Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 27. November 2025Handwerkskammer appelliert an die Bundesregierung, Reformen schnell umzusetzen
Präsident Ralf Rothenburger zeigte sich bei der Vollversammlung der Handwerkskammer am Dienstag, 25. November, enttäuscht von der aktuellen Arbeit der Bundesregierung. Bislang sei zu wenig getan worden, um Betriebe zu entlasten.
Präsident Ralf Rothenburger zeigte sich bei der Vollversammlung der Handwerkskammer am Dienstag, 25. November, enttäuscht von der aktuellen Arbeit der Bundesregierung. Bislang sei zu wenig getan worden, um Betriebe zu entlasten. Das Handwerk und der gesamte Mittelstand in Deutschland würden bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Zu derselben Einschätzung kam der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, der zu einem handwerkspolitischen Austausch nach Heilbronn gekommen war.
Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks in Gefahr
Die Politik richte ihren Blick zu sehr auf die Großunternehmen. Dabei gehörten 99 Prozent der Betriebe in Deutschland zum Mittelstand, so Schwannecke. „Der Reformdruck ist riesig und das wissen mittlerweile auch viele Politiker. Der ZDH steht ständig mit Abgeordneten und Ministerien in Kontakt und legt die Bedürfnisse des Handwerks dar. Jedes Gespräch zählt“, erklärte er. Aus diesem Grund bat er auch die Vollversammlungsmitglieder, auf Gemeinderäte und Abgeordnete vor Ort zuzugehen: „Machen Sie Ihnen immer wieder deutlich, was das Handwerk braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Laut Schwannecke müsse die Bundesregierung insbesondere bei der Bürokratiebelastung ein Zeichen setzen. „Bei den Dokumentationspflichten benötigen wir praxisgerechte Lösungen und nicht ständig neue Vorgaben, die den Betrieben die Luft zum Atmen nehmen“, mahnte er. Außerdem müsse die Politik endlich eine grundlegende Reform der sozialen Sicherungssysteme in Angriff nehmen. „Über 42 Prozent des Bruttolohns werden im nächsten Jahr für Sozialabgaben fällig, so viel wie noch nie. Wir wollen einen starken Sozialstaat, aber er muss finanzierbar sein.“ Mehr Investitionen seien indessen bei der beruflichen Bildung gefragt. „Der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von der Qualifikation seiner Mitarbeiter ab. Wir brauchen moderne Schulen und Bildungszentren, bezahlbaren Wohnraum für Azubis und die gesetzliche Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.“
Für Investitionen in die Ausbildung junger Menschen sowie die betriebliche Gesundheitsförderung sprach sich auch Gerd Schilling, Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer aus. Besonders in so herausfordernden Zeiten wie diesen sollten Betriebe die körperliche und mentale Gesundheit ihrer Mitarbeiter im Auge behalten.
Mehr Projekte zur Berufsorientierung
Die Handwerkskammer unterstützt ihre Betriebe seit jeher bei der Suche nach geeigneten Lehrlingen. Vor einem Jahr hat die Vollversammlung beschlossen, die Aktivitäten der Kammer auszuweiten und eine Ausbildungsoffensive zu starten. „Im Rahmen dieser Offensive wird es 2026 die Maßnahme „Handwerk on tour“ geben“, erläuterte Kerstin Lüchtenborg, Leiterin der Abteilung Berufsbildung der Handwerkskammer. Dabei werden Berufsorientierungsmaßnahmen in den Werkstätten von beruflichen Schulen im gesamten Kammerbezirk angeboten. Außerdem setzt die Handwerkskammer gemeinsam mit den sieben weiteren Handwerkskammern in Baden-Württemberg auf die Einführung eines Tages des Handwerks für Schüler. Dieser Aktionstag soll verpflichtend für Schulen eingeführt werden und sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihrer Berufsorientierung mit dem Handwerk in Berührung kommen.
Modernisierungsmaßnahmen
Weitere Projekte zur Berufsorientierung finden im Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) der Handwerkskammer in Heilbronn statt. Um das Gebäude im Sinne von Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu modernisieren, plant die Handwerkskammer, eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Gebäudes zu installieren. Die Anlage wird eine Leistung von rund 92 kWp haben. „Die Kosten der Anlage werden sich bereits nach drei Jahren amortisiert haben“, berichtete Johannes Richter, Leiter des BTZ. Auf dem Parkplatz der Einrichtung werden derzeit sechs Ladepunkte zum Laden von Elektroautos installiert.
Hintergrundinformation zur Vollversammlung
Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsorgan der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Die 36 gewählten Mitglieder des Gremiums, 24 selbstständige Handwerkerinnen und Handwerker bzw. Inhaberinnen und Inhaber von Betrieben des handwerksähnlichen Gewerbes sowie zwölf Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter, fassen die Grundsatzentscheidungen der Kammer und üben das Budgetrecht aus. Dabei sind alle Gewerkegruppen und Landkreise proportional zu ihrer tatsächlichen Verteilung vertreten. Die Wahlen zur Vollversammlung erfolgen alle fünf Jahre.