Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2026Deutlicher Einbruch der Handwerkskonjunktur in der Region Heilbronn-Franken
Die Konjunktur im Handwerk der Region Heilbronn-Franken erlebt einen außergewöhnlich schwachen Jahresbeginn. Vor dem Hintergrund globaler Krisen und wirtschaftspolitischer Unsicherheiten – aktuell insbesondere durch den Iran-Krieg – lag die Geschäftslage im ersten Quartal 2026 auf einem Niveau wie zuletzt im ersten Quartal 2010 während der Finanzkrise.
Geschäftslage im Sinkflug
Nur noch 36 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“. Damit liegt der Wert 10 Prozentpunkte unter dem des Vorjahresquartals (Q1/2025). So niedrig war der Wert zur Beurteilung der Geschäftslage zuletzt im ersten Quartal 2010, als er bei 27 Prozent lag. Belastend wirkt zudem, dass der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als „schlecht“ bezeichnen, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7 Prozentpunkte von 22 auf 29 Prozent gestiegen ist. 35 Prozent der Betriebe stufen ihre Geschäftslage momentan als „befriedigend“ ein (Q1/2025: 32 Prozent).
Die Geschäftslageerwartungen für das zweite Quartal 2026 lassen wenig Hoffnung auf Besserung erkennen: 24 Prozent der Betriebe rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Situation. Mit 49 Prozent prognostiziert knapp die Hälfte der Betriebe eine unveränderte Geschäftslage. 28 Prozent erwarten im nächsten Quartal eine Verbesserung, was zu einem leicht positiven Saldo von 4 Prozentpunkten bei den Geschäftserwartungen führt. In der Vergangenheit stiegen die Erwartungen im ersten Quartal eines Jahres im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres zumeist deutlich an – in diesem Jahr ist das nur in geringerem Umfang der Fall. Es wird lediglich eine sehr verhaltene Frühjahrsbelebung erwartet.
Aufgrund der aktuellen geopolitischen Spannungen, die auch die deutsche Wirtschaft stark belasten, war kurzfristig keine Verbesserung zu erwarten. Dass wir jedoch auf ein Niveau zurückfallen, das zuletzt vor 16 Jahren erreicht wurde, ist ein harter Schlag für das Handwerk.
Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Spürbare Auftrags- und Umsatzeinbußen
Auch die Auftragseingänge sind deutlich rückläufig: So berichten 45 Prozent der Betriebe von gesunkenen (Q1/2025: 40 Prozent), 39 Prozent von unveränderten (Q1/2025: 37 Prozent) und lediglich 16 Prozent von gestiegenen (Q1/2025: 23 Prozent) Auftragseingängen im ersten Quartal 2026. Insgesamt ergibt sich ein negativer Auftragslagesaldo von 28 Prozentpunkten. Für das kommende Quartal erwarten 24 Prozent der Betriebe steigende, 50 Prozent gleichbleibende und 26 Prozent sinkende Auftragseingänge.
44 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk hatten zuletzt Umsatzrückgänge zu verzeichnen (Q1/2025: 46 Prozent). 14 Prozent konnten hingegen ihre Umsätze im abgelaufenen Quartal steigern (Q1/2025: 10 Prozent) und bei 42 Prozent blieben die Umsätze konstant (Q1/2025: 44 Prozent). Für das kommende Quartal erwarten 27 Prozent der Betriebe eine Umsatzsteigerung, während 30 Prozent mit Umsatzrückgängen rechnen. 44 Prozent gehen von einer stabilen Umsatzentwicklung aus.
Betriebsauslastung: Schere geht auseinander
Bei der Betriebsauslastung sind sowohl am oberen als auch am unteren Rand Zuwächse zu verzeichnen. Einerseits ist der Anteil der Handwerksbetriebe, die eine Auslastung von mehr als 100 Prozent angeben, gegenüber dem Vorjahresquartal von 5 auf 9 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist allerdings auch der Anteil schwach ausgelasteter Betriebe, die maximal zu 60 Prozent ausgelastet sind, deutlich um 10 Prozentpunkte von 19 auf 29 Prozent gewachsen. Eine Auslastung zwischen 61 und 80 Prozent melden aktuell 34 Prozent der Betriebe (Q1/2025: 47 Prozent). Bei 28 Prozent lag die Auslastung – wie im Vorjahresquartal – zwischen 81 und 100 Prozent.
Die Zahl der Beschäftigten blieb im abgelaufenen Quartal bei 74 Prozent der Betriebe konstant (Q1/2025: 81 Prozent). Bei 7 Prozent ist sie gestiegen (Q1/2025: 4 Prozent) und bei 19 Prozent gesunken (Q1/2025: 15 Prozent). Hieraus ergibt sich wie bereits im Vorjahresquartal ein negativer Beschäftigungssaldo von 12 Prozentpunkten. Für das zweite Quartal 2026 rechnen 80 Prozent der Betriebe mit einer stabilen, 7 Prozent mit einer steigenden und 13 Prozent mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl.
Die wirtschaftspolitisch unsichere Lage hemmt auch die Investitionstätigkeit der Handwerksbetriebe: Während 19 Prozent ihre Investitionen erhöht haben (Q1/2025: 12 Prozent), sind sie bei 26 Prozent gesunken (Q1/2025: 12 Prozent). 55 Prozent berichten von gleichbleibenden Investitionen (Q1/2025: 76 Prozent). Für das kommende Quartal planen 17 Prozent höhere und 39 Prozent niedrigere Investitionen, während 44 Prozent mit gleichbleibenden Investitionen rechnen.
Neben kurzfristig sinnvollen Entlastungen braucht es auch Reformen, die die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe langfristig verbessern und wieder verlässliche Perspektiven bieten.
Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken
Kammerspitze fordert Reformen und Entlastungen
Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, zeigt sich durch den deutlichen Konjunktureinbruch alarmiert: „Unsere vergangenen Konjunkturumfragen waren bereits auf einem Niveau, das niemanden zufriedenstellen konnte. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Spannungen, die auch die deutsche Wirtschaft stark belasten, war kurzfristig keine Verbesserung zu erwarten. Dass wir jedoch auf ein Niveau zurückfallen, das zuletzt vor 16 Jahren erreicht wurde, ist ein harter Schlag für das Handwerk.“ Daher appelliert Rothenburger: „Die Politik muss dringend liefern! Auf Bundesebene braucht es spürbare Entlastungen für den Mittelstand. Und auf Landesebene muss sich schnellstmöglich eine neue, handlungsfähige Landesregierung formieren.“
Auch Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, sieht die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage mit Sorge: „Die aktuellen Rahmenbedingungen sind für das Handwerk äußerst herausfordernd. Es bleibt zu hoffen, dass die Talsohle erreicht ist. Neben kurzfristig sinnvollen Entlastungen braucht es auch Reformen, die die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe langfristig verbessern und wieder verlässliche Perspektiven bieten.“
Zur Konjunkturumfrage
Vierteljährlich werden Handwerksbetriebe der acht baden-württembergischen Handwerkskammern Freiburg, Heilbronn-Franken, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, Region Stuttgart, Reutlingen und Ulm zur wirtschaftlichen Lage befragt. Die Erhebung erfolgt im Regelfall in den letzten beiden Wochen eines Quartals. Seit Anfang 2026 werden die Erhebungen als Online-Befragung durchgeführt. Zuvor erfolgte die Umfrage telefonisch. Die aktuelle Umfrage fand vom 9. bis zum 22. März 2026 statt.
Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 2. April 2026