Im Vordergrund halten Hände einen Taschenrechner. Im Hintergrund sind weiße Mauersteine auf Baustelle und ein Haus zu sehen.
lp-studio/Shutterstock.com

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 19. Juli 2022Sorgen der Handwerksbetriebe nehmen zu

Die Handwerksbetriebe in der Region werden weiter durch Preissteigerungen, Lieferprobleme und Materialmangel massiv ausgebremst. Der Krieg in der Ukraine sowie die unsichere Versorgungslage bei Energie im kommenden Herbst und Winter verstärken die Sorgen zusätzlich. Das zeigt sich auch in den Ergebnissen der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer, die Ende Juni durchgeführt wurde.

Viele Krisen

"Dabei darf man nicht vergessen, dass viele Betriebe auch noch unter den Nachwirkungen der Corona-Krise leiden, die viele Rücklagen aufgebraucht hat“, weiß Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer. „Nun müssen vor allem energieintensive Handwerke befürchten, dass ihnen bald wieder Kurzarbeit oder gar Stillstand droht, weil nicht genug Gas in Deutschland verfügbar ist.“

Teuerung sorgt für Einbruch

Die Klimawende-Politik treibe die Teuerung dazu noch weiter an. „Inzwischen droht selbst beim bisherigen Stabilitätsanker Bau ein Einbruch, da viele Menschen sich das Bauen wegen der massiv steigenden Preise schlicht nicht mehr leisten können“, klagt Bopp, der selbst ein Bauunternehmen in Widdern führt. „Hier ist die Politik gefragt, wichtige Impulse und verlässliche Anreize zu setzen, damit Klimaschutz nicht auf Kosten der wirtschaftlichen Entwicklung geht“, fordert der Kammerpräsident.

Geschäftslage gut, Aussichten getrübt

Trotz der großen Sorgen bewertete die Mehrheit der Handwerksbetriebe in der Region ihre Lage Ende Juni noch als gut (73,9 Prozent, Vorjahr: 67,7 Prozent). Für die kommenden Monate erwarten allerdings nur noch 18,7 Prozent der Befragten bessere Geschäfte (Vorjahr: 35,3 Prozent). Dagegen rechnen 15,5 Prozent mit einer Verschlechterung (Vorjahr: 5,8, Prozent).

Schwächere Auftragslage, hohe Preise

Die Auftragslage im Handwerk hat sich abgeschwächt. Rund ein Viertel der Betriebe verzeichnete mehr Aufträge (26,3 Prozent, Vorjahr: 38 Prozent), während rund ein Fünftel weniger Aufträge bekam (17,3 Prozent, Vorjahr: 13 Prozent). Auch für die kommenden Monate rechnen die Betriebe mit keiner Verbesserung der Auftragslage. Mehr als 90 Prozent der Befragten berichten von steigenden Einkaufspreisen. „Die meisten Handwerker sind inzwischen auch gezwungen, diese zumindest teilweise weiterzugeben“, so Bopp. Rund 60 Prozent gaben gestiegene Verkaufspreise an.

Gute Auslastung und Umsätze

Positiv stehen die Vorzeichen noch bei Auslastung und Umsätzen. Lediglich jeder achte Betrieb (12,4 Prozent, Vorjahr: 19,2 Prozent) hatte größere Kapazitäten frei. Fast die Hälfte der Betriebe hatte eine sehr gute Auslastung (44 Prozent, Vorjahr: 47,7 Prozent). Rund ein Viertel (25,7 Prozent, Vorjahr: 14,9 Prozent) war sogar über die eigentlichen Kapazitäten hinaus ausgelastet.

Bei den Umsätzen verzeichneten 42,8 Prozent (Vorjahr: 46,6 Prozent) Zuwächse, die aber zumindest teilweise auch auf die Teuerung zurückzuführen sein dürften. Knapp jeder zehnte Betrieb (9,5 Prozent, Vorjahr: 12,1 Prozent) gab sinkende Umsätze an. Für die nächsten Monate rechnen 38,3 Prozent der Befragten mit weiter steigenden Umsätzen (Vorjahr: 34,6 Prozent), während 15 Prozent von sinkenden Umsätzen ausgehen (Vorjahr: 4,2 Prozent).

  Weitere Informationen

Die vollständigen Ergebnisse der aktuellen Umfrage finden Sie im Konjunkturbericht.