
Steffen Würtz (links) aus Brackenheim-Haberschlacht betreibt seit über 20 Jahren eine Sattlerei. In seiner Werkstatt fertigt er individuelle Produkte für Reiter und ihre Pferde: Zaumzeug, Sättel und Chaps – das sind Lederüberzieher für die Beine des Reiters.
Um über die aktuellen Trends in seiner Branche informiert zu bleiben, hat er die amerikanische Fachzeitschrift Leather Crafter’s Journal abonniert. In dem Magazin las er immer wieder Berichte über Messen, die der Verlag der Zeitschrift veranstaltet. Eine findet jährlich in den Niederlanden statt, drei weitere in den USA. „Da ich meine Fähigkeiten immer weiter verbessern möchte, war ich schon mehrfach bei der Messe in den Niederlanden und habe an Workshops teilgenommen“, berichtet Würtz.
Weltmeisterschaft der Sattler
Die bedeutendste Messe, bei der sich die Stars der Branche treffen, sei aber die Rocky Mountain Leather Trade Show in Sheridan in den USA, erzählt Würtz. „Dort wollte ich unbedingt hin. 2024 habe ich mir diesen Traum zum ersten Mal erfüllt.“ Für zwei Wochen reiste er in die USA, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Ihn reizte dabei nicht nur der Austausch mit Kollegen, sondern auch der parallel stattfindende Lederwettbewerb. In 14 Kategorien werden jedes Jahr insgesamt rund 150 Stücke eingereicht. „Das Niveau ist wahnsinnig hoch. Der Wettbewerb gilt als inoffizielle Weltmeisterschaft der Sattler“, erklärt Würtz. Er reichte beim World Leather Debut Sporenriemen ein, mit denen er es auf Anhieb auf Platz drei schaffte.
Durch Feedback besser werden
Wichtiger als die Platzierung sei ihm aber die Rückmeldung der Jury. „Jeder Teilnehmer erhält zu seinem eingereichten Stück einen ausführlichen Bewertungsbogen. So weiß man genau, was der Jury gut gefallen hat und wo man sich noch verbessern kann.“ Auch im persönlichen Gespräch mit den Richtern erhalte man wertvolle Tipps.
Im Jahr darauf nahm Würtz erneut am Wettbewerb teil, reiste jedoch nicht selbst in die USA, weil er mit den Vorbereitungen auf eine Messe in Deutschland beschäftigt war. „Dieses Jahr wollte ich unbedingt wieder vor Ort sein“, so Würtz. Zum Wettbewerb im Mai nahm er diesmal Tapaderos mit, an denen er 30 Stunden lang in seiner Werkstatt gearbeitet hatte. Die Lederhauben an der Vorderseite von Steigbügeln verhindern, dass die Füße des Reiters durch die Steigbügel rutschen, und sie schützen vor Nässe oder Dornen. Nur knapp hat Würtz dieses Jahr das Siegertreppchen verpasst. Allerdings wurde ihm eine andere Ehre zu teil.
Eigener Workshop
Würtz durfte selbst einen Workshop anbieten. „Als Europäer ist man auf der Messe eher ein Exot. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass alle Plätze schon nach kurzer Zeit vergeben waren.“ Die Teilnehmer fertigten unter seiner Anleitung eine Trense an.
Cowboys bei der Arbeit erleben
Neben dem fachlichen Input war auch seine Unterbringung etwas Besonderes für ihn. Über einen Kollegen sei der Kontakt zu einer Familie zustande gekommen, die selbst eine Sattlerei betreibe. Die Familie habe ihn nicht nur warmherzig empfangen, sondern auch den Besuch einer Ranch ermöglicht. „Dort werden Angus-Rinder gehalten, die von echten Cowboys gehütet werden. Mein Zaumzeug und meine Western-Sättel kommen nur bei der Freizeitreiterei zum Einsatz. Cowboys und ihre Pferde damit bei der Arbeit zu erleben, gehört zu den Highlights meiner Reise“, erinnert sich Würtz.
Steffen Würtz ist selbst begeisterter Western-Reiter, genauso wie seine Frau und zwei seiner Söhne. Die Familie besitzt drei eigene Pferde.