Sonderumfrage zur Ausbildungssituation Freie Lehrstellen warten auf Bewerber

Eine Umfrage unter Betrieben ergab: Viele Betriebe würden gerne ausbilden, finden aber keine passenden Lehrlinge.

Eine junge Frau steht an einer Bohrmaschine und bohrt ein Loch in ein Holzbrett. Neben ihr steht ein etwas älterer Mann und leitet sie an.
Robert Kneschke/stock.adobe.com

Wie steht es um die Ausbildung im Handwerk in Heilbronn-Franken? Eine Befragung von Handwerksbetrieben zeigt ein differenziertes Bild: Nicht jeder Betrieb bildet aus oder bietet eine Lehrstelle an. Gleichzeitig bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, weil Bewerbungen fehlen oder die Kandidaten nicht passen.

Für junge Menschen bedeutet das: „Wer sich für einen Handwerksberuf interessiert und Engagement mitbringt, hat gute Chancen einen Ausbildungsplatz im Wunschgewerk zu bekommen“, sagt Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken.

Fehlende Bewerbungen sind für manche Gewerke ein größeres Problem als fehlende Ausbildungsbereitschaft.“

Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken

„Wer gern praktisch arbeitet, Probleme löst und sichtbare Ergebnisse schaffen möchte, findet im Handwerk viele Möglichkeiten.“  Und dank der vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten im Handwerk „ist die Ausbildung nur der erste Schritt auf der Karriereleiter“, sagt Rothenburger.

„Handwerk gestaltet die Zukunft. Es lohnt sich, selbst aktiv zu werden und auch bei Betrieben nachzufragen, bei denen nicht sofort eine ausgeschriebene Stelle zu sehen ist. Denn fehlende Bewerbungen sind für manche Gewerke ein größeres Problem als fehlende Ausbildungsbereitschaft“, weiß der Handwerkskammerpräsident.

Bewerbungen oft Mangelware

Besonders deutlich wird die Herausforderung bei den befragten Betrieben, die für 2026 Ausbildungsplätze angeboten hatten. In dieser Gruppe meldete nur etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent), alle angebotenen Stellen besetzt zu haben. Bei den übrigen blieben Plätze offen.

Warum gelingt die Besetzung nicht? Unter den Betrieben mit unbesetzten Stellen gaben 74 Prozent an, überhaupt keine Bewerbungen erhalten zu haben. 36 Prozent berichteten zwar von Bewerbungen, fanden darunter aber keine geeigneten Kandidaten. Zehn Prozent sagten, Bewerber hätten sich gegen die Stelle entschieden. 

Von den Unternehmen, die aktuell ausbilden oder Plätze angeboten hatten, berichteten 43 Prozent, Bewerber abgelehnt zu haben. Als Gründe nannten sie unter anderem mangelnde Motivation oder fehlende Ausbildungsreife (43 Prozent), unzureichende Deutschkenntnisse (42 Prozent) und bereits vollständig besetzte Stellen (41 Prozent). Auch schlechte Umgangsformen sowie Schwächen in Mathematik wurden genannt.

Was den Schulabschluss der Bewerber angeht, sind die Erwartungen vieler Betriebe bodenständig. Drei Viertel der ausbildenden Betriebe nannten als Mindestanforderung einen Haupt- oder Werkrealschulabschluss. 17 Prozent setzten mindestens die mittlere Reife voraus. Abitur oder Fachhochschulreife wurden in dieser Frage nicht als Mindestvoraussetzung genannt.

Nicht jeder Betrieb bildet aus

Die Gründe der Betriebe, die nicht ausbilden, sind vielfältig. 37 Prozent nannten die geringe Größe oder Spezialisierung ihres Betriebs als Grund. 17 Prozent verwiesen auf Alters- oder Nachfolgefragen, neun Prozent führten wirtschaftliche Unsicherheit an.  Zugleich gibt es Betriebe, die zwar derzeit nicht ausbilden, die aber grundsätzlich offen für Nachwuchs sind: 16 Prozent dieser Unternehmen erklärten, sie würden ausbilden, wenn sich geeignete Bewerber fänden. Bei weiteren sieben Prozent liegt es an der fehlenden Ausbildungsberechtigung.


Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 16. Oktober 2026

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