten Voraussetzungen aber verkürzen oder verlängern.

Verkürzung bei guten Leistungen

Auszubildende, die im Verlauf ihrer Lehrzeit besonders gute Leistungen gezeigt haben, können unter bestimmten Bedingungen ihre Ausbildungszeit verkürzen (nach § 37 Abs. 1 HwO / § 45 Abs. 1 BBiG).

  • Der Ausbildungsbetrieb muss schriftlich bestätigen, dass der Auszubildende im Verlauf der Ausbildung deutlich über dem Durchschnitt liegende Leistungen gezeigt hat und damit das Ausbildungsziel vorzeitig erreichen kann (Leistungszeugnis).
  • Das aktuelle Zeugnis der Berufsschule muss in allen für die Gesellen- oder Abschlussprüfung maßgeblichen Fächern beziehungsweise Bereichen eine gute Durchschnittsnote (mindestens 2,4) aufweisen.
  • Es muss sichergestellt sein, dass der Auszubildende bis zur Gesellen- beziehungsweise Abschlussprüfung den Lehrstoff der letzten Berufsschulklasse (Abschlussklasse) beherrscht.
  • Bei Jugendlichen muss die schriftliche Einverständniserklärung des gesetzlichen Vertreters vorliegen.
  • Eine Bescheinigung über die Teilnahme an der Zwischenprüfung beziehungsweise der Teil 1-Prüfung muss vorliegen.
  • Eine Bescheinigung über die ordnungsgemäße Berichtsheftführung muss vorliegen.

Auch der Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule müssen angehört werden, bevor der Lehrling vorzeitig zur Prüfung zugelassen wird.

Verkürzung bei schulischer oder beruflicher Vorbildung

Abschlüsse von allgemein bildenden oder beruflichen Schulen können ebenfalls auf die Ausbildungszeit angerechnet werden:

  • Realschulabschluss oder Fachschulreife: sechs Monate
  • Fachhochschulreife oder allgemeine/fachgebundene Hochschulreife: zwölf Monate
  • Ein- oder zweijährige Berufsfachschule: bis zu zwölf Monate
  • Berufsgrundbildungsjahr: bis zu zwölf Monate

Eine abgeschlossene Erstausbildung oder vorausgegangene betriebliche Ausbildungszeiten, die dem gleichen Ausbildungsziel dienten, können ebenfalls mit bis zu zwölf Monaten auf die Lehrzeit angerechnet werden.

Mindestausbildungszeiten

Wer sowohl einen höheren Schulabschluss hat als auch gute Leistungen in der Ausbildung bringt, kann sich auch beides anrechnen lassen. Allerdings müssen dabei immer die betrieblichen Mindestausbildungszeiten eingehalten werden:

  • Bei zweijähriger Regelausbildungszeit: 12 Monate
  • Bei dreijähriger Ausbildungszeit: 18 Monate
  • Bei dreieinhalbjähriger Ausbildungszeit: 24 Monate

Die notwendigen Anträge auf vorzeitige Zulassung zur Gesellen- oder Abschlussprüfung können Sie unten herunterladen oder bei den Ausbildungsberatern der Handwerkskammer anfordern.

 Fristen beachten:

Die Anträge auf vorzeitige Zulassung müssen Sie für die Winterprüfung bis spätestens 1. September und für die Sommerprüfung bis spätestens 1. März stellen.

Verlängerung der Ausbildungszeit

Bei besonderen Umständen kann die Ausbildungszeit auch verlängert werden (nach § 27 b Abs. 2 / § 8 Abs. 2 BBiG). Zum Beispiel, wenn der Auszubildende wegen einer längeren Krankheit das Ausbildungsziel nicht erreichen kann. Der Auszubildende (bei Minderjährigen der gesetzliche Vertreter) kann dann bei der Handwerkskammer beantragen, dass die Ausbildungszeit verlängert wird. Der Ausbildungsbetrieb wird zum Antrag des Lehrlings gehört.

Besteht der Lehrling die Gesellen- oder Abschlussprüfung nicht, so verlängert sich das Ausbildungsverhältnis auf seinen Wunsch bis zur nächsten Wiederholungsprüfung, höchstens jedoch um ein Jahr. Bitte informieren Sie in diesem Fall sofort die Ansprechpartner bei der Handwerkskammer.

Dipl.-Betriebswirtin Sandra Maier

Berufsbildung, Ausbildungsberaterin

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