So gelingt der Ausbildungsstart „Kommunikation ist das A und O!“

Bevor zahlreiche Nachwuchskräfte in der Region am kommenden Dienstag ihre handwerkliche Ausbildung beginnen, gibt Ausbildungsberaterin Annabel Gil Handwerksbetrieben praxisnahe Tipps für einen erfolgreichen Ausbildungsstart.

In einer Werkstatt stehen zwei Schreinerinnen und halten gemeinsam ein Brett in den Händen.
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„Worauf müssen wir beim Ausbildungsstart achten?“ wird in den kommenden Tagen eine der meistgestellten Fragen in Ausbildungsbetrieben sein. Wenn es nach Annabel Gil, Ausbildungsberaterin bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, geht, ist die Antwort klar: „Die meisten Anfragen, mit denen Betriebe und Auszubildende auf mich zukommen, drehen sich um das Thema Kommunikation. Daher gilt: Kommunikation ist das A und O!“ Dabei gehe es vor allem um die unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Betrieben und Auszubildenden.

Mit dem Satz ‚Lehrjahre sind keine Herrenjahre‘ kommt man heutzutage nicht mehr weit.

Annabel Gil, Ausbildungsberaterin bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken

Wertschätzung und Orientierung als Schlüssel

Gil empfiehlt Ausbildungsbetrieben, mit einem neuen Auszubildenden direkt zu Beginn über Regeln und Pflichten sowie Werte und Erwartungen zu sprechen. „Das fängt bei banalen Dingen wie der Ansprache untereinander – ob ‚du‘ oder ‚Sie‘ – an und geht über interne Abläufe, beispielsweise wie man sich im Krankheitsfall abmeldet, bis hin zu einem bereits im Vorfeld festgelegten Ausbildungsplan.“ Wichtig sei, dass Auszubildende von Beginn an Wertschätzung und Orientierung bekämen und sich abgeholt fühlten. Schließlich erwarte sie ein völlig neues Umfeld, an das sie sich erst gewöhnen müssten.

Gerade in den ersten Tagen sei es entscheidend, Ausbildungsanfängern die Integration in den Betrieb so einfach wie möglich zu gestalten – beispielsweise durch einen Betriebsrundgang, die Vorstellung der neuen Kollegen oder die Organisation eines Teambuilding-Events direkt in der ersten Arbeitswoche. Um darüber hinaus einen nachhaltigen Ausbildungserfolg zu gewährleisten, sollten auf das Auftaktgespräch zu Beginn der Ausbildung außerdem regelmäßige Feedbackgespräche folgen. „Die zentralen Ergebnisse und Ziele sollten schriftlich festgehalten werden, damit sich beide Seiten daran messen lassen können. Das schafft einerseits Transparenz und stellt andererseits sicher, dass nichts in Vergessenheit gerät“, erklärt Gil.

Ein entscheidender Punkt sei zudem, dass die Kommunikation nicht einseitig verläuft. „Mit dem Satz ‚Lehrjahre sind keine Herrenjahre‘ kommt man heutzutage nicht mehr weit. Viel wichtiger ist es, den Auszubildenden zu signalisieren, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und sie jederzeit Fragen stellen können. Es braucht eine positive Arbeitsatmosphäre, damit die jungen Menschen ihre Fähigkeiten einbringen und ihren Ausbildungsberuf erlernen können“, sagt Gil. Die 54-Jährige empfiehlt Betrieben außerdem, neben dem Ausbilder einen festen Ansprechpartner als Pate zu benennen. Hierfür komme beispielsweise ein anderer Auszubildender aus einem höheren Ausbildungsjahrgang infrage.

Gegen Schwächen muss man gezielt vorgehen und darf nicht warten, bis es in einer Prüfung nicht klappt.

Annabel Gil, Ausbildungsberaterin bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken

Wie sich Ausbildungsabbrüche vermeiden lassen

Zum Jahresende 2025 gab es im Kammerbezirk insgesamt 4.023 Auszubildende im Handwerk. Laut dem aktuellen Berufsbildungsbericht der Handwerkskammer Heilbronn-Franken lag die Quote der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge bei 11,0 Prozent. Annabel Gil ordnet ein, weshalb es dazu kommt: „Ausbildungsabbrüche lassen sich bereits ab dem Vorstellungsgespräch vermeiden. Wenn Auszubildende mit falschen Erwartungen oder einem schlechten ersten Eindruck vom Betrieb in ihre Ausbildung starten, geht es häufig schief.“

Oftmals würden Probleme auch erst im Laufe der Ausbildung auftreten. „Wenn Schwierigkeiten nicht frühzeitig erkannt werden und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, ist es in einigen Fällen bereits zu spät“, warnt die Ausbildungsberaterin. „Gegen Schwächen muss man gezielt vorgehen und darf nicht warten, bis es in einer Prüfung nicht klappt. Zudem hängen Ausbildungsabbrüche auch mit Über- oder Unterforderung zusammen. Ausbilder sollten bei Alarmsignalen wie häufigen Verspätungen oder Ausfällen das direkte Gespräch mit dem Auszubildenden suchen.“ Falls dies nicht zum Erfolg führt, empfehle es sich, mit der Berufsschule oder bei Minderjährigen mit den Erziehungsberechtigten in Kontakt zu treten.

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, sei es für Ausbildungsanfänger wichtig, mit vielen positiven Gefühlen in die Ausbildung zu starten. „Wenn sich die Auszubildenden von Anfang an wertgeschätzt und gebraucht fühlen, identifizieren sie sich nicht nur mit ihrem Ausbildungsbetrieb, sondern liefern auch bessere Arbeitsergebnisse ab“, ist sich Annabel Gil sicher. Dies seien die besten Voraussetzungen, damit nicht nur der Ausbildungsstart, sondern die gesamte Ausbildung ein voller Erfolg werde.

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 26. August 2026