
Selina Beck ist im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geschmack gekommen: Sie ist von Wein als Produkt begeistert – sowohl von der Verkostung als auch von den vielen Facetten rund um den Herstellungsprozess. „Ich wollte ohnehin schon immer draußen arbeiten und habe mich nach dem Abitur aufgrund meiner Leidenschaft für guten Wein dazu entschieden, die Ausbildung zur Winzerin zu machen. Ich hatte einfach große Lust darauf!“, sagt die 27-Jährige.
Geduld als Schlüsselkompetenz
Becks Motto lautet: „Manche Dinge muss man einfach selbst ausprobieren, um sie zu lernen.“ Während ihrer Ausbildungszeit wurde ihr alles beigebracht, was den Beruf der Winzerin ausmacht: vom Rebschnitt und der Traubenernte im Weinberg über den Weinausbau im Keller bis hin zum Verkauf der edlen Tropfen. „Das Spezielle ist, dass man die Früchte seiner Arbeit nicht unmittelbar, sondern erst nach einiger Zeit sieht. Es ist ein langer Prozess, bei dem man viel Geduld mitbringen muss“, weiß Selina Beck heute.
Nach ihrem erfolgreichen Ausbildungsabschluss im Jahr 2021 arbeitete sie drei Jahre lang in der Winzergenossenschaft Britzingen im Markgräflerland. Dort lernte sie, Wein als Naturprodukt noch mehr zu schätzen. Gleichzeitig reifte in ihr der Wille, sich weitere Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen: „Mir war klar, dass ich mich im Handwerk weiterbilden möchte.“ Fortan widmete sie sich in Vollzeit ihrer Meisterausbildung. Als Meisterstück entwickelte sie einen unfiltrierten und schwefelfreien Gutedel, der sich durch seine spezielle Herstellungsweise und seinen eigenständigen Charakter auszeichnet. „Er schmeckt auf der Zunge cremig und hat Tiefe. Die lange Maischestandzeit gibt ihm Struktur, was ihn zu einem guten Essensbegleiter macht“, skizziert die Weinküfer-Meisterin.
Ich kann es allen Frauen nur ans Herz legen, an sich und ihre Fähigkeiten zu glauben. Jede Frau, die sich für das Handwerk entscheidet, ist eine absolute Bereicherung.
Weinküfer-Meisterin Selina Beck
Frauen als Bereicherung fürs Handwerk
Selina Beck ist ihrer Liebe zum Wein treu geblieben – am liebsten trinkt sie Spätburgunder. „Wenn ihm im Laufe der Weinbereitung genug Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist er ein Traum und zudem sehr facettenreich“, resümiert sie. Doch sie selbst hat erst einmal einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen und studiert inzwischen Umweltwissenschaften mit dem Nebenfach Naturschutz. Dazu gebracht hat sie insbesondere ihre Arbeit in der Natur: „In den Weinbergen leben zahlreiche Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig bildet ein gesunder Boden die Grundlage für die Qualität eines Weins. Ich will einfach mehr darüber lernen und auch der Frage nachgehen, wie sich mehr Naturschutz in den Weinbau integrieren lässt.“
Sie hat sich mit ihrer Entscheidung für das Handwerk stets wohlgefühlt: „Die Arbeit als Winzerin und die Weiterbildung zur Weinküfer-Meisterin haben mich sehr bereichert. Ich würde diesen Weg jederzeit wieder einschlagen.“ Wenn es nach Selina Beck geht, sollten generell mehr Frauen den Schritt ins Handwerk wagen: „Ich kann es allen Frauen nur ans Herz legen, an sich und ihre Fähigkeiten zu glauben. Zwar ist das Handwerk nach wie vor männerdominiert, aber die Entwicklung geht bereits seit einigen Jahren in die richtige Richtung. Jede Frau, die sich für das Handwerk entscheidet, ist eine absolute Bereicherung.“
Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 8. Juli 2026