
„Wer Inhalte nicht maschinenlesbar aufbereitet wird im Netz bald übersehen“, sagt Jan Boßler, Berater für Technik und Innovation der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Er erläutert, wie künstliche Intelligenz (KI) zunehmend zur digitalen Wegweiserin wird. Es gehe nicht mehr nur darum, bei den Google-Suchtreffern weit oben zu stehen. „Es geht vielmehr darum, wie KI-Systeme, beispielsweise ChatGPT, eine Webseite verstehen und daraus eine konkrete Antwort formulieren”, so Boßler.
Aktuelle Branchenanalysen zeigen: Bereits 2026 enden rund 70 Prozent aller Google-Suchen als sogenannte Zero-Click-Suchen. Durch KI-Funktionen wie Google AI Overviews erhalten Nutzer Antworten direkt auf der Suchergebnisseite – ohne eine Webseite aufzurufen. „Google AI Overviews sind KI-generierte Antwortfelder, die ganz oben in den Suchergebnissen erscheinen“, erklärt er.
Wie die KI auswählt
KI-basierte Suchsysteme funktionieren grundlegend anders als klassische Suchmaschinen. Nutzer fragen KI-Assistenten, wie beispielsweise Chat GPT, und deren Antworten basieren auf Inhalten, die die KI gecrawlt, verstanden und als vertrauenswürdig eingestuft hat. Auf eine Frage, wie: „Wer ist ein guter Dachdecker im Raum Heilbronn?“ wertet die KI daraufhin öffentliche Bewertungen, die Häufigkeit positiver Nennungen, regionale Relevanz und die Vertrauenswürdigkeit der Quellen aus – und spricht anschließend eine Empfehlung aus. „Die Zeiten, in denen es genügte, bei Google oben zu stehen, sind vorbei“, betont Boßler.
„Viele Betriebe glauben noch immer, dass eine einfache Webseite ausreicht. In Zukunft entscheidet aber zunehmend, ob digitale Inhalte so aufgebaut sind, dass KI-Systeme die Kompetenz eines Betriebs überhaupt erkennen können“, so der HWK-Berater. Inhalte müssten verständlich, zitierfähig und als vertrauenswürdig eingestuft werden.
Was KI bevorzugt
KI-Systeme zitieren bevorzugt Inhalte von Webseiten, die: klar strukturiert sind (Überschriften als H1/H2/H3, kurze Absätze), prägnante Einleitungen enthalten, konkrete Zahlen, Beispiele und Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) bieten.
Wichtig sei zudem eine starke lokale Autorität – etwa durch Einträge in Branchenverzeichnissen, Innungslisten. Auch gepflegte Bewertungen und ein vollständiges Google-Business-Profil erhöhen die Sichtbarkeit. Presseberichte und aktuelle Referenzen würden auch als starke Vertrauenssignale gelten.
Referenzen statt Werbung
Ein zentraler Punkt: KI erkennt Werbung – und ignoriert sie weitgehend. Statt Marketingfloskeln zählen echte Kompetenznachweise wie Projektbeispiele, Vorher-Nachher-Fotos, Erfahrungsberichte, Zertifikate oder verständliche Erklär-Texte. „All das erhöht die Chance, dass die künstliche Intelligenz Inhalte als Beleg für Expertise nutzt“, sagt Boßler.
Wer online nicht sichtbar sei, riskiere künftig, nicht nur bei Google schlechter gefunden zu werden, sondern auch in KI-Empfehlungen gar nicht mehr aufzutauchen. Sichtbar werde, wer echte Expertise zeigt und diese digital belegt.
Wer professionell wahrgenommen werden möchte, sollte auch seine digitalen Kanäle professionell aufstellen.
Jan Boßler, Berater für Technik und Innovation der Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Konsistente Digitalstrategie
Eine durchgängige Digitalstrategie zahlt sich nicht nur für die KI-Sichtbarkeit aus, sondern auch für die Kundengewinnung. „Wer professionell wahrgenommen werden möchte, sollte auch seine digitalen Kanäle professionell aufstellen – sei es eine moderne Webseite oder ein Instagram-Account“, so Boßler. Je nach Kapazität könne sich die Zusammenarbeit mit einer Marketingagentur lohnen. KI-basierte Suchen werden die digitale Sichtbarkeit von Handwerksbetrieben weiter prägen. Wer seine Inhalte konsequent an Kundenfragen ausrichtet, Referenzen aktuell hält und digitale Vertrauenssignale stärkt, erhöht seine Chancen, von KI-Systemen als verlässliche Adresse empfohlen zu werden.
Website-Maßnahmen für mehr KI-Sichtbarkeit
- Leistungen des Betriebs klar aufführen.
- Konkrete Projekte oder Referenzen zeigen.
- Aktuelle Kundenbewertungen einbinden.
- Fachthemen verständlich erklären, beispielsweise in einem FAQ.
- Sichtbarkeit auf Plattformen wie Google Maps (Business-Profil) oder Social Media herstellen.
Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 22. September 2026