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SUSANNE GNAMM

Damit alle dieselbe Startposition haben

Seit 20 Jahren sorgt die Überbetriebliche Ausbildung im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer für gleiche Chancen. Für Azubis. Und ihre Betriebe.

100 Mitarbeiter oder nur 5. Viele verschiedene Produkte oder nur eines. Egal, wie ein Betrieb im Handwerk aufgestellt ist, die Ausbildung soll für alle Lehrlinge gleich gut sein. Damit dies gelingt, wird im Handwerk die Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule durch die Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) ergänzt.

Intensives Lernen möglich

Seit 20 Jahren steht in der Region Heilbronn-Franken dafür das Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer (BTZ) zur Verfügung. In dem Zentrum in Heilbronn werden jährlich 3.300 junge Menschen in acht verschiedenen Berufen unterrichtet. Sie kommen während ihrer Ausbildung mehrmals für eine oder zwei Wochen in die Werkstätten. Dort haben sie die Gelegenheit, all das zu erlernen, was im Alltagsgeschäft nicht vermittelt werden kann, sehr zeitaufwändig oder kostenintensiv ist. Immer an ihrer Seite ist dabei einer der zwölf Ausbildungsmeister im BTZ. Der Dienstälteste unter ihnen ist Klaus Hübner. Der 57-Jährige Werkzeugmachermeister ist seit 1991 in der Überbetrieblichen Ausbildung tätig und von Anfang an auch im BTZ mit dabei.  

 Weitere Informationen

Räume, Restaurant, Ladesäule, Solarturm:

 Das Bildungs- und Technologiezentrum

Gut durch die Gesellenprüfung kommen

CNC-Bearbeitung, Pneumatik, Hydraulik. Damit kennt sich Hübner bestens aus.  Die Lehrlinge, die in seine Werkstatt kommen, lernen bei ihm zum Beispiel, wie man eine CNC-Maschine ein- und ausrichtet, bedient und am PC programmiert. "Nicht jeder Betrieb kann da so in die Tiefe gehen", weiß Hübner. "Das gleichen wir im BTZ aus. Wir unterrichten in Kleingruppen und außerhalb vom Betriebsalltag.“ Paul Spohrer, Ausbildungsleiter bei der Neumeister Hydraulik GmbH in Neuenstadt, weiß das zu schätzen. "Die ÜBA-Kurse sind eine hervorragende Ergänzung zu dem, was wir unseren Lehrlingen beibringen und was in der Berufsschule unterrichtet wird." Spohrer selbst ist in der vorteilhaften Lage, für seine 20 Feinwerkmechaniker-Azubis eine eigene Lehrwerkstatt zur Verfügung zu haben. Die Basics beim Fügen und Umformen erlernen die Azubis also auch schon im Betrieb. Dennoch profitiert auch die Neumeister GmbH von der ÜBA. "Die Steuerungstechnik zum Beispiel wird in der Berufsschule nur angerissen. Während der ÜBA beschäftigen sich unsere Lehrlinge zwei Wochen lang ausschließlich mit diesem Thema", berichtet Spohrer.

Wie wichtig die ÜBA ist, weiß er auch durch seine Tätigkeit im Gesellenprüfungsausschuss.  Seit mehr als 20 Jahren engagiert er sich dort ehrenamtlich. "Bei der Prüfung können wir keine Rücksicht darauf nehmen, was der Betrieb produziert und welche Maschinen dafür zum Einsatz kommen. Damit trotzdem alle Lehrlinge die gleichen Chancen haben und gut durch die Prüfung kommen, steht im BTZ ein top Maschinenpark zur Verfügung. Der ist immer auf dem neuesten Stand ist. Diesen finanziellen Aufwand könnten kleinere oder sehr spezialisierte Betriebe unmöglich betreiben. "

Weitere Informationen

Hier erfahren Sie mehr über die Inhalte der einzelnen ÜBA-Kurse:

Die Überbetriebliche Ausbildung

Azubi 4.0

Damit auch er immer auf dem aktuellen Stand ist, tauscht er sich regelmäßig mit Klaus Hübner aus: über Termine, den Unterrichtsstoff und seine Azubis. Tickt der Lehrling von vor 20 Jahre anders, als der von heute? "Nein", sagt Klaus Hübner. "Die sind immer noch anständig und gut drauf. Aber sie lernen anders als früher", weiß er. „Sie haben immer ihr Büro in der Tasche. Über ihr Handy finden sie alle möglichen Infos, für die ich als Azubi in Büchern nachschlagen oder meinen Ausbilder hätte fragen müssen.  Was das angeht, brauchen die Azubis garantiert keine Nachhilfe", lacht Hübner.

  Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Wirt.Inform. (FH) Johannes Richter
Leiter Bildungs- und Technologiezentrum

Tel. 07131 791-2701
Fax 07131 791-25 80
Johannes.Richter--at--btz-heilbronn.de