
Die Handwerkskonjunktur in der Region Heilbronn-Franken bleibt angespannt, denn in einem dritten Quartal wurde die Geschäftslage zuletzt während der Finanzkrise 2009 schlechter bewertet. Die drängendsten Probleme der Handwerksbetriebe bleiben nach wie vor niedrige Kapazitätsauslastungen, fehlende Aufträge, anhaltender Margendruck und Bürokratie. Vor diesem Hintergrund fällt auch die Prognose für das vierte Quartal pessimistisch aus.
30 Prozent erwarten weitere Verschlechterung
Lediglich 43 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“. Dieser Wert liegt 11 Prozentpunkte unter dem des Vorjahresquartals (Q3/2025). Gleichzeitig ist der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als „schlecht“ bezeichnen, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7 Prozentpunkte von 13 auf 20 Prozent gestiegen. 38 Prozent der Betriebe stufen ihre Geschäftslage derzeit als „befriedigend“ ein (Q3/2025: 33 Prozent). Damit liegt der Geschäftslagesaldo bei 23 Prozentpunkten. Ein niedrigerer Wert wurde in einem dritten Quartal zuletzt während der Finanzkrise 2009 erfasst.
Auch der Ausblick auf das kommende Quartal deutet nicht auf eine Trendwende hin: Nur 18 Prozent der Betriebe rechnen mit einer verbesserten Geschäftslage (Q3/2025: 16 Prozent). Der Anteil der Betriebe, die eine Verschlechterung erwarten, ist hingegen von 13 auf 30 Prozent deutlich gestiegen. 52 Prozent prognostizieren eine unveränderte Geschäftslage (Q3/2025: 71 Prozent). Daraus resultiert ein negativer Saldo der Geschäftslageerwartungen von −13 Prozentpunkten (Q3/2025: 3 Prozentpunkte).
Zum vierten Mal in Folge sinkende Beschäftigung – und das trotz anhaltendem Fachkräftemangel – sind ein klares Alarmsignal.
Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Auftragseingänge und Umsätze rückläufig
Im Vergleich zum Vorjahresquartal sind die Auftragseingänge bei 18 Prozent der Betriebe gestiegen (Q3/2025: 8 Prozent), bei 43 Prozent unverändert geblieben (Q3/2025: 60 Prozent) und bei 39 Prozent gesunken (Q3/2025: 32 Prozent). Daraus ergibt sich ein weiterhin negativer Auftragslagesaldo von −21 Prozentpunkten. Für das kommende Quartal erwarten 20 Prozent der Betriebe steigende, 47 Prozent gleichbleibende und 32 Prozent sinkende Auftragseingänge.
Auch die Umsätze bestätigen den anhaltenden Negativlauf: 37 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk hatten zuletzt Umsatzrückgänge zu verzeichnen (Q3/2025: 26 Prozent). 17 Prozent konnten ihre Umsätze im abgelaufenen Quartal hingegen steigern (Q3/2025: 13 Prozent). Bei 46 Prozent blieben die Umsätze konstant (Q3/2025: 62 Prozent). Für das kommende Quartal erwarten 25 Prozent der Betriebe eine Umsatzsteigerung, während 33 Prozent mit Umsatzrückgängen rechnen. 42 Prozent gehen von einer stabilen Umsatzentwicklung aus.
Beschäftigungsentwicklung bleibt negativ
Die Betriebsauslastung stagniert weiterhin auf einem niedrigen Niveau und hat sich im Vergleich zum Vorjahresquartal kaum verändert. Mit 25 Prozent berichtet jeder vierte Betrieb von einer Auslastung von höchstens 60 Prozent (Q3/2025: 27 Prozent). Eine Auslastung zwischen 61 und 80 Prozent melden aktuell 31 Prozent der Betriebe (Q3/2025: 27 Prozent), während 33 Prozent eine Auslastung zwischen 81 und 100 Prozent angeben (Q3/2025: 37 Prozent). 10 Prozent der Betriebe verzeichnen eine Auslastung von mehr als 100 Prozent (Q3/2025: 9 Prozent).
Die Zahl der Beschäftigten blieb im abgelaufenen Quartal bei 72 Prozent der Betriebe konstant (Q3/2025: 73 Prozent). Bei 8 Prozent ist sie gestiegen (Q3/2025: 15 Prozent) und bei 21 Prozent gesunken (Q3/2025: 12 Prozent). Somit verharrt die Beschäftigungsentwicklung mit einem Saldo von −13 Punkten zum vierten Mal in Folge im negativen Bereich (Q3/2025: 3 Prozentpunkte). Für das vierte Quartal 2026 rechnen 77 Prozent der Betriebe mit einer stabilen, 8 Prozent mit einer steigenden und 15 Prozent mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl.
28 Prozent der Handwerksbetriebe haben ihre Investitionstätigkeit im abgelaufenen Quartal zurückgefahren (Q3/2025: 14 Prozent). Dagegen haben 17 Prozent der Betriebe ihre Investitionen erhöht (Q3/2025: 10 Prozent). Bei 55 Prozent der Betriebe blieben die Investitionen konstant (Q3/2025: 76 Prozent). Für das kommende Quartal planen 17 Prozent höhere und 34 Prozent niedrigere Investitionen, während 49 Prozent mit gleichbleibenden Investitionen rechnen.
Unter den aktuellen Voraussetzungen ist ein konjunktureller Aufschwung für das Handwerk nicht möglich.
Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Rothenburger warnt vor erneutem „Herbst der Ernüchterung“
Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, ordnet die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage ein: „Es war leider zu erwarten, dass sich die schwachen Umfragewerte auch in diesem Quartal fortsetzen würden. Zu den altbekannten Themen wie den ausbleibenden politischen Reformen und der überbordenden Bürokratie sind in den vergangenen Wochen noch die steigenden Kraftstoffkosten hinzugekommen. Diese belasten sowohl unsere Handwerksbetriebe als auch private Haushalte zusätzlich. Unter den aktuellen Voraussetzungen ist ein konjunktureller Aufschwung für das Handwerk nicht möglich.“
Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, richtet daher klare Forderungen an die Politik: „Zum vierten Mal in Folge sinkende Beschäftigung – und das trotz anhaltendem Fachkräftemangel – sind ein klares Alarmsignal. Unsere Handwerksbetriebe benötigen eine Perspektive. Deshalb gilt es, versprochene Reformen umzusetzen und die Lohnnebenkosten auf unter 40 Prozent zu senken. Die Bundesregierung darf nicht weiter tatenlos zusehen. Sonst droht der nächste Herbst der Ernüchterung. Es braucht nun schleunigst Reformen und Perspektiven – für das Handwerk und für unser Land!“
Zur Konjunkturumfrage
Vierteljährlich werden Handwerksbetriebe der acht baden-württembergischen Handwerkskammern Freiburg, Heilbronn-Franken, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, Region Stuttgart, Reutlingen und Ulm zur wirtschaftlichen Lage befragt. Die Erhebung erfolgt im Regelfall in den letzten beiden Wochen eines Quartals. Seit Anfang 2026 werden die Erhebungen als Online-Befragung durchgeführt. Zuvor erfolgte die Umfrage telefonisch. Die aktuelle Umfrage fand vom 7. bis 20. September 2026 statt.
Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 1. Oktober 2026