Meisterfeier 2026: Meisterpreis Wo andere aufgeben, fängt sie erst an

Schreiner-Meisterin Johanna Haas aus Ellwangen-Erpfental lässt sich von Rückschlägen nicht beirren und verfolgt ihre beruflichen Ziele mit großem Durchhaltevermögen. Als Prüfungsbeste aller Jungmeisterinnen und Jungmeister des Abschlussjahrgangs 2025/2026 erhielt sie im Rahmen der Meisterfeier der Handwerkskammer Heilbronn-Franken den mit 2.500 Euro dotierten Meisterpreis der Signal Iduna.

Bei einer Ehrung mit Scheckübergabe stehen vier Personen nebeneinander auf der Bühne.
Silke Koska/Foto Haass

Eigentlich wollte Johanna Haas Architektin werden. Doch je näher das Abitur rückte, desto klarer wurde ihr, dass sie erst einmal eine Ausbildung machen möchte, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Als sie sich schließlich entschloss, Schreinerin zu werden, folgte zunächst die Ernüchterung: Sie schrieb vier Bewerbungen, erhielt jedoch dreimal keine Rückmeldung und eine Absage. Die fünfte Bewerbung war schließlich ein Volltreffer – und ihr Eintrittstor ins Handwerk.

Die Hobelbank als hohe Hürde

„Für mich war es super, dass ich meine Ausbildung in einer kleinen Schreinerei machen konnte. Dadurch habe ich alles von der Pike auf gelernt“, sagt Johanna Haas rückblickend. Ihr erstes Lehrjahr war jedoch sehr herausfordernd: „Mit 1,59 Meter Körpergröße bin ich eine eher zierliche Person. Am Anfang war die Hobelbank nicht nur zu groß für mich, es sind auch keine Späne gefallen“, erinnert sich die heute 25-Jährige mit einem Lächeln. Doch mit der Zeit kam Haas immer besser zurecht. Auch dank vieler Übungsstunden auf dem heimischen Hof. Schritt für Schritt machte sie sichtbare Fortschritte und eignete sich Technik, Kraft und Geschick an.

Gegen Ende ihrer Ausbildung stand Johanna Haas plötzlich im Rampenlicht: Im Jahr 2023 nahm sie am Gestaltungswettbewerb „Die Gute Form“ teil. Mit ihrem Gesellenstück – einem kleinen Beistelltisch aus hellem, gebleichtem Ahornholz mit Messingdetails an Füßen und Griff – gewann sie auf Innungs-, Landes- und Bundesebene jeweils den ersten Platz. Damit setzte sie sich gegen die Konkurrenz aus ganz Deutschland durch. „Ich war schon überglücklich, dass ich es bis in die Finalrunde geschafft habe. Dass ich am Ende sogar gewonnen habe, ist etwas ganz Besonderes“, erzählt sie voller Stolz.

Ich liebe es einfach, kreative Ideen in funktionale Formen zu übersetzen und Möbel schöner und lebenswerter zu machen.

Schreiner-Meisterin Johanna Haas

Der nächste Schritt: Selbstständigkeit

Johanna Haas verdankt ihren Erfolg nicht nur ihrem Talent und ihrer Beharrlichkeit, sondern auch ihren Eltern, ihren drei Geschwistern und ihrem Partner: „Sie haben mir immer gesagt: ‚Mach’s einfach! Zieh’s durch!‘“ Gesagt, getan – auch bei der Weiterbildung zur Meisterin, die sie als Jahrgangsbeste abschloss. Ab Herbst wagt Haas nun den nächsten Schritt und macht sich selbstständig. „Ich habe die Werkstatt im landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern ausgebaut und kann es kaum erwarten, endlich loszulegen. Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen bewusster Möbel kaufen und länger nutzen. Hochwertige Generationsmöbel und nachhaltige Lösungen sind mein langfristiges Ziel“, gibt sie einen Einblick in ihre Zukunftspläne.

Ihre Entscheidung, Schreinerin zu werden, hat Johanna Haas zu keiner Zeit bereut: „Ich liebe es einfach, kreative Ideen in funktionale Formen zu übersetzen und Möbel schöner und lebenswerter zu machen. Das ist genau das, was ich in meinem Leben machen möchte.“ Mit ihrer Leidenschaft für ihren Beruf möchte Haas auch junge Frauen dafür begeistern, den Weg ins Handwerk zu gehen: „Natürlich ist man als Frau in der Regel die Exotin auf der Baustelle. Aber wenn man gut ist, bekommt man umso mehr Anerkennung.“ Ihr Credo lautet daher: „Man kann als Frau alles schaffen. Man muss sich einfach trauen – das Glück ist mit den Mutigen!“

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 8. Juli 2026