Vier Jugendliche bearbeiten Holzbretter auf einem Tisch im Freien.
Ramona Fritz

Lernwerkstatt erfolgreich an Schulen etabliert

Das Projekt zur praktischen Berufsorientierung der Handwerkskammer läuft inzwischen erfolgreich an drei allgemein bildenden Schulen im Main-Tauber-Kreis.

Die Lernwerkstatt Bau-Hand-Werk der Handwerkskammer Heilbronn-Franken hat sich in ihrem zweiten Projektjahr als ein gelungenes Modell zur Kooperation von Schulen und Handwerk für eine praxisorientierte Berufsorientierung etabliert. An drei Schulen im Main-Tauber-Kreis beschäftigten sich Schüler der achten und neunten Klasse dabei intensiv mit dem Thema Bauen. Neben der Gemeinschaftsschule in Wertheim, an der das Projekt im vorigen Schuljahr als Pilot gestartet war, beteiligten sich in diesem Jahr auch die Kopernikus Realschule in Bad Mergentheim sowie das Schulzentrum am Wört in Tauberbischofsheim.

Fürs Bauen begeistern

Mit der Projektwoche kurz vor den Sommerferien findet die Lernwerkstatt ihren krönenden Abschluss. Sie ist das letzte der insgesamt vier Module, die die Schüler durchlaufen. Die Jugendlichen beschäftigen sich dabei zunächst mit der kulturellen und historischen Bedeutung des Bauens in ihrer Heimat, experimentieren dann selbst mit Modellbauten und Bauplänen und entwickeln anschließend anhand eines Bauauftrags eigene Projekte für die Schule. Die besten Entwürfe dürfen sie dann in der Projektwoche mit Unterstützung von Partnerbetrieben aus dem Handwerk umsetzen.

Voller Einsatz der Schüler

An der Kopernikus Realschule in Bad Mergentheim haben sich die Schüler an die Neugestaltung der Grillecke auf dem Schulhof gemacht. Dafür wurden mehrere Ideen der Schüler zu einem Projekt: neben den Pflasterarbeiten mit Unterstützung von Joshua Fafoutis und Tizian Schnupp, Auszubildende zum Baugeräteführer und Straßenbauer bei Leonhard Weiss, entstanden auch ein Holzlager und Sitzbänke mit Tischen. Bei den Fundamenten unterstützte Maurergeselle David Stolz von Faul & Bethäuser. Die jungen Handwerker sind vom Einsatz der Schüler beeindruckt: „Sie sind oft sogar länger geblieben, um etwas fertig zu machen“, betont Joshua Fafoutis.

Denn „die Zeit war etwas knapp“, erklärt David Stolz. Schließlich musste zunächst der Boden ausgebaggert, mit Schotter gefüllt und verdichtet werden, bevor das neue Pflaster verlegt und die Fundamente für die Bank gesetzt werden konnten. „Wir haben aber darauf geachtet, dass die Aufgaben für die Schüler nicht so schwierig waren“, gibt Tizian Schnupp zu, der vor seiner Ausbildung selbst Schüler an der Kopernikus Realschule war. An der Arbeit mit den Schülern hatten alle Spaß, auch wenn man viel erklären muss. Das Projekt finden sie sinnvoll: „Man muss die Berufe am Bau einfach besser verkaufen. Viele haben gar keine Vorstellung davon“, meint David Stolz.

Gewinn für alle

Für die 16 Nachwuchs-Handwerker der Kopernikus Realschule gilt das jetzt nicht mehr. Sie haben sich freiwillig für die Lernwerkstatt entschieden und waren begeistert. „Auch Leuten, denen es nicht im Blut liegt, hatten Spaß“, erzählt Marlon. „Jeder macht das, was er am besten kann“, ergänzt Denis. Diese Arbeit Hand in Hand hat den Jugendlichen besonders gut gefallen. „Wir konnten viel selbstständig arbeiten“, findet Jule.

„Bring dem Menschen nicht bei, ein Schiff zu bauen, sondern wecke die Sehnsucht, über das Meer zu fahren“, beschreibt Studiendirektor Michael Hellmuth, Abteilungsleiter an der Gewerblichen Schule in Tauberbischofsheim, mit einem Sprichwort die Bedeutung dieser außerschulischen Projekte aus seiner Sicht. In den Werkstätten der Berufsschule findet der praktische Unterricht der Lernwerkstatt statt. Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer, betonte, dass die Kooperation von allgemeinbildenden Schulen und Berufsschule nicht selbstverständlich sei: „Für das Gelingen des Projekts ist sie aber wichtig. Schließlich gefährden die sinkenden Ausbildungszahlen, speziell im Baubereich, auch die Berufsschulstandorte“, erklärt Bopp. Heiko Knebel, Leiter der Kopernikus Realschule, ist nach einem Jahr vom Konzept der Lernwerkstatt überzeugt. „Die Schüler haben danach immer gesprudelt und begeistert berichtet, was sie erlebt haben“, so Knebel. „Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“

Junge und Mädchen sitzen auf dem Dach eines Holzlagers, ein dritter Junge reicht ihnen einen Pinsel, ein Handwerker schaut zu
Ramona Fritz

Tatkräftige Unterstützung durch Handwerksbetriebe

Viele Partner tragen zum Gelingen der Lernwerkstatt bei. Neben der Handwerkskammer, den Schulen und Schulträgern für die Organisation und Finanzierung, ermöglichen die Bau-Innung Main-Tauber-Kreis/Künzelsau und ihre Betriebe die praktische Umsetzung. Partner waren in diesem Jahr Leonhard Weiss aus Bad Mergentheim, aus Lauda-Königshofen Faul & Bethäuser und Konrad Bau, Boller Bau aus Tauberbischofsheim sowie aus Wertheim Schwend Metallbau, Schreinerei Kraft, Holzbau Dobslaff und Goldschmitt Bau.

 Weitere Informationen

Mehr zu Konzept, Entwicklung und Partnern finden Sie auf der Projektseite.

 Lernwerkstatt Bau-Hand-Werk