
Um die deutsche Wirtschaft ist es gerade nicht zum Besten bestellt. Daher hatte Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, in seiner Analyse der aktuellen Situation anlässlich der Frühjahrssitzung der Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken nur wenig Positives zu berichten. Besonders der Iran-Krieg mit allen seinen wirtschaftlichen Folgen treffe die deutsche Wirtschaft und damit auch das Handwerk. „Damit wurden sämtliche Hoffnungen, dass die deutsche Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen könnte, schnell im Keim erstickt. Die von uns allen sehnlichst erhoffte Konjunkturwende im Handwerk wurde abermals vertagt“, beklagte Rothenburger. Auch an der Bundesregierung übte der Kammerpräsident Kritik. Wichtige und dringend gebotene Reformen ließen weiter auf sich warten und der jüngst beschlossene Bundeshaushalt enthalte leider erneut Maßnahmen, die „gezielt zulasten von Handwerk und Mittelstand gehen“, urteilt Rothenburger.
Die von uns allen sehnlichst erhoffte Konjunkturwende im Handwerk wurde abermals vertagt.
Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Zentrale Forderungen aufgegriffen
Daher ruhen die Hoffnungen des regionalen Handwerks derzeit auf der neuen baden-württembergischen Landesregierung aus Grünen und CDU. Im Koalitionsvertrag gibt es aus Sicht des Handwerks einige Punkte, die positiv zu bewerten sind. „Der Vertrag setzt insgesamt ein wichtiges Signal für wirtschaftliche Vernunft, Modernisierung und mehr Vertrauen in unseren gesamten Mittelstand“, lobt der Kammerpräsident. „Viele zentrale Forderungen des Handwerks wurden aufgegriffen.“
Besonders den angekündigten Bürokratieabbau hob der Elektrotechnikermeister hervor. Der anvisierte Abbau von Berichtspflichten, schnellere Genehmigungsverfahren und eine konsequentere Digitalisierung der Verwaltung würden die Betriebe spürbar entlasten. Ebenso sei die Zusage, bei der Umsetzung von Bundes- und EU-Vorgaben keine zusätzlichen Belastungen für die Betriebe zu schaffen, ein wichtiges Signal.
Verdopplung der Meisterprämie geplant
„Auch im Bereich der Fachkräftesicherung werden klare Akzente gesetzt“, urteilt der Kammerpräsident. Die Koalitionäre beabsichtigen, die Meisterprämie von bislang 1.500 auf künftig 3.000 Euro zu verdoppeln. „Zusammen mit der Stärkung der beruflichen Bildung sind das konkrete und vor allem praxisnahe Maßnahmen.“ Gleiches gelte für die Weiterentwicklung bestehender Programme und die angekündigte Unterstützung bei der Betriebsnachfolge. „Das zeigt: Viele Anliegen des Handwerks wurden gehört und finden sich im Koalitionsvertrag wieder“, resümiert Rothenburger. „Nun kommt es darauf an, diese Maßnahmen zügig, konsequent und insbesondere praxistauglich umzusetzen.“
Viele Anliegen des Handwerks wurden gehört und finden sich im Koalitionsvertrag wieder.
Ralf Rothenburger, Präsident Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Dass sich dringend etwas tun müsse, mache ein Blick auf die aktuelle konjunkturelle Lage des regionalen Handwerkes klar, führt Rothenburger aus. Die Ergebnisse der neuesten Konjunkturbefragung geben Anlass zur Sorge. „Die Geschäftslage im ersten Quartal 2026 lag auf einem Niveau wie zuletzt im ersten Quartal 2010 während der Finanzkrise.“
Auszeichnung für langjähriges Engagement
Im Rahmen der Frühjahrssitzung der Vollversammlung wurden auch verdiente Handwerker für ihr langjähriges Engagement geehrt. Der Amorbacher Bäckermeister Bernhard Kuhn kann „auf eine beeindruckende ehrenamtliche Vita für das regionale Handwerk zurückblicken“, erklärte Kammerpräsident Ralf Rothenburger. Für sein Engagement wurde ihm nun die Goldene Ehrennadel der Handwerkskammer Heilbronn-Franken verliehen. Seit 25 Jahren führt er als Obermeister die Bäcker-Innung Heilbronn. Zudem ist er mehr als drei Jahrzehnte Meisterbeisitzer im Gesellenprüfungsausschuss. Seit 2007 engagiert sich der Bäckermeister zudem in der Kreishandwerkerschaft Heilbronn-Öhringen – zunächst als Kassenprüfer, seit 2010 als Vorstandsmitglied und seit 2013 als stellvertretender Kreishandwerksmeister. Auch bei der Handwerkskammer übernimmt Kuhn Verantwortung. Der Vollversammlung gehört er seit 2004 als stellvertretendes und seit 2009 als ordentliches Mitglied an. Ebenfalls seit 2009 ist er Teil des Vorstands der Handwerkskammer. Darüber hinaus hat er sich viele Jahre als Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses engagiert.
Auch Jürgen Görke kann auf viele Jahre ehrenamtlichen Einsatz zurückblicken und erhielt nun die Silberne Ehrennadel der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Der Polier engagiert sich seit mehr als 20 Jahren für das regionale Handwerk. Von 2004 bis 2009 vertrat er als stellvertretendes Mitglied die Interessen der Arbeitnehmer im Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer. Seit 2009 gehört er dem Gremium als ordentliches Mitglied an. „Die Ausbildung des Handwerksnachwuchses liegt Dir besonders am Herzen“, würdigt Ralf Rothenburger Görkes Engagement. Von 2006 bis 2011 gab Görke als geprüfter Polier sein Wissen und seine Erfahrung als ordentliches Mitglied der Arbeitnehmer im Fachprüfungsausschuss für geprüfte Poliere im Hoch- und Tiefbau weiter. Für die Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken war er von 2004 bis 2009 zunächst als zweiter Stellvertreter aktiv. Seit 2009 ist er als Arbeitnehmervertreter ordentliches Mitglied des Gremiums. 2019 wurde er erstmals und 2024 erneut in den Vorstand der Kammer gewählt.
Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 13. Mai 2026