Unterwegs als Wandergeselle Zimmerer kehrt von der Walz zurück

Die Tradition der Walz reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück: Robin Zimmermann aus dem Main-Tauber-Kreis ist ihr gefolgt und berichtet nun von seiner fast fünfjährigen Wanderschaft.

Zimmerer kehren von der Walz zurück

Für den Zimmerer Robin Zimmermann aus Uiffingen im Main-Tauber-Kreis endete im April die spannende Reise, die er fast fünf Jahre zuvor angetreten hatte. Den heute 27-Jährigen zog es damals als Wandergeselle in die Ferne. Nun ist er wieder zurückgekehrt.

Jahrhunderte alte Tradition

Im sogenannten „Spinnermarsch“ (in Schlangenlinien) näherte sich der „Heimkehrer“ in Begleitung von zirka 25 Mitgliedern der Wanderbruderschaft Rolandschacht seinem Heimatort. Am Ortseingang warteten zahlreiche Freunde, Verwandte und Bekannte, um ihm einen herzlichen Empfang zu bereiten. Dem alten Brauch folgend, kletterte Zimmermann zuvor über das Ortsschild von Uiffingen.

Die Tradition der Walz gibt es seit dem 12. Jahrhundert. Heute geht nur noch eine geringe Zahl von Handwerkern auf Wanderschaft. Die Tradition wird jedoch weiterhin hochgehalten und ist auch für Frauen möglich.

Strenge Regeln

Die Regeln der Walz sind streng und dulden keine Ausnahme. Wandergesellen müssen für mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs sein. Außerdem müssen sie ledig, kinderlos, schuldenfrei und unter 30 Jahre alt sein.

Es ist üblich, in dieser Zeit weder ein Auto noch ein eigenes Handy zu nutzen, um die Abkapselung und Konzentration auf die Reise zu fördern. Traditionell sind die Wandergesellen Teil einer Gemeinschaft, oft organisiert in sogenannten Schächten.

Ihre Kluft besteht aus Schlaghose, Weste, Hemd und Hut. Einzige Reiseutensilien sind der Stock (Stenz) und das spärliche, in ein Tuch gebundene Handgepäck (Charlottenburger).

Die Reise erfolgt meist per Anhalter oder zu Fuß. Sie arbeiten bei verschiedenen Arbeitgebern, um neue Fähigkeiten zu erlernen. Wie ein Wandergeselle auf der Walz immer wieder Arbeit und Schlafplätze sucht und findet, diese Tipps werden bei den Treffen der Gesellen ausgetauscht.

Tolle Gemeinschaft

Als junger Geselle besuchte Robin Zimmermann regelmäßig die Treffen der Wandergesellenvereinigung Rolandschacht in Stuttgart. Im Sommer 2021 stand für ihn fest, dass auch er auf die Walz gehen möchte. Ein Geselle, der selbst gerade auf Wanderschaft war, war bereit, ihn trotz Coronazeit in die Gebräuche und Sitten einzuführen. Am 4. September 2021 war es für Zimmermann so weit: Er bekam mit einem Nagel einen Ohrring verpasst und kletterte über das Uiffinger Ortsschild. Ordentlicher Wandergeselle wurde er aber erst nach der „Probezeit“. Anschließend wurde ihm die blaue „Ehrbarkeit“ des Rolandschachts – eine dünne Krawatte – verliehen. In der ganzen Zeit seiner Wanderschaft durfte er seinem Heimatort – und damit auch seiner Familie und seinen Freunden – nicht näher als 60 Kilometer kommen.

Spannende Baustellen

Seine Reise führte Zimmermann in die meisten Länder Europas sowie in die USA und nach Asien. Die anfallenden Arbeiten waren dabei sehr unterschiedlich, wie Zimmermann berichtet. So stand in Norddeutschland die Restaurierung einer Windmühle an. In Zürich arbeitete er am Dachstuhl eines Jahrhunderte alten Haus in der Altstadt und in Graubünden musste ein ganzes Haus versetzt werden, weil die schweizerische Bahn den Platz für ein weiteres Gleis brauchte. Die Wanderschaft in der Gesellenzeit ist eine Art „Bildungsreise“, die aber weit über die reine Arbeitserfahrung hinausgeht.

In andere Kulturen eingetaucht

Gerne erinnert sich Robin Zimmermann an seinen Aufenthalt in den USA. Eine Bauherrin stellte ihm und drei weiteren Wandergesellen ein Auto zur Verfügung, mit dem sie durch mehrere Bundesstaaten fuhren und verschiedene Naturparks besuchen konnten. In Bangkok war Zimmermann Gast auf einem Empfang mit Angehörigen der Botschaften aus Deutschland und dem ostasiatischen Raum.

Neben den außergewöhnlichen Erfahrungen habe es auch herausfordernde Momente gegeben, berichtet Zimmermann. Es habe eine Weile gedauert, sich daran zu gewöhnen, keine feste Bleibe zu haben. Sich in fremden Kulturen zurecht zu finden, sei auch nicht immer einfach, dennoch sehr bereichernd gewesen, so Zimmermann.

Für die Zeit nach der Walz hat Robin Zimmermann schon konkrete Pläne. Bereits im Januar hat er mit der Meisterschule begonnen. Und sein früherer Betrieb, die Zimmerei Kraft in Schweigern, sei froh, ihn wieder als Mitarbeiter zu haben, berichtet Zimmermann.