Junger Mann in schwarzem Polohemd steht in Grube einer Werkstatt unter einem Fahrzeug, Leuchte in der Hand, lächelt in Kamera.
Jérôme Umminger

Vom Hilfsarbeiter zum Meister

Mentor Musa kam 2015 aus dem Kosovo nach Deutschland, hat sich erfolgreich weitergebildet und ist einer von rund 200 neuen Meistern im Handwerk der Region.

Wer Mentor Musa in der Buswerkstatt bei den Verkehrsbetrieben Heilbronn besucht, trifft auf einen besonnenen jungen Mann, der seine Worte mit Bedacht wählt und keine unüberlegten Handlungen vollzieht. Mit seiner ausgeglichenen Art ist er auch in seiner Heimat, dem Kosovo, weit gekommen. Nach der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker hatte er dort im Busunternehmen seines Vaters bereits als Werkstattleiter gearbeitet.

Umzug nach Deutschland

Nach Deutschland kam er der Liebe wegen. Seine heutige Frau lernte er zwar im Kosovo kennen. Sie wohnte jedoch bereits seit der Geburt in Deutschland. Und so führte das Paar anfangs eine Fernbeziehung – über 1.600 Kilometer. Im Dezember 2015 entschieden sich die beiden dann in Heilbronn zusammenzuziehen. In Deutschland belegte Musa selbst finanzierte Deutschkurse bis zum Niveau B2. Im Februar 2016 startete er ein Praktikum bei den Verkehrsbetrieben Heilbronn. 

Der Meister war sofort von Musa begeistert. Nach nur vier Wochen Praktikum wurde Musa als Hilfsarbeiter eingestellt. „Meine Chefs haben großes Interesse an mir gezeigt und schnell gefragt, wie es weitergeht.“ Gemeinsam entschieden sie, bei der Handwerkskammer die Anerkennung seiner kosovarische Kfz-Mechatroniker-Ausbildung zu beantragen.

>> Ich habe von Anfang an große Unterstützung von meinen Chefs erhalten. <<

Mentor Musa, Kfz-Mechatronikermeister

Komplexes Anerkennungsverfahren

Im Juli 2016 erhielt Bettina Ludwig, Ansprechpartnerin für die Anerkennung ausländischer Bildungsnachweise bei der Handwerkskammer, den Antrag von Mentor Musa. „Das Verfahren war sehr komplex und langwierig, da es nur sehr wenige Unterlagen aus dem Kosovo gab“, erinnert sie sich. Daher konnte sie keine Anerkennung auf Basis von Bildungsnachweisen aussprechen, sondern startete mit Mentor Musa eine Qualifikationsanalyse – bestehend aus Arbeitsprobe über das komplette Referenzprofil und Fachgespräch. „Ich musste mich in der Kundenannahme, Fehlersuche und der Instandsetzung beweisen“, weiß Musa noch genau.

Im März 2017 erhielt Musa dann endlich das lang ersehnte Ergebnis: Die vollständige Anerkennung seiner kosovarischen Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Seither arbeitet er als Geselle in der Buswerkstatt der Verkehrsbetriebe Heilbronn und spricht begeistert von seinem Arbeitgeber. „Ich habe von Anfang an große Unterstützung von meinen Chefs und der Personalleitung erhalten“, zeigt sich der 34-Jährige dankbar.

Junger Mann in schwarzem Polohemd sitzt am Schreibtisch einer Werkstatt und lächelt in die Kamera.
Jérôme Umminger

Mit viel Unterstützung durch eine harte Zeit

Aber er hatte schnell das Gefühl: „Ich sollte jetzt nicht aufhören. Ich muss weitermachen.“ Nach Gesprächen mit seinen Vorgesetzten und seiner Frau entschied er sich im Februar 2019 für die Fortbildung zum Meister. Weil er neben dem Meisterkurs weiter Vollzeit arbeitete, gab er sich dafür drei Jahre Zeit.

„Das war nicht einfach. Es waren harte Jahre“, gibt er zu. Denn neben Vollzeitarbeit und Meisterkursen war Musa inzwischen auch Vater geworden. „Es gab Tage, da habe ich meine Söhne nur schlafend gesehen. Aber meine Frau stand immer hinter mir“, blickt er zurück. Im Dezember 2021 hat er die Meisterprüfung erfolgreich abgeschlossen. „Da ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen“, erinnert er sich. 

Ein wichtiger Antreiber und Motivator sei sein Meister Heiko Ziel gewesen: „Er hat immer an mich geglaubt.“ Den Verkehrsbetrieben Heilbronn bleibt er auch als Meister treu. Dort kümmert er sich unter anderem um die Fahrzeugannahme, die Fehlersuche und Sicherheitsprüfungen von 75 städtischen und nochmal 50 RBS-Bussen. Die Arbeit wird ihm daher sicher so schnell nicht ausgehen.