In einer Backstube stehen zwei Bäckerinnen. Gemeinsam bereiten sie Brotlaibe zum Backen vor.
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StellungnahmeSPD-Vorschlag völlig unverständlich, kontraproduktiv und nur schwer zu vermitteln

Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken kritisiert die am Mittwoch, 13. Januar 2026, vorgestellten Reformpläne der SPD zur Erbschaftssteuer. Präsident Ralf Rothenburger sagt: „Betriebsvermögen müssen auch weiterhin verschont bleiben. Es ist ein fatales Signal an alle Unternehmerinnen und Unternehmer, dass die SPD die Betriebsvermögen nun noch stärker mit der Erbschaftssteuer belasten möchte.“ Insbesondere in konjunkturell schwierigen Zeiten sei das völlig unverständlich, kontraproduktiv und nur schwer zu vermitteln. „Der Freibetrag in Höhe von fünf Millionen Euro mag sich zunächst hoch anhören, doch durch den Wert von Grundstücken, Gebäuden, Fahrzeugen und Maschinen ist dieser Betrag selbst bei Handwerksbetrieben schnell erreicht“, erklärt Rothenburger.

60 Prozent Familiennachfolger

Die nun von der SPD vorgeschlagene Änderung der Erbschaftssteuer gefährde Betriebsübergaben innerhalb der Familie massiv. Schätzungsweise 60 Prozent der Übergaben im Handwerk erfolgen innerhalb der Familie. „Söhne und Töchter sind oft die natürlichen Nachfolger in Handwerksbetrieben. Wir können froh sein, dass trotz der nach wie vor massiven bürokratischen Belastungen, trotz horrender Energiekosten und den immer weiter steigenden Sozialabgaben nach wie vor zahlreiche junge Menschen die Betriebe ihrer Eltern übernehmen möchten“, schildert Ralf Rothenburger. Das sei insbesondere deshalb wichtig, weil Babyboomer in den Ruhestand gehen und in der Region laut Schätzung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken in den nächsten fünf Jahren rund 3.000 Handwerksbetriebe zur Übergabe anstehen. Rothenburger unterstreicht deshalb eindringlich: „Herr Klingbeil, lassen Sie die Finger weg vom Betriebsvermögen unserer hart arbeitenden Handwerkerinnen und Handwerker.“

Handwerksbetriebe investieren ihre Vermögen in Werkstätten, Maschinen, Fahrzeuge und nicht zuletzt in die rund 5,6 Millionen Beschäftigten im Handwerk in Deutschland.

Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken

Handwerksbetriebe halten Land am Laufen

Die rund eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland seien es, die das ganze Land am Laufen halten. „Handwerksbetriebe investieren ihre Vermögen in Werkstätten, Maschinen, Fahrzeuge und nicht zuletzt in die rund 5,6 Millionen Beschäftigten im Handwerk in Deutschland“, so Rothenburger. Laut Statistischem Bundesamt steigen die Arbeitslosenzahlen in Deutschland seit 2022 von Jahr zu Jahr kontinuierlich an. In der aktuellen Lage gehe es daher darum, Unternehmen und damit auch Arbeitsplätze langfristig zu sichern, nicht zu gefährden. Gleiches gelte für die Sicherung von Ausbildungsplätzen. „Aktuell freuen wir uns über ein sattes Plus von 6,0 Prozent bei den Ausbildungszahlen im Handwerk in der Region.“ Das zeige: Das Handwerk ist attraktiv für junge Menschen. Doch wer die Übergabe von Betrieben gefährdet, gefährde auch Ausbildungsplätze. „Und das kann niemand wollen“, betont Rothenburger. Zudem solle doch zunächst einmal das noch ausstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Erbschaftssteuergesetz abgewartet werden, bevor über die Änderung der Erbschaftssteuer diskutiert wird, so Rothenburger abschließend.



Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 14. Januar 2026