BerufsbildungTipps für einen erfolgreichen Ausbildungsstart
Am 1. September 2025 beginnt in Baden-Württemberg das neue Ausbildungsjahr: Ausbildungsberater Andreas Müller gibt Handwerksbetrieben praxisnahe Tipps, wie der Start in die Ausbildung gelingt.

Die Ausbildung von Nachwuchskräften ist eine zentrale und nachhaltige Aufgabe von Betrieben. Denn die Auszubildenden von heute sind die Fach- und Führungskräfte von morgen. „Deshalb ist es umso wichtiger, jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern und von Anfang an eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen“, sagt Andreas Müller, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Der 46-Jährige kennt sowohl die Bedürfnisse von Auszubildenden als auch die Anforderungen von Betrieben und gibt seine Erfahrungen an Handwerksbetriebe im Kammergebiet weiter.
Kennenlernen im Fokus
„Die meisten neuen Auszubildenden kommen direkt von der Schule, sodass die Arbeitswelt für sie absolutes Neuland ist. Daher ist es wichtig, ihnen zu vermitteln, welche Werte in einem Betrieb gelebt werden. Gleichzeitig gilt es, sie über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären“, so der Ausbildungsberater. Wichtig sei es auch, Offenheit zu signalisieren und die neuen Auszubildenden dazu zu ermutigen, Fragen zu stellen. Müller empfiehlt, neben dem Ausbilder einen festen Ansprechpartner als Pate zu benennen, beispielsweise einen anderen Auszubildenden aus einem höheren Ausbildungsjahrgang, der vor nicht allzu langer Zeit bereits selbst in der gleichen Situation war.
„Besonders in den ersten Tagen einer Ausbildung steht das gegenseitige Kennenlernen im Fokus. Ein Betriebsrundgang und die Vorstellung der neuen Kollegen helfen dabei, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden“, weiß Andreas Müller. „Das lässt sich auch spielerisch gestalten, indem man eine Betriebsrallye macht, bei der die neue Nachwuchskraft kleinere Aufgaben oder Rätsel zu lösen hat.“ Auch die Organisation eines Teambuilding-Events in der ersten Arbeitswoche könne dabei helfen, die Integration in den Betrieb zu erleichtern.
Wenn Auszubildende Wertschätzung spüren, zahlen sie das dem Betrieb mit Identifikation und Leistung zurück.
Andreas Müller, Ausbildungsberater
Wertschätzung vermitteln
Für Ausbildungsanfänger sei es wichtig, vermittelt zu bekommen, dass sie gebraucht werden. „Wenn Auszubildende Wertschätzung spüren, zahlen sie das dem Betrieb mit Identifikation und Leistung zurück“, ist sich Müller sicher. In Zeiten des Fachkräftemangels und angesichts der demografischen Entwicklung hätten junge Menschen, die eine handwerkliche Ausbildung absolvieren, beste Berufsperspektiven. Sei es, direkt nach der Ausbildung als Geselle Verantwortung zu übernehmen oder sich zum Meister weiterzubilden und perspektivisch den eigenen Ausbildungsbetrieb selbst zu führen.
Der Ausbildungsberater regt an, Auszubildende nicht nur auf ihre Chancen, sondern auch auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen. Als Beispiel führt er das Ausbildungsgehalt an. „Für viele neue Auszubildende ist es das erste Mal, dass sie Geld verdienen. Einige von ihnen sind bereits volljährig und damit voll geschäftsfähig. Das ist in erster Linie natürlich positiv, bringt jedoch auch Gefahren mit sich. Daher befürworte ich es, wenn Betriebe das Thema Finanzkompetenz und den Umgang mit Geld offen ansprechen und Auszubildende hierfür sensibilisieren.“
Transparenz schaffen
Um Ausbildungsanfängern von Beginn an Orientierung zu geben, empfiehlt Andreas Müller, gemeinsam die Ausbildungsordnung durchzugehen, den Ausbildungsrahmenplan zu besprechen und den Ablauf rund um das (digitale) Berichtsheft zu klären. Auch die Vorgehensweise bei überbetrieblichen Ausbildungsabschnitten, dem Berufsschulunterricht oder den Prüfungen solle frühzeitig besprochen werden.
Müller rät Betrieben außerdem, viel mit ihren Auszubildenden zu kommunizieren und ihnen konstruktives Feedback zu geben. „Kommunikation ist nicht nur in der Ausbildung, sondern generell im Leben das A und O. Doch besonders bei jungen Menschen, die sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden müssen, ist ein regelmäßiger Austausch wichtig. Davon können am Ende alle Seiten nur profitieren und dazulernen.“ So werde nicht nur der Ausbildungsstart, sondern die gesamte Ausbildung ein voller Erfolg.