Was gehört alles zur Prüfung und welche Kosten fallen dafür an?

Mit Hammer, Holz und Hightech

Das Hämmern aus der Metallwerkstatt der Gewerblichen Schule in Tauberbischofsheim war schon von weitem zu hören. Drinnen versuchten sich gerade drei Teenager an filigraner Arbeit mit schwerem Gerät. Mithilfe eines sogenannten Treibhammers biegen sie rundliche Metallplatten in Form. Danach werden die gebogenen Platten zu einer Rose zusammengeschweißt. Den Schülern zur Seite steht Christian Menig, Obermeister der Metall-Innung Main-Tauber. Er und seine Innungskollege gehören zu den mehr als 40 Betrieben und Innungen, die sich an der „HandWerkstatt“ in der gewerblichen Schule in Tauberbischofsheim beteiligt haben. Das Veranstaltungsformat der Wirtschaftsförderung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis in Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft fand in dieser Form erstmals statt. Mehr als 1000 Schüler der umliegenden Schulen nahmen das Angebot wahr und erlebten Handwerk zum Anfassen.

Selbständig erkunden

An zahlreichen Stationen präsentierten Betriebe und Innungen die Vielfalt der Handwerksberufe – von Schornsteinfegern über Bäcker und Elektriker bis hin zu SHK-Betrieben und KFZ-Mechatronikern. Die Schüler hatten in vorher festgelegten Zeitslots die Möglichkeit die Stationen selbständig zu erkunden und mit den Handwerkern ins Gespräch zu kommen „Der direkte Kontakt ist nicht zu ersetzen. Die Schülerinnen und Schüler erleben hier, wie vielfältig und spannend das Handwerk ist, denn es bietet eine enorme Bandbreite an Aufgabenfeldern in Kombination mit dem Einsatz moderner Technologien“, betonte Timo Szabo, Kreishandwerksmeister für den Main-Tauber-Kreis.

Suche nach Nachwuchs

Der direkte Kontakt zu den jungen Leuten ist auch Obermeister Christian Mening wichtig. „Wir wollen unseren Beruf vorstellen und zeigen, was mit Metall alles möglich ist.“ Wie viele andere Berufsgruppen sind auch die Metallbauer auf Nachwuchssuche: „Wir hoffen natürlich, dass wir hier das ein oder andere Talent entdecken können.“ Darauf hoffen auch die Schreiner, die im Nebengebäude gleich in mehreren Räumen ihr Handwerk vorstellen. „Wir wollen die Schüler für unseren Beruf sensibilisieren und das Handwerk in den Vordergrund stellen“, sagt Jochen Haag, Obermeister der Schreiner-Innung Main-Tauber Kreis.  Die Schüler können hier aber nicht nur klassische Werkzeuge zur Holzbearbeitung testen, sondern auch echte Hightech-Geräte wie eine computergesteuerte Oberfräse, mit der zuvor von einem Laser ausgeschnittene Holz-Kleeblätter mit dem eigenen Namen versehen werden können.

Im Raum nebenan sind immer wieder ohrenbetaübende Schläge zu hören. Hier verbreiteten die Zimmerer Jahrmarktstimmung, die ihre eigene Version vom Kirmes-Klassiker „Hau den Lukas“ mitgebracht hatten. Im Obergeschoss ging es weniger laut zu. Dort präsentierte die Frisör-Innung ihr Handwerk und zog in erster Linie weibliche Besucherinnen an. Die Frisörinnen zeigten den Schülerinnen, dass ein Glätteisen – anders als der Name zunächst vermuten lässt – tatsächlich auch zum Herstellen von Locken verwendet werden kann. Produktempfehlungen und Stylingtipps hatten die Profis auch im Gepäck.

Positives Fazit

Die beteiligten Innungen und Betriebe zogen ein überaus positives Fazit der Veranstaltung: „Der Handwerkstag ist eine wertvolle Plattform, um Nachwuchs zu gewinnen und frühzeitig das Interesse für eine Ausbildung zu wecken. So geht praxisnahe Berufsorientierung“, fasst Kreishandwerksmeister Timo Szabo seine Eindrücke zusammen.

Auch Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer, zeigte sich begeistert von der Premiere der Handwerkstatt und hofft, dass sich im Kammerbezirk Nachahmer finden. „Mein Ziel ist es, dass wir so eine Veranstaltung nicht nur im Main-Tauber-Kreis, sondern auch in unseren weiteren Landkreisen und im Stadtkreis Heilbronn auf die Beine stellen“, sagte Rothenburger bei der jüngsten Sitzung der Vollversammlung der Handwerkskammer.

Abendempfang mit Impulsvortrag

Im Anschluss an die Handwerkstatt fand ein Abendempfang statt, bei dem Handwerksbetriebe sowie Vertreter der Handwerkskammer, aus Politik und öffentlichen Institutionen in den Dialog traten. Dabei wurde einmal mehr die Bedeutung des Handwerks für die regionale Wirtschaft und Gesellschaft hervorgehoben. Ein besonderes Highlight war der Impulsvortrag von Steinmetzin Luisa Lüttig, Miss Handwerk 2022.