Im Vordergrund zusammengerollte Euroscheine von 5 bis 500 Euro Wert. Im Hintergrund das Wort Corona und der Bundesadler.
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Unverständnis über Ungerechtigkeiten wächst

Pressemitteilung der Handwerkskammer vom 7. Juni 2021

Die Corona-Pandemie bestimmt seit über einem Jahr das Leben in Deutschland. Nicht alle politischen Entscheidungen treffen dabei auf Verständnis. Denn die Ausnahmesituation rückt auch viele Bereiche in den Fokus, in denen schon zuvor politischer Handlungsbedarf bestand. Kleine und mittelständische Handwerksbetriebe klagen vermehrt bei der Handwerkskammer, dass ihre Belange nicht mehr wahrgenommen würden. Ein Beispiel: Die Soforthilfe, die das Land vor rund einem Jahr von April bis Juli 2020 zur Verfügung stellte. Schnell und unkompliziert sollten Betriebe, die von den Auswirkungen der Pandemie betroffen waren, finanziell unterstützt werden.

Berechtigt aber nicht gerecht

Doch von den vollmundigen Versprechen ist in vielen Betrieben nicht mehr viel geblieben. „Die Hilfen mussten inzwischen von vielen Handwerkern zurückgezahlt werden“, berichtet Monika Dietrich, Leiterin der Abteilung Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer. Denn besonders Betriebe, die im Lockdown schließen mussten, waren danach bemüht, das zu kompensieren.

„Auch die Nachfrage der Kunden war etwa bei Friseuren entsprechend groß. Damit haben sie aber den Liquiditätsengpass, der sie als Empfänger der Soforthilfe berechtigt hat, oft wieder ausgeglichen“, erklärt Dietrich. Die Rückzahlungen sind zwar berechtigt – aber fühlen sich für viele Handwerker ungerecht an. „Denn wer mehr gearbeitet hat, um die Verluste des Lockdowns zu kompensieren, wird dafür nicht belohnt, sondern verliert die Unterstützung“, fasst Monika Dietrich die Stimmung zusammen.

Versprechen in Luft aufgelöst

So erging es auch Friseurmeisterin Manuela Martin-Dambach. Ihren Salon m hair-cosmetics in Forchtenberg (Hohenlohekreis) hat sie 2018 von ihrer Mutter übernommen. Ihre 9000 Euro Soforthilfe aus dem Jahr 2020 muss sie komplett zurückerstatten. „Nicht mal die Fixkosten oder den Unternehmerlohn kann ich anrechnen“, klagt die 39-Jährige. Die sechs Wochen, die ihr Salon im Frühjahr 2020 geschlossen war, finanziert sie damit aus eigener Tasche. „Natürlich waren wir nach der Schließung erst einmal mehr als ausgelastet“, erinnert sie sich. Nach etwa zwei Monaten normalisierte sich die Nachfrage aber wieder.

Dabei ärgert sie weniger die Rückzahlung selbst als die Ungerechtigkeit im Vergleich zu großen Unternehmen. „Im Nachhinein wäre es natürlich besser gewesen, den Umsatz mehr zu verteilen – aber welcher Handwerker macht das schon?“, fragt sie. Ganz anders sei das zum Teil in der Industrie, wo so gearbeitet werden könne, dass man bestmöglich von den staatlichen Hilfen profitiere. Auch dank Kurzarbeit verzeichneten diese Unternehmen jetzt Gewinne – Rückzahlungen müssen sie dagegen nicht befürchten. „Das passt doch nicht zusammen. Da kommt das Geld bei den Falschen an“, findet sie. Viele Politiker seien heute einfach „total realitätsfremd“. Die vielen Versprechungen hätten sich meist in Luft aufgelöst. „Aber das bekommen die gar nicht mehr mit“, glaubt Manuela Martin-Dambach.

Frau mit blonden Haaren in Jeans und weißem T-Shirt zwischen zwei Stühlen in einem Friseursalon, blickt in die Kamera.
privat

Politik muss dringend handeln

Auch Kammerpräsident Ulrich Bopp prangert das zunehmende Ungleichgewicht der politischen Maßnahmen an. „Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass Großkonzerne, die Subventionen in Milliardenhöhe erhalten, jetzt Rekordgewinne erzielen, Boni auszahlen und Dividenden ausschütten können, aber keinen Cent an den Staat zurückzahlen müssen“, sagt Bopp. Sicher sei das alles legitim. „Aber ist das moralisch gegenüber Klein- und Kleinstbetrieben noch vertretbar?“, fragt er.

Es sei nicht vermittelbar, dass das System der staatlichen Hilfen, für die sich die Politik gerne selbst auf die Schulter klopfe und großzügig Schuldenberge in Kauf nehme, so unterschiedlich ausgelegt und praktiziert werde. „Von kleinen Friseurbetrieben werden Hilfen zurückgefordert, wenn sie trotz Schließung wieder Gewinn gemacht haben – meist nur dank Mehrarbeit und großem Einsatz, auch von Eigenkapital, um an ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festzuhalten“, kritisiert Bopp. „Hier muss die Politik dringend handeln. Es kann nicht sein, dass die kleinen und mittleren Betriebe am Ende unverschuldet die Verlierer dieser Krise sind“, fordert der Maurermeister.

  Weitere Informationen

Dipl.- Betriebswirtin (FH) Monika Dietrich
Abteilungsleiterin Unternehmensberatung

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