Vom Gesellen zum Studenten
Das Handwerk bietet eine Reihe von Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten zur individuellen Karriereplanung. Junge Frauen und Männer, die ihr Abitur nicht während der Schulzeit erworben haben, können über verschiedene Bildungswege im Nachhinein ihre Fachhochschulreife oder Hochschulreife erlangen.
Die Entscheidung fürs Handwerk kann durchaus auch den Weg fürs Studium ebnen. Beide Optionen zu haben, ist für die Berufswahl aus Sicht der Eltern und der Auszubildenden häufig sehr wichtig. Hier einige Möglichkeiten:
Berufsoberschule: Technische Oberschule
Die technische Oberschule ist eine zweijährige Vollzeitschule für Schüler/-innen mit mittlerem Bildungsabschluss, die nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung die fachgebundene Hochschulreife erwerben möchten. Es werden vertiefende allgemeinbildende sowie fachrichtungsbezogene Kenntnisse vermittelt. Wer zusätzlich noch eine zweite Fremdsprache mit Erfolg belegt, kann sogar die allgemeine Hochschulreife erlangen und ohne jegliche Fächerbindung an einer Universität studieren.
Seit September 2003 gibt es in Künzelsau eine Technische Oberschule - die einzige Berufsoberschule im Kammerbezirk Heilbronn-Franken. Weitere Infos und Anmeldung bei der Gewerblichen Schule Künzelsau, Am Gaisberg 11, 74653 Künzelsau, Telefon 0 79 40/30 28.
Fachschul-Bildungsgänge
Voraussetzung für den Besuch der Fachschule ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung. Folgende Abschlüsse können erworben werden: Meister, staatlich geprüfter Techniker, Fachwirt. An den meisten Fachschulen besteht auch die Möglichkeit, die Fachhochschulreife zu erlangen.
Berufskollegs
Einjähriges Berufskolleg mit bundesweiter Anerkennung:
Aufnahmevoraussetzung: Realschulabschluss, Fachschulreife, Versetzung nach Klasse 11 des Gymnasiums oder ein gleichwertiger Bildungsstand und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das einjährige Berufskolleg wird in Teilzeit oder Vollzeit angeboten.
Zweijähriges Berufskolleg (auch in der Variante 2 x 1 Jahr):
Wird in verschiedenen Fachrichtungen angeboten und führt nach dem mittleren Bildungsabschluss direkt zur Fachhochschulreife.
Dreijähriges Berufskolleg Kfz-Technik - Gewerblich-technisches Berufskolleg mit Ausbildungsbtrieb
Für den Besuch dieses Berufskollegs benötigt man einen mittleren Bildungsabschluss, sowie einen Lehrvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb, der bei der Handwerkskammer eingetragen sein muss. Diese Schulform vermittelt vertiefende Kenntnisse und Fertigkeiten des Ausbildungsberufes und eine Erweiterung der Allgemeinbildung. Im Kammerbezirk Heilbronn-Franken kann man das dreijährige Berufskolleg Kfz-Technik in Heilbronn an der Wilhelm-Maybach-Schule (Telefon 0 71 31/56 24 54) besuchen oder an der Gewerblichen Schule Crailsheim (Telefon 0 79 51/9 60 10).
Berufliche Gymnasien
Auf der Grundlage eines mittleren Bildungsabschlusses kann durch den Besuch der dreijährigen Oberstufe eines beruflichen Gymnasiums die fachgebundene Hochschulreife erlangt werden.
Meisterprüfung
Nach einer abgeschlossenen Lehre kann man sich gleich im Anschluss zur Meisterprüfung anmelden. Zur Vorbereitung auf die Prüfung können Meistervorbereitungskurse besucht werden. Berufserfahrung als Geselle oder Facharbeiter ist seit 2004 keine Zulassungsvoraussetzung mehr - empfehlenswert ist sie allerdings weiterhin.
Handwerksmeister können unabhängig von der Note ihrer Meisterprüfung, an jeder Hochschule oder Berufsakademie in Baden-Württemberg studieren - und zwar ein ihrer beruflichen Aus- und Weiterbildung entsprechendes Fach.
Die zum 1. März 2009 in Kraft getretene Änderung der Berufstätigenhochschulzugangsverordnung erleichtert beruflich Qualifizierten die Aufnahme eines Studiums:
Handwerksmeister müssen nun keine Berufserfahrung mehr nachweisen. Nach neuem Recht können Berufstätige ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung, die eine Meisterprüfung oder eine gleichwertige berufliche Fortbildung im erlernten Beruf erfolgreich abgeschlossen haben, ein ihrer Fachqualifikation entsprechendes Studium aufnehmen. Für die Aufnahme eines der beruflichen Fachbildung nicht entsprechenden Studiengangs hingegen ist in der Regel eine Prüfung notwendig. In beiden Fällen ist die Beratung über Studienmöglichkeiten sowie über Inhalte, Aufbau und Anforderungen eines Studiums im angestrebten Studiengang durch die Hochschule zu empfehlen. Die neue Regelung erleichtert die handwerkliche Karriere vom Lehrling über den Gesellen und Meister bis zum Hochschulabschluss deutlich.