Junge Frau sitzt an einem Schreibtisch mit zwei Bildschirmen und einer Tastatur. Sie lächelt in die Kamera.
Kerstin Colak

Per Mausklick zum neuen Bad

Schnell und unkompliziert ein Angebot für ein neues Bad erhalten. Das ermöglicht der Bad-Konfigurator der Windmüller GmbH in Schwäbisch Hall. Ein Lehrstück in Sachen Digitalisierung.

20 Fragen, fünf Minuten - und schon erfahren Bauherren von der Windmüller GmbH in Schwäbisch Hall, was ihr neues Badezimmer kosten wird. Das kommt bei Kunden gut.

Nur wenige Minuten bis zum Angebot

Wie groß soll Ihr Badezimmer sein? Soll es ein WC haben? Möchten Sie eine Basis-, Komfort- oder Premiumausstattung? Wer diese und weitere 17 Fragen beantwortet, weiß kurze Zeit später, welche Kosten er für sein neues Bad einplanen muss. Das gefällt Kunden. Und erhöht für Betriebe die Chance auf einen Auftrag. Deshalb gibt es auf der Internetseite der Windmüller GmbH in Schwäbisch Hall einen Bad-Konfigurator. Dieses Tool kalkuliert mithilfe von Fragen zum Bauprojekt ein konkretes Angebot. Sofort nachdem alle Fragen beantwortet sind, erhält der Kunde das Angebot per E-Mail. Außerdem ein Foto vom Ansprechpartner bei Windmüller mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Auf diese Art und Weise können Kunden auch den Preis ihrer neuen Heizung oder Klimaanlage erfahren. Die Idee dazu entstand bei Inhaber Dirk Windmüller bereits vor zehn Jahren.  

 Weitere Informationen

 www.windmueller-sha.de

An der Ehre gepackt

Bei einer Tagung von Bad und Heizung, einem Verbund von Handwerksunternehmen der Sanitär- und Heizungsbranche, ging es um die Vertriebsmöglichkeiten, die das Internet bietet. „Der Referent erklärte damals, dass das Internet ein Vertriebsmitarbeiter sei, der 24 Stunden am Tag für uns Handwerker arbeitet. Montagmorgens könne jeder Betrieb zehn Anfragen in seinem E-Mail-Postfach haben. Wir hatten natürlich schon damals eine Internetseite, aber die Anfragen am Montagmorgen hatte ich nicht“, erinnert sich Windmüller. "Mir wurde klar, dass wir die Möglichkeiten des Internets noch nicht richtig nutzen. Einige Zeit später kam ein Heizungs-Konfigurator auf den Markt. Allerdings von einem branchenfremden Anbieter. Das hat mich irgendwie gewurmt. Warum kriegen wir das im Handwerk nicht selbst hin?"



Noch sichtbarer sein

Mit einem IT-Dienstleister hat Windmüller dann kurzerhand selbst einen Bad-Konfigurator entwickelt. "Wir müssen Kunden da abholen, wo sie sind. Im Internet", sagt Melanie Wirnsberger. Sie ist bei Windmüller zuständig für Marketing und PR und war beim Projekt "Konfigurator" von Anfang an mit dabei. "Man sieht es doch bei sich selbst. Wenn man sich etwas Neues anschaffen will, informiert man sich zuerst über eine Suchmaschine. Das gilt mittlerweile auch für Handwerkerleistungen." Die Umfrage "Digitalisierungsbarometer" bestätigt diese Einschätzung.

Bei der Akquisition von Aufträgen spielen die Online-Aktivitäten von Betrieben eine immer größere Rolle. 57 Prozent der Privatkunden beginnen ihre Suche nach einem Betrieb im Internet, so die Studie. Je jünger die Kunden, desto häufiger ist das Netz der Startpunkt. Dass es mit einer Webseite mit Informationen über den Betrieb, die Mitarbeiter und das Leistungsangebot nicht mehr getan ist, zeigt ein weiteres Ergebnis: 48 Prozent der Kunden erwarten von Handwerksbetrieben, dass sie Online-Konfiguratoren auf ihren Internetseiten zur Verfügung stellen. Lediglich 17 Prozent der befragten Betriebe gaben jedoch an, einen solchen anzubieten. Windmüller weiß, warum die Kollegen noch zurückhaltend sind. "Viele tun sich schwer damit, ihren einzelnen Arbeitsschritten einen standardisierten Preis zuzuordnen. Das ist aber der Knackpunkt. Nur so funktioniert die Kalkulation über einen Konfigurator."

Digitalisierungsbarometer

In der Studie "Digitalisierungsbarometer für das Bau- und Ausbauhandwerk in Baden-Württemberg" wird der Grad der Digitalisierung unterschiedlicher Gewerke analysiert. Herausgeber ist unter anderem der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT). Die gesamten Ergebnisse der Studie gibt es hier zum Nachlesen:

www.handwerk2025.de

Wer ist am schnellsten?

Windmüller ist überzeugt: "Mit dem Konfigurator erreiche ich mehr Interessenten. Mittlerweile kommen rund 30 Anfragen pro Monat über diesen Vertriebsweg." Und er kann Kunden schneller das liefern, was sie zu Beginn eines Auftrages wissen wollen: Was kostet das Ganze? "Der Zeitdruck ist immens. Früher konnte man stolz sein, wenn man innerhalb von einer Woche ein Angebot erstellt hat. Heute erwarten Kunden innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung." Und der Trend geht weiter. Und Windmüller geht mit.

Seit fast einem Jahr erreichen Windmüller-Kunden über den Menüpunkt "Shop" die Seite www.rundumhandwerk.de.  Auf dieser Plattform können einzelne Produkte - zum Beispiel Heizkörper - oder auch komplette Badrenovierungen wie in einem Online-Shop eingekauft werden. Sofort sichtbar: Der Preis, wann das Produkt frühestes geliefert wird und wie lange der Einbau dauert. Die Seite wurde bei Windmüller selbst entwickelt und programmiert. Zu der Plattform gehören mehrere Betriebe aus dem Bau- und Ausbauhandwerk. Weitere sollen dazu kommen. "Ich bin mir sicher, dass das die Zukunft für uns Handwerker ist. Ich freue mich, wenn noch mehr Kollegen die Chance nutzen, ihre Leistungen dort anzubieten", so Windmüller.

 Weitere Informationen

 www.rundumhandwerk.de