75 Jahre Deutsche Meisterschaft im Handwerk Eine goldene Zimmerer-Laufbahn mit Weltmeistertitel

Beim Internationalen Berufswettbewerb des Handwerks in Madrid gewann Albert Baumann aus Flein 1967 als erster Deutscher die Goldmedaille im Zimmererhandwerk.

Ein Zimmerer steht an einer Sägemaschine und sägt ein Brett zurecht.
Patrick Heckler

Der Umgang mit Holz wurde Albert Baumann in die Wiege gelegt. Sein Vater Eugen führte die 1896 von Großvater Otto gegründete Zimmerei in zweiter Generation. Bereits in jungen Jahren probierte sich auch Albert handwerklich aus: „Ich habe schon als Kind viel mit Holz gespielt und bereits im Kindergartenalter mit der Laubsäge gearbeitet. Das hat mir immer großen Spaß gemacht“, sagt der heute 78-Jährige.

Mit der Zimmerersäge ins Flugzeug

1964 begann Albert Baumann im Fleiner Familienbetrieb eine Ausbildung zum Zimmerer. Gegen Ende seiner Lehre nahm er an den Berufswettbewerben auf Innungs-, Kammer- und Landesebene teil, den Vorläufern der heutigen Deutschen Meisterschaft im Handwerk (DMH), die dieses Jahr ihr 75. Jubiläum feiert. Baumann schloss jede Wettbewerbsstufe als Bester ab. Ob er das Gefühl hatte, eine besondere Begabung zu haben? „Das würde ich so nicht sagen. Ich habe mich angestrengt, um meine Arbeit gut und sauber zu machen. Das hat geklappt“, sagt er mit bescheidenem Selbstverständnis.

1966 wurde Baumann zum Bundeswettbewerb nach Berlin eingeladen. „Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit einem Flugzeug geflogen bin. Ich hatte meine große Zimmerersäge dabei. Das Personal am Flughafen sagte mir, ich solle mich in die letzte Reihe setzen und die Säge hinter die Sitze legen. Solche Sachen bleiben einem ewig in Erinnerung“, erzählt er.

Vor Ort setzte er sich als 18-Jähriger dann erneut gegen die deutsche Zimmerer-Konkurrenz durch und wurde im Anschluss vom damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke geehrt. Damit hatte er auf nationaler Ebene alle Wettbewerbe seines Berufsstands gewonnen und sich für den internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Mit dem Bus nach Madrid

Am 5. Juli 1967 machte sich Albert Baumann auf den Weg nach Madrid, um an der 16. Ausgabe des Internationalen Berufswettbewerbs – dem Vorgänger der heutigen WorldSkills – teilzunehmen. Die deutsche Delegation der besten Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerker traf sich in Duisburg, um von dort aus mit dem Reisebus in die spanische Hauptstadt zu fahren.

Nach Anreise, Eröffnung und Sightseeing fand der Wettbewerb vom 10. bis 12. Juli statt. „Wir mussten ein Walmdach für ein Gebäude mit Anbau errichten. Dafür hatten wir drei Tage Zeit. Ich war bereits nach zwei Tagen als Erster fertig und konnte mir somit noch mehr Sehenswürdigkeiten anschauen“, sagt Baumann, der noch heute von seinen Besuchen im Prado-Museum und in der Madrider Stierkampfarena schwärmt.

Die Kundschaft kam vorbei und gratulierte mir. Viele äußerten auch scherzhaft Bedenken, ob nun die Preise steigen, weil im Betrieb jetzt ein Weltmeister schafft.

Albert Baumann, Zimmerer-Weltmeister 1967

Mit der Goldmedaille nach Hause

Am 17. Juli wurde Albert Baumann bei der Siegerehrung des Internationalen Berufswettbewerbs mit der Goldmedaille im Zimmererhandwerk ausgezeichnet. Der 18-Jährige setzte sich gegen Teilnehmer aus Korea, den Niederlanden, Irland, Japan, Großbritannien und der Schweiz durch. So wurde er der erste deutsche Zimmerer-Weltmeister und zugleich der weltweit beste Nachwuchszimmerer des Jahres 1967.

Doch wie fühlte sich Baumann als frischgebackener Weltmeister? In einem im August 1967 erschienenen Zeitungsartikel wurde er wie folgt zitiert: „Nach erlebnisreichen Tagen kam ich dann am 20. Juli abends wieder in Heilbronn an, voll von neuen Eindrücken und auch voll Freude über den erreichten Erfolg.“ Heute sagt er: „Natürlich war ich stolz auf das, was ich erreicht hatte. Und auch meine Familie war stolz auf mich. Die Nachricht verbreitete sich schnell in Flein. Die Kundschaft kam vorbei und gratulierte mir. Viele äußerten auch scherzhaft Bedenken, ob nun die Preise steigen, weil im Betrieb jetzt ein Weltmeister schafft.“

Nach seinen Erfolgen absolvierte Albert Baumann 1970 die Weiterbildung zum Zimmerermeister und übernahm drei Jahre später den Familienbetrieb von seinem Vater. In der Spitze beschäftigte Holzbau Baumann zwölf Mitarbeiter, die meisten davon bildete Baumann selbst aus. Auch in seinen zahlreichen Ehrenämtern setzte sich der heutige Ehrenobermeister der Zimmerer-Innung Heilbronn-Öhringen über Jahrzehnte für den Nachwuchs und das Zimmererhandwerk ein. 2012 übergab er den Betrieb an seine Kinder Steffen und Kerstin, die ihn heute in vierter Generation führen. Mit 78 Jahren arbeitet Baumann noch immer in der Werkstatt mit. Seine Leidenschaft für das Zimmererhandwerk ist bis heute ungebrochen.

Die Wettbewerbe: DMH, EuroSkills und WorldSkills

Die Handwerksfamilie feiert 2026 ein besonderes Jubiläum: Seit 75 Jahren steht die Deutsche Meisterschaft im Handwerk (DMH) für Spitzenleistungen. Alle zwei Jahre messen sich die besten deutschen Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerker im Wechsel bei den EuroSkills (Europameisterschaft) und den WorldSkills (Weltmeisterschaft) mit der internationalen Konkurrenz. Im Zimmererhandwerk gewannen seit Beginn der WorldSkills fünf deutsche Teilnehmer die Goldmedaille: 1967, 1973, 2003, 2015 und 2019.

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 6. Oktober 2026

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