
Nach einem außergewöhnlich schwachen Jahresbeginn verharrt die Handwerkskonjunktur in der Region Heilbronn-Franken auch im zweiten Quartal 2026 auf einem sehr schwachen Niveau. Die Geschäftslage wurde in einem zweiten Quartal zuletzt vor 21 Jahren schlechter bewertet. Die aktuell angespannte und unsichere Lage führt dazu, dass sich die regionalen Handwerksbetriebe bei Neueinstellungen und Investitionsvorhaben zurückhalten.
Einstelliger Geschäftslagesaldo
Nur 34 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“. Dieser Wert liegt 22 Prozentpunkte unter dem des Vorjahresquartals (Q2/2025). Der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als „schlecht“ bezeichnen, ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um 16 Prozentpunkte von 12 auf 28 Prozent gestiegen. 37 Prozent der Betriebe stufen ihre Geschäftslage derzeit als „befriedigend“ ein (Q2/2025: 32 Prozent). Damit liegt der Geschäftslagesaldo bei 6 Prozentpunkten. Ein niedrigerer Wert wurde in einem zweiten Quartal zuletzt im Jahr 2005 verzeichnet.
Wie im Vorjahr erwarten lediglich 17 Prozent der Betriebe im kommenden Quartal eine Verbesserung der Situation. Der Anteil der Betriebe, die eine Verschlechterung prognostizieren, ist hingegen von 19 auf 27 Prozent gestiegen. 56 Prozent rechnen mit einer unveränderten Geschäftslage (Q2/2025: 64 Prozent). Daraus ergibt sich ein negativer Saldo der Geschäftslageerwartungen von -10 Prozentpunkten (Q2/2025: -2 Prozentpunkte).
Dringend notwendige Reformen und Entlastungen zugunsten der Handwerksbetriebe werden bedauerlicherweise weiterhin nicht umgesetzt.
Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Besorgniserregende Auftrags- und Umsatzlage
Die negative Entwicklung spiegelt sich auch in den stark rückläufigen Auftragseingängen wider: 42 Prozent der Betriebe berichten von gesunkenen (Q2/2025: 23 Prozent), 39 Prozent von unveränderten (Q2/2025: 53 Prozent) und lediglich 19 Prozent von gestiegenen (Q2/2025: 24 Prozent) Auftragseingängen im zweiten Quartal 2026. Der Auftragslagesaldo liegt bei -23 Prozentpunkten. Für das kommende Quartal erwarten 17 Prozent der Betriebe steigende, 48 Prozent gleichbleibende und 35 Prozent sinkende Auftragseingänge.
Auch die Umsätze sind schwach: Zuletzt mussten 42 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Rückgänge hinnehmen (Q2/2025: 27 Prozent). Lediglich 14 Prozent konnten ihre Umsätze im abgelaufenen Quartal steigern (Q2/2025: 23 Prozent), während sie bei 45 Prozent unverändert blieben (Q2/2025: 50 Prozent). Für das kommende Quartal erwarten 20 Prozent der Betriebe eine Umsatzsteigerung, während 36 Prozent mit Umsatzrückgängen rechnen. 45 Prozent gehen von einer stabilen Umsatzentwicklung aus.
Schwache Auslastung bremst Beschäftigung und Investitionen
Mit 25 Prozent berichtet jeder vierte Betrieb von einer Betriebsauslastung von höchstens 60 Prozent (Q2/2025: 24 Prozent). Eine Auslastung zwischen 61 und 80 Prozent melden aktuell 36 Prozent der Betriebe (Q2/2025: 32 Prozent), während 32 Prozent eine Auslastung zwischen 81 und 100 Prozent angeben (Q2/2025: 27 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist der Anteil der Handwerksbetriebe, die eine Auslastung von mehr als 100 Prozent angeben, von 18 auf 7 Prozent gesunken.
Die Zahl der Beschäftigten blieb im abgelaufenen Quartal bei 73 Prozent der Betriebe konstant (Q2/2025: 80 Prozent). Bei 9 Prozent ist sie gestiegen (Q2/2025: 5 Prozent) und bei 18 Prozent gesunken (Q2/2025: 15 Prozent). Der Beschäftigungssaldo liegt damit bei -9 Prozentpunkten (Q2/2025: -10 Prozentpunkte). Für das dritte Quartal 2026 rechnen 80 Prozent der Betriebe mit einer stabilen, 8 Prozent mit einer steigenden und 13 Prozent mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl.
Mit 35 Prozent hat mehr als jeder dritte Handwerksbetrieb seine Investitionstätigkeit im abgelaufenen Quartal zurückgefahren (Q2/2025: 12 Prozent). 16 Prozent der Betriebe haben ihre Investitionen erhöht (Q2/2025: 9 Prozent), bei 49 Prozent blieben die Investitionen konstant (Q2/2025: 79 Prozent). Für das kommende Quartal planen 13 Prozent höhere und 46 Prozent niedrigere Investitionen, während 41 Prozent mit gleichbleibenden Investitionen rechnen.
Die Bundesregierung muss endlich ins Machen kommen und verlässliche Rahmenbedingungen für das Handwerk schaffen – es braucht jetzt einen kräftigen Hau-Ruck-Moment!“
Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Kammerspitze sehnt Hau-Ruck-Moment herbei
Für Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, war die anhaltend schlechte konjunkturelle Lage absehbar: „Es überrascht überhaupt nicht, dass die Konjunktur weiterhin keine Fahrt aufnimmt. Dringend notwendige Reformen und Entlastungen zugunsten der Handwerksbetriebe werden bedauerlicherweise weiterhin nicht umgesetzt. Die jüngsten Gespräche mit Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhabern aus unserem Kammerbezirk haben erneut gezeigt, was der größte Hemmschuh ist: die überbordende Bürokratie.“
Auch Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, ist das Thema Bürokratie ein Dorn im Auge. Der Elektroinstallateurmeister bringt es auf den Punkt: „Handwerkerinnen und Handwerker möchten ihrer Leidenschaft nachgehen und sich dabei nicht ausbremsen lassen. Wir können nur erneut eindringlich darauf hinweisen, dass es höchste Zeit ist, die vielen unsäglichen Berichtspflichten auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Bundesregierung muss endlich ins Machen kommen und verlässliche Rahmenbedingungen für das Handwerk schaffen – es braucht jetzt einen kräftigen Hau-Ruck-Moment!“
Zur Konjunkturumfrage
Vierteljährlich werden Handwerksbetriebe der acht baden-württembergischen Handwerkskammern Freiburg, Heilbronn-Franken, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, Region Stuttgart, Reutlingen und Ulm zur wirtschaftlichen Lage befragt. Die Erhebung erfolgt im Regelfall in den letzten beiden Wochen eines Quartals. Seit Anfang 2026 werden die Erhebungen als Online-Befragung durchgeführt. Zuvor erfolgte die Umfrage telefonisch. Die aktuelle Umfrage fand vom 8. bis zum 21. Juni 2026 statt.
Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 2. Juli 2026