In einer Holzwerkstatt stehen zwei Frauen und schauen sich handgefertigten Grabschmuck aus Holz an.
Patrick Heckler

HWK-BetriebsbesuchstagFamiliengeführte Handwerksbetriebe vereinen Tradition und Vision

Beim ersten Betriebsbesuchstag der Handwerkskammer Heilbronn-Franken im Jahr 2026 besuchten Präsident Ralf Rothenburger und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr kürzlich das Zimmergeschäft Kunz in Gaildorf, Steinmetz Wieland in Mainhardt sowie Dietrich Sargfabrikation in Wüstenrot. Die drei Betriebe sind seit Generationen in Familienhand – und werden es auch bleiben. Zwei von ihnen haben den Übergabeprozess in engem Austausch mit HWK-Unternehmensberaterin Christina Bauer bereits erfolgreich bewältigt. Beim dritten ist er in den kommenden Jahren geplant. Neben Bauer verschaffte sich auch die künftige Landtagsabgeordnete Lea Geldner (Grüne) gemeinsam mit der Kammerspitze vor Ort einen Eindruck von der Situation der Betriebe.

Qualitätsbewusste Zimmerei

„Bauen, gestalten, erhalten“ – so lautet das Motto des 1820 gegründeten Zimmergeschäfts Kunz in Gaildorf. Seit Anfang 2025 ist die siebte Generation am Start, nachdem Gerhard Kunz (62) den Familienbetrieb an seinen Sohn Benjamin (35) übergeben hat. „Uns war es wichtig, gemeinsam einen reibungslosen Übergang hinzubekommen – und das haben wir geschafft. Mein Vater unterstützt mich weiterhin tatkräftig und ist für mich ein wichtiger Ratgeber“, sagt Benjamin Kunz. Aktuell müsse sich die Zimmerei jedoch zahlreichen Herausforderungen stellen. „Die Menschen sind aufgrund der aktuellen wirtschaftspolitischen Situation verunsichert und zurückhaltend. Dadurch werden auch die Aufträge in den Bereichen Neubau, Ausbau und Dachsanierungen weniger“, fasst Gerhard Kunz zusammen. Doch Vater und Sohn zeigen sich optimistisch. Gemeinsam mit ihrem 30-köpfigen Team und sieben Auszubildenden wollen sie auch diese Phase meistern – so wie schon viele Herausforderungen in der über 200-jährigen Unternehmensgeschichte. Neben höchster Qualität setzen sie dabei auf individuelle Beratung. So gibt es im neuen Bürogebäude unter anderem einen eigenen Ausstellungsbereich mit verschiedenen Treppen, Türen, Fenstern und Dachziegeln.

Wir setzen zunehmend auf Nachhaltigkeit und insbesondere auf die Kreislaufwirtschaft. So schenken wir recycelten Grabsteinen als Terrazzoboden ein zweites Leben

Wolfgang Wieland, Steinmetz- und Steinbildhauermeister sowie Steinrestaurator

Nachhaltiger Steinmetzbetrieb

„Wir machen das Besondere“, sagt Wolfgang Wieland (33), Steinmetz- und Steinbildhauermeister sowie Steinrestaurator. Er stieg 2022 in den elterlichen Steinmetzbetrieb ein und übernahm diesen 2025 von seinen Eltern Walter (69) und Beate (63). Heute arbeiten die drei gemeinsam mit einem angestellten Meister weiterhin eng zusammen. Der Fokus des Handwerksbetriebs liegt derzeit noch klar auf der Gestaltung von Grabmalen in Mainhardt und im Umkreis von rund 15 Kilometern. Das Geschäft laufe aktuell gut, doch das Bestattungswesen befinde sich zunehmend im Wandel, berichtet Wieland: „Es gibt immer mehr Feuer- und immer weniger Erdbestattungen. Hinzu kommt der Trend zu Waldbestattungen statt Beisetzungen auf dem Friedhof. Dadurch werden weniger Grabsteine, sondern eher Grab- oder Gedenktafeln benötigt.“ Doch Wieland möchte in Zukunft auch weitere Geschäftsbereiche erschließen. „Die Restaurierung sowie die Herstellung individueller Produkte aus Stein, beispielsweise Skulpturen, sind Bereiche, die ich künftig weiter ausbauen möchte. Darüber hinaus setzen wir zunehmend auf Nachhaltigkeit und insbesondere auf die Kreislaufwirtschaft. So schenken wir recycelten Grabsteinen als Terrazzoboden ein zweites Leben“, gibt er einen Einblick in seine Zukunftspläne.

Innovative Sargfabrikation

„Der Sargbau ist in Deutschland nahezu tot“, lautet die Einschätzung von Brigitte Dietrich (65), Inhaberin der Sargfabrikation Dietrich in Wüstenrot. Gemeinsam mit ihrem Mann Norbert (59), den Söhnen Simon (32) und Alexander (27) sowie drei Angestellten produziert sie handgefertigte Särge, Urnen, Grabkreuze und Zubehör. Neben der sich wandelnden Bestattungskultur mache den wenigen verbliebenen deutschen Sargherstellern auch die günstigere Konkurrenz aus Osteuropa, speziell aus Polen, zu schaffen. Daher setzen die Dietrichs verstärkt auf eigene Innovationen: Dazu zählen ein komplett metallfreier Sarg mit einem patentierten Griffmechanismus sowie designgeschützte Herzgrabtafeln. „Wir möchten mit unseren qualitativ hochwertigen Produkten dazu beitragen, den Abschied von geliebten Menschen möglichst würdevoll zu gestalten“, so Brigitte Dietrich, die Bestatter sowie nationale und internationale Händler im Bestattungswesen beliefert. Die Brüder Simon und Alexander Dietrich, die die Sargfabrikation in fünfter Generation führen sollen, wollen vor allem das internationale Geschäft weiter ausbauen.



Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 31. März 2026