Männer und Frauen sitzen an langen Tischreihen. Sie haben Namensschilder un Getränke vor sich stehen.
Birgit Obenland

Meisterpflicht, Mindestlohn und Rentenalter im Blick

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 10. Mai 2019

„Viele politische Gruppierungen haben mittlerweile erkannt, dass die Novellierung der Handwerksordnung durch die damalige Bundesregierung im Jahr 2004 nicht richtig durchdacht war“, bilanzierte Kammer-Präsident Ulrich Bopp jetzt bei der Sitzung der Vollversammlung. „Wenn es zutrifft, dass die CDU-Fraktion im Ländle im kommenden Haushalt die Meisterprämie einführen will, dann ist dies ein sehr gutes Zeichen. Es wäre ein Signal der Wertschätzung gegenüber dem Handwerk und ein Schritt hin zu mehr Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung“, machte Bopp die Position der Kammer deutlich.

Natürlich beschäftigte der Nachwuchs-Mangel im Handwerk ebenfalls die Mitglieder der Vollversammlung. Volle Auftragsbücher, aber zu wenig Fachkräfte, lautete die Bilanz. Bopp verwies auf momentan 650 freie Ausbildungsplätze bei der Lehrstellen-Börse der Handwerkskammer. „Die Ausbildung von Geflüchteten ist daher ein wirklich wichtiges Instrument, gegen den Fachkräfte-Mangel“, so sein Fazit. 



Gut und gesund ins Rentenalter kommen

Vizepräsident Markus May beschäftigte die Anhebung des Rentenalters. „Auf den ersten Blick scheint es plausibel, wenn man die Verweildauer im Ruhestand, die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel berücksichtigt, weil die Rente ja auch weiterhin finanzierbar bleiben muss.“

Doch May machte sich stark für einen kritischen Blick: „Das klingt nur solange alles gut, bis man die Entwicklung der Erwerbsunfähigkeit betrachtet.“ Er verwies auf die Statistik: Seit 1960 sei das durchschnittliche Alter bei der Erwerbsunfähigkeit um rund vier Jahre gesunken. „Es ist alarmierend, dass Menschen heute schon mit etwa 51,5 Jahren erwerbsunfähig sind, weil sie ausgebrannt und psychisch erkrankt sind. Es müssen erst einmal die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Arbeitnehmer gesund bleiben und gut ins Rentenalter kommen.“ 



Noch große Lücken beim Azubi-Mindestlohn

Auch der Mindestlohn in der Ausbildung war Thema in der Vollversammlung: In West-Deutschland „leider große Lücken ohne irgendwelche tarifliche Bindung“ und „drastisches Entlohnungs-Gefälle zwischen Ost und West“ fasste May zusammen. „Es ist unzureichend nur zu sagen, ‚wir können das nicht bezahlen‘ und ‚die Löhne sind viel zu hoch‘, sondern es muss mit allen Mitteln und allen Beteiligten gemeinsam daran gearbeitet werden, dieses Missverhältnis aus der Welt zu schaffen. Für ein wirtschaftlich reiches Land wie Deutschland sollte das möglich sein.“

Daher lautete die klare Forderung: „Ohne Wehklagen den gemeinsamen Vorschlag von Arbeitgeber-Verband und Gewerkschaft von 515 Euro ab 2020 und eine tariflich geringere Entlohnung für Krisenbranchen sowie eine jährliche Erhöhung angelehnt an den tariflichen Durchschnitt anzunehmen.“



Silberne Ehrennadel für Peter Baumann

Weitere Themen der Sitzung waren die Kammer-Arbeit in 2018, die Beteiligung des Handwerks an der Bundesgartenschau, der aktuelle Berufsbildungsbericht, neue Maschinen und das Projekt „Fit für die Ausbildung“ im Bildungs- und Technologiezentrum, die Besetzung verschiedener Prüfungs-Ausschüsse sowie die Ehrung von Peter Baumann.

Der Maurer aus Külsheim erhielt die Silberne Ehrennadel für 20 Jahre ehrenamtliches Engagement im Handwerk. 

Drei Männer lächeln in die Kamera. Der Mittlere hält eine Urkunde auf der steht: Silberne Ehrennadel.
Birgit Obenland