Jürgen Kraft, Meister im Werkzeugbau bei der Firma König & Meyer in Wertheim, erklärt Präsident Ulrich Bopp (l.), wie Notenpulte und Instrumentenhalter hergestellt werden.
Handwerkskammer/GF
Jürgen Kraft, Meister im Werkzeugbau bei der Firma König & Meyer in Wertheim, erklärt Präsident Ulrich Bopp (l.), wie Notenpulte und Instrumentenhalter hergestellt werden.

Zwischen Wertheim und Weikersheim

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 20. Oktober 2015:

Viermal im Jahr ist die Spitze der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zu Betriebsbesuchstagen in der Region unterwegs. Im Oktober waren Präsident Ulrich Bopp und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr im Main-Tauber-Kreis. Zwischen Wertheim und Weikersheim besuchten sie vier Handwerksbetriebe.

Von Wertheim in die Welt

Den ersten Halt machten Bopp und Schnörr bei König & Meyer in Wertheim. Mit hochwertigen Notenpulten, Instrumentenhaltern und Stativen hat sich das Familienunternehmen mit 260 Mitarbeitern weltweite Anerkennung verschafft. Pro Monat produziert König & Meyer etwa rund 30.000 Notenständer, die in über 80 Ländern vertrieben werden. Die Exportquote beträgt rund 60 Prozent. Neben den bereits bestehenden beiden Werken plant das Unternehmen derzeit im Wertheimer Gewerbegebiet Reinhardshof ein zusätzliches Logistikzentrum mit 7.500 Palettenplätzen. Das soll garantieren, dass auch weiterhin rund 98 Prozent aller Produkte sofort lieferbar sind. Selbst der Großteil der einzelnen Bauteile für die Produkte wird vor Ort hergestellt. Sogar die Schrauben mit dem Firmenlogo produziert König & Meyer selbst.

Großen Wert legt König & Meyer auf eine fundierte Ausbildung. Seit der Gründung 1949 hat das Unternehmen über 250 junge Menschen erfolgreich ausgebildet – darunter auch zahlreiche Kammersieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks. Derzeit bildet der Spezialist für Notenständer und Instrumentenhalter wieder Werkzeugbauer, Maschinenanlagenführer und neuerdings auch Verfahrensmechaniker aus. "Die Ausbildung junger Menschen macht richtig Spaß. Wir freuen uns immer auf die neuen Kollegen", sind sich Jürgen Kraft und Rainer Dreikorn, beide Meister im Werkzeugbau, einig.

Nächste Generation
Zweite und dritte Generation: Vater Uwe Hess und Sohn Steffen wollen die Tradition des Familienbetriebs Elektro Hess in Niklashausen weiter fortführen.
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Zweite und dritte Generation: Vater Uwe Hess und Sohn Steffen wollen die Tradition des Familienbetriebs Elektro Hess in Niklashausen weiter fortführen.

Anschließend ging es für Präsident Bopp und Hauptgeschäftsführer Schnörr zu Elektro Hess nach Niklashausen. Firmeninhaber Uwe Hess hat den 1959 gegründeten Betrieb einst von seinem Vater übernommen. Die insgesamt zehn Mitarbeiter führen hochwertige Elektroinstallationen durch, insbesondere bei Wohnhäusern. Außerdem betreibt Hess einen kleinen Elektro-Laden.

Inzwischen hat Uwe Hess, der auch Obermeister der Elektro-Innung im Main-Tauber-Kreis ist, die Übergabe des Betriebs an seinen Sohn Steffen Hess eingeleitet. Er ist Meister, Techniker sowie Betriebswirt des Handwerks und wird den Betrieb in dritter Generation fortführen. Obwohl Uwe Hess seit Jahren Elektrotechniker ausbildet, gibt er offen zu, dass es inzwischen schwierig sei, Nachwuchs zu finden. Er lobte deshalb das erst kürzlich von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken eingeführte Ausbildungssiegel, das Betriebe für ihre hohe Ausbildungsqualität auszeichnet.

Qualität in Service und Ausbildung
Frisörmeister Jürgen Imhof (l.) präsentierte dem Führungsduo der Kammer stolz seinen Salon in Tauberbischofsheim.
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Frisörmeister Jürgen Imhof (l.) präsentierte dem Führungsduo der Kammer stolz seinen Salon in Tauberbischofsheim.

Nächste Station war der Frisörsalon von Jürgen Imhof in Tauberbischofsheim. Imhof brachte Präsident Ulrich Bopp und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr die Philosophie seines Hauses näher, das sich der Schönheitspflege von Kopf bis Fuß verschrieben hat. Jürgen Imhof ist außerdem als Regionalpräsident der Societé Française de Biosthétique, der größten privaten Vereinigung von Frisören, für den kompletten Postleitzahlbereich neun verantwortlich. Neben der Haar- und Hautkosmetik, um die er und seine Mitarbeiterinnen sich kümmern, fertigt Imhof für seine Kunden auch individuelle und authentische Zweithaarfrisuren aus Echt- oder Kunsthaar.

Um Nachwuchs zu gewinnen, bildet Imhof regelmäßig junge Frisöre aus. Besonders stolz ist er auf einen einstigen Auszubildenden, der beim Leistungswettbewerb sowohl Kammer- als auch Landes- und zweiter Bundessieger wurde. Heute ist er Schulungsleiter und Farbentwickler beim Kosmetikproduzent La Biosthétique, mit dem Imhof zusammenarbeitet. Erst vor wenigen Wochen haben bei Imhof wieder zwei angehende Frisörinnen begonnen. Neben der wöchentlichen Schulung durch den Chef persönlich erhalten sie auch die Zusatzqualifikation zum Hair & Beauty Artist. Diese finanziert der Betrieb. Denn Imhof weiß: "Eine gute Ausbildung rechnet sich immer."

Urgestein des Orgelbaus
Stolz präsentiert Josef Wegenstein aus Weikersheim seinen Goldenen Meisterbrief, den er schon 2013 von Präsident Ulrich Bopp (r.) und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr (l.) bekommen hat.
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Stolz präsentiert Josef Wegenstein aus Weikersheim seinen Goldenen Meisterbrief, den er schon 2013 von Präsident Ulrich Bopp (r.) und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr (l.) bekommen hat.

Die letzte Station machten Ulrich Bopp und Ralf Schnörr beim 92-jährigen Orgelbaumeister und Klavierstimmer Josef Wegenstein, der bis heute aktiv ist. Der sowohl geistig als auch körperlich noch äußerst fitte Handwerker stammt aus einer Orgelbaufamilie aus Temeschwar im heutigen Rumänien. Die Orgelbauwerkstatt seiner beiden Onkel war für Josef Wegenstein wie ein zweites Zuhause. Dort absolvierte er auch die Orgelbauausbildung. Der zweite Weltkrieg verschlug ihn zunächst nach Norddeutschland bis er 1952 bei der Orgelbaumanufaktur Laukhuff in Weikersheim eine feste Anstellung fand. Dort war über sein offizielles Rentenalter hinaus unter anderem als Techniker tätig und für die Ausbildung junger Menschen verantwortlich.

Bis heute stimmt und repariert Wegenstein noch Orgeln und Klaviere – unter anderem für die im Weikersheimer Schloss ansässigen Jeunesses Musicales Deutschland. Für die Organisation für junge Musiker arbeitet er bereits seit über 60 Jahren. 2013 erhielt er seinen Goldenen Meisterbrief und kommt bis heute gern zur jährlichen Altmeisterfeier in Lauda-Königshofen.

Handwerkskammer-Präsident Ulrich Bopp und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr zeigten sich nach dem Betriebsbesuchstag beeindruckt. "Das Handwerk im Main-Tauber-Kreis ist weltweit gefragt und baut auf lange Familientraditionen auf", stellte Präsident Bopp anerkennend fest. "Darauf sind wir sehr stolz", ergänzte Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr.